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Foto: aus dem besrochenen Buch / Espa Riga, Klafs
Die Sauna von heute erinnert kaum mehr an eine einfache und enge Holzhütte.
Foto: aus dem besrochenen Buch / The Dolder Grand Zürich, Klafs

Nach der Sauna ins kalte Becken, das belebt den Organismus.

 
Leben 16. März 2010

„Wer mit Wärme nicht zu heilen ist, dem ist nicht zu helfen“

Die Sauna: der beliebte Rückzugsort.

Erst die Hitze, dann die Kälte: Auf diesem Wechselspiel baut der Saunaeffekt auf. Ein natürliches und erprobtes Mittel zur Gesundheitspflege.

 

Die Sauna gehört für Finnen so selbstverständlich zum Alltag wie das tägliche Knäckebrot. Erst das Bad in der heißen Luft, die die Kerntemperatur des Körpers um 1,5 ° Celsius ansteigen lässt, auf 38,5 ° Celsius, dann die Abkühlung, sei es im kalten Becken, im Schnee oder unter dem kalten Wasserstrahl. Der Körper wird kurz hintereinander zwei diametral entgegengesetzten Reizen ausgesetzt, mit der Folge, dass sich die Gefäße weiten, dann verengen. Weiterer Effekt: Herzfrequenz und Blutdruck steigen in die Höhe, allerdings ohne eine Gesundheitsgefahr darzustellen, da die Gefäße geweitet sind. Der Organismus wird auf Hochtouren gebracht, dann darf er sich wieder auf Normalniveau einpendeln.

Es ist wie nach intensiver Sportausübung: Der Lohn der Anstrengung ist eine tiefe Entspannung. Körperlich wie auch seelisch. Der Unterschied ist nur, dass sich der Mensch in der Sauna überhaupt nicht anstrengen muss – er muss nur ruhig dasitzen. Was höchstens von ihm verlangt wird, ist der Mut und die Bereitschaft zur Selbstüberwindung, besonders dann, wenn es zum Abschluss des Saunagangs ins kalte Wasserbecken geht. Wer sich stattdessen unter die warme Dusche stellt, wählt die angenehmere Variante, doch er bringt sich damit um den Sauna-Effekt, der sich auf der Aufeinanderfolge der beiden unterschiedlichen Reize gründet.

Abwehrkräfte stärken

„Wer mit Wärme nicht zu heilen ist, dem ist nicht zu helfen“, sagte schon Hippokrates. Die Sauna hilft, die Abwehrkräfte zu stärken, die Gefäße elastischer zu machen und den Organismus von Schlacken zu befreien. So steht es zumindest in dem Großen Saunabuch von Robert Kropf. Gestrenge Schulmediziner wenden dagegen ein, dass es, außer in der Erzverhüttung, nirgendwo sonst Schlacken gebe – niemand hätte sie jemals im Organismus nachweisen können.

Wie gänzlich unbeeindruckt von dieser Auseinandersetzung erfreut sich die Sauna auch hierzulande einer steigenden Beliebtheit. Wobei sie von ihrem angestammten Platz im Keller zunehmend in den Wohnbereich vordringt. Wie im privaten Haushalt, so auch in den Freizeit- und Hotelanlagen: Wie Kropf schreibt, gibt es in Österreich aktuell 950 Wellnesshotels. Heute wird der Luxus in einem Hotel bereits mehr über seinen Sauna- bzw. Wellness-Bereich definiert als über die Zimmer, die Lobby oder die Bar.

Großzügiger Ruheraum

Die Sauna ist heute nur noch selten eine Art Holzhütte. In den feinen Hotels ist sie längst ein High-tech-Bereich, der hier und da mit einem ausgeklügelten Farblichtsystem ergänzt wird. Dazu kommt ein selbstverständlich großzügig bemessener Ruheraum. Alles zum Wohle des Gastes! Auf dass er die zurückliegende Arbeitswoche vergisst und Kraft schöpft für die, die vor ihm liegt.

Der Trend zu dieser Art von Erholung und Parallelwelt hat nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker. Für diese sind die Sauna- und Wellness-Anlagen weniger Ausdruck eines gestiegenen Gesundheitsbewusstseins, stattdessen fragen sie besorgt: Wie krank ist unsere Gesellschaft bereits, dass diese Rückzugsorte derart florieren? Warum suchen die Menschen die Hitze der Sauna und die Dunkelheit des Ruheraums, und wieso empfinden sie die als so viel angenehmer als das sogenannte wirkliche Leben?

Kritiker geben auch zu bedenken: Wer ständig seine Gesundheit im Auge habe, immer etwas für sein Wohlergehen mache, komme nie zur Ruhe. Und sei somit vom Zustand der Gesundheit sehr weit entfernt, denn die sei, wie die Liebe oder das Glück, durch ein hohes Maß an Selbstvergessenheit charakterisiert.

Täglich in die Sauna

Das sind Einwände, die allerdings nicht auf die Finnen zutreffen. Die gehen in die Sauna, nicht weil sie primär etwas für ihre Gesundheit machen wollen, sondern weil das einfach zu ihrem täglichen Leben gehört. Und ganz nebenbei merken sie, dass das ihnen gut tut.

Einige Sauna-Regeln
Saunagäste müssen ausreichend Zeit mitbringen, ein Saunabad dauert etwa zwei Stunden. Voller oder leerer Magen sind schlecht.
• Vorher duschen und gut abtrocknen. Weil: Trockene Haut schwitzt schneller.
• Acht bis 15 Minuten für einen Saunagang sind ausreichend. Möglichst liegend, allerdings die letzten zwei Minuten sollte man sitzen, das ist besser für den Kreislauf.
• Nach Saunagang nicht sofort abduschen oder ins kalte Becken springen. Sondern erst an der frischen Luft abkühlen. Vor dem Tauchbecken den Schweiß abduschen!
• Nach dem Saunabad keinen Sport machen, das ist schlecht für den Kreislauf.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 11 /2010

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