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Fritz Kahn. Man Machine – Maschine Mensch Uta von Debschitz/ Thilo von Debschitz 208 Seiten, 259 Abb. in Farbe, € 49,95 Springer WienNewYork 2009 ISBN 9783211991817
 
Leben 27. Jänner 2010

Körper – Funktion

Maschinentechnik prägt die Vorstellung vom menschlichen Organismus.

Zwischen den Bau- und Funktionsprinzipien des menschlichen Körpers und technischen Erfindungen bestehen erstaunliche Parallelen. Zu dieser Erkenntnis kam man im Laufe der zunehmenden Technisierung im 19. Jahrhundert, und der deutsche Mediziner und Geisteswissenschafter Fritz Kahn setzte diese Parallelen in vielfache Bild- und Sprachwerke um: „Der Mensch als Industriepalast“. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren seine populärwissenschaftlichen Überlegungen und Publikationen sehr beliebt, in den 30er Jahren wurden sie verboten.

 

Uta und Thilo von Debschitz haben in langjähriger Kleinarbeit die faszinierenden Bilder von Fritz Kahn zusammengetragen, in dessen Familie recherchiert und das Bildwerk veröffentlicht. Kahns Vergleiche und anschaulichen Darstellungen, die bis heute unsere Vorstellung von Körperfunktionen beeinflussen, sind immer noch faszinierend und bezaubernd. Ob es um die Darstellung „How dessert cleans the tongue“ oder die Darstellung der Ähnlichkeit von Walnuss und menschlichem Gehirn geht, ob er den Blutstrom im menschlichen Körper – mit Vorbeifahrt an einer Wanderzelle – als abenteuerliche Reise interpretiert oder die Reiseerlebnisse einer Wanderzelle selbst im Talgrund der Fleischwunde zeigt. Er erkennt, dass die Hauptformen der menschlichen Knochen mit den Haupttypen der technischen Stützkonstruktionen auffallend übereinstimmen, und stellt anschauliche Korrelationen her.

„Die Arbeitsleistung des Herzens“: Das Herz treibt einen Fahrstuhl in 40 Minuten fünf Stockwerke hoch. Es füllt im Lauf des Tages drei Tankautos mit 10.000 Litern Blut und pumpt in 70 Jahren 250 Millionen Liter Blut, die den Rauminhalt eines Wolkenkratzers ausfüllen.

Kahn entwirft eine phantastische Welt, die komplexe Zusammenhänge zu einer mitreißenden Geschichte umformt und so das Verständnis erleichtert. Sein Publikum der 20er Jahre wusste dies zu schätzen, dann wurde der Schatz verschüttet. Nun ist er wieder gehoben worden.

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