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Foto: Oliver Möst
Oliver Möst zeigt in seinen Fotos die Welt so, wie sie ein Sehschwacher sieht.
Foto: Oliver Möst

Durchgehende Unschärfe: Wir suchen nach einem Anhaltspunkt und finden ihn nicht. Das schafft Unsicherheit.

 
Leben 9. Dezember 2009

Schemenhafte Welt

Oliver Möst thematisiert sein eigenes Handicap: 6.0 Dioptrien.

Formen und Farben zerfließen: So sieht die Welt ein Sehbehinderter. Und so zeigt sie auch der Fotokünstler Oliver Möst in seinem Werk „Clackastigmat 6.0“.

 

Unschärfe wird gerne als Stilmittel in der Fotografie eingesetzt. Um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Oder um knisternde Spannung in erotische Aufnahmen zu bringen. Doch bei den Fotoarbeiten von Oliver Möst reiben wir uns im wahrsten Sinne die Augen.

Wir schauen und schauen – und vermögen doch nicht richtig was zu erkennen. Unsicher tapsen wir durch seine Fotografien und suchen nach Anhaltspunkten. Vergeblich, das macht uns nervös und ungeduldig. Denn der Mensch verlangt nach Sicherheit, das scheint in seiner Natur zu liegen. Und diese Sicherheit wird ihm hier vorenthalten. Erst wenn wir alle Anstrengung sein lassen, uns zurücklehnen und die Bilder in Ruhe auf uns wirken lassen, beginnen wir ihren Reiz zu entdecken. Wir sehen hier die Welt so, wie wir es normalerweise nicht tun: unscharf, mit verlaufenden Farben und aufgelösten Konturen. Also just so, wie sie ein Sehbehinderter wahrnimmt. Und hier liegt auch das Geheimnis der Aufnahmen des deutschen Fotokünstlers: Er hat sein Brillenglas (6 Dioptrien) als Linse in seine Kamera eingebaut, eine Agfa Clack. Nun erschließt sich uns auch der Titel: Clackastigmat 6.0, dieses Kunstwort setzt sich aus dem Namen der Kamera und der Fehlsichtigkeit zusammen.

 

Oliver Möst: Clackastigmat 6.0, 136 Seiten, 80 Farbabbildungen, Peperoni Books, Berlin, 2009

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 50 /2009

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