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Foto: Stojka
Naturbilder: So arbeitet Ceija Stojka ihre KZ-Vergangenheit auf.
 
Leben 9. Dezember 2009

Blühende Landschaften im Wartezimmer

Kunstwerke einer KZ-Überlebenden.

Das Nuklearmedizinische Institut im Wiener Wilhelminenspital zeigt bis Anfang Jänner Malarbeiten von Ceija Stojka.

 

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg zum Propheten kommen. Wenn die Leute nicht zur Kunst kommen, muss die Kunst zu den Leuten kommen. Also präsentiert Prim. Dr. Siroos Mirzaei im Eingangsbereich und Warteraum des Nuklearmedizinischen Instituts im Wiener Wilhelminenspital Malarbeiten von Ceija Stojka (bis Anfang Jänner 2010, Kuratorin: Hannah Feigl). Sie ist schon als Autorin und Musikerin in Erscheinung getreten, nun präsentiert sich die 73-Jährige und im letzten Jahr in den Professorenstand aufgestiegene Künstlerin auch als Malerin. Ein Allround-Talent, kann man sagen, dabei hat sie keine der Künste studiert. Doch dafür bringt sie eine Erfahrung mit, die kaum jemand mit ihr teilt: Sie hat das Konzentrationslager Auschwitz überlebt. Nicht überlebt haben das ihr Vater und ihr Bruder. Stojka war noch einmal mit dem Leben davongekommen, sie, der als Angehörige der Lowara-Roma wie allen „Zigeunern“ während der Nazi-Zeit jedes Lebensrecht abgesprochen worden war. Ein traumatisches Erlebnis, das einen verständlicherweise zeitlebens nicht wieder loslässt. Stojka versucht es über die Kunst aufzuarbeiten. Ihre im Spital ausgestellten Bilder zeigen aber keine Schreckensszenarien, auch keine Gräueltaten oder NS-Schlächter – sondern vielmehr blühende Landschaften. Dieses innere Bild wird Stojka nämlich auch nicht mehr los: Auf ihrem Weg ins Konzentrationslager, im Todeszug also, kam sie an schönsten Landschaften vorbei.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 50 /2009

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