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Fotos (3): aus Ausstellungskatalog
Eissturm im Osten Kanadas, 1998.
 
Leben 14. November 2008

Wie wird, wie muss sich unser Leben ändern?

Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum: „Das Wetter, der Mensch und sein Klima“.

Frühlingshafte Temperaturen im November. Ist das noch normal oder schon der Vorbote für einschneidende Klimaveränderungen? Wettervorhersagen drehen sich nicht mehr nur um das Wetter von morgen, wie die aktuelle Sonderausstellung im Deutschen Hygienemuseum Dresden zeigt.

 

Die Nächte werden nun wieder länger und die Tage kürzer. Das bedeutet auch, dass laut Statistik jeder 50. in eine saisonal abhängige Depression (SAD) fallen wird, umgangssprachlich auch Winterdepression genannt. Der Lichtmangel und die damit beeinträchtigte Melatoninproduktion werden für diese Form der affektiven Störung verantwortlich gemacht, man vermutet nicht zuletzt deshalb diesen Zusammenhang, weil sich ausgedehnte Spaziergänge im Freien, im Licht sozusagen, als recht hilfreich dagegen erweisen.

Unser Allgemeinbefinden ist unmittelbar vom Wetter abhängig, das zeigen auch andere Beispiele. So reagieren viele auf Föhnwetterlage mit Kopfschmerzen. Schlägt das Wetter um, passieren 10 Prozent Verkehrsunfälle mehr. Und wird es zu Jahresbeginn wieder langsam wärmer, werden wir von Frühjahrsmüdigkeit übermannt. Inwieweit in diesen Fällen tatsächlich immer ein kausaler Zusammenhang besteht, ist freilich in der Fachwelt umstritten. Es gibt eine eigene Sparte der Medizin, die Medizinmeteorologie, die auf diesem Gebiet forscht und in den letzten ein, zwei Jahren sehr populär geworden ist.

Das Deutsche Hygienemuseum in Dresden, vor etwa einhundert Jahren gegründet und traditionell der Gesundheitserziehung verpflichtet, widmet ihre aktuelle Sonderausstellung dem Thema „Das Wetter, der Mensch und sein Klima“. Man konnte vermuten, dass die Ausstellung neueste Erkenntnisse präsentieren würde, wie das denn nun wirklich ist mit unserer Wetterabhängigkeit und dem so populären „Biowetter“. Ob es wirklich stimmt, dass Regen aufs Gemüt und Hitze aufs Herz schlägt.

Doch gerade dieser Aspekt wird kaum behandelt. Stattdessen gilt das Interesse dem globalen Thema Klima, das in erster Linie als kulturelles Phänomen untersucht wird. „Von der Hexenjagd zur Risikoprävention. Reaktionen auf Klimaveränderungen seit 1500“, „Die Bühne der Götter. Figurationen religiöser Meteorologie“, „KlimaKultur – ein transdisziplinärer Projektverbund“ – das sind einige Themen aus dem Ausstellungskatalog, die die Richtung anzeigen.

Klimaziele der EU

In der Tat hat die harmlose Frage nach dem Wetter von morgen ihre Unschuld verloren. Die Diskussion um die Ursachen und Folgen des globalen Klimawandels hat unseren Alltag erreicht: Ist der für morgen angekündigte Sturm nicht vielleicht schon ein Vorbote der Katastrophe von übermorgen?

Wir fürchten nicht mehr allein Kopf- und Gliederschmerzen mit dem heraufziehenden Tief, sondern inzwischen auch Überschwemmungen und Verwüstungen. Die meisten Klima-Experten stimmen darin überein, dass ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit unvorhersehbare und kaum noch beherrschbare klimatische Prozesse auslösen könnte. Die Mitglieder der Europäischen Union einigten sich daher im Jahr 2002 auf das gemeinsame Ziel, mit der Drosselung des Kohlendioxid-Ausstoßes die globale Erwärmung auf diesen kritischen Wert zu begrenzen.

Das Museum möchte mit der Ausstellung gerade folgende Fragen aufwerfen: Wie kann die Weltgemeinschaft die vorhandenen Handlungsspielräume mit Kreativität nutzen? Was können wir heute tun, um die Katastrophe von morgen abzuwenden? Wie wird, wie muss sich unser Leben ändern?

 

Deutsches Hygienemuseum: Ausstellung „Das Wetter, der Mensch und sein Klima“, bis 19. April 2009, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Telefon: 0049/0351 4846-400.

Der Katalog ist im Wallstein Verlag erschienen: Petra Lutz und Thomas Macho (Hrsg. für das Deutsche Hygiene Museum): „Zwei Grad – Das Wetter, der Mensch und sein Klima“.

304 Seiten, 100 Abbildungen, 25,60 Euro. ISBN: 9783835303256.

Fotos (3): aus Ausstellungskatalog

Eissturm im Osten Kanadas, 1998.

500.000 Kubikmeter Erde donnerten 2005 am Grindelwaldgletscher ins Tal.

Sandsturm im Flüchtlingslager Dakhla in der algerischen Wüste, 2001.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche

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