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Leben 24. November 2009

ALLseits genial

Einem der berühmtesten Astronomen wird die Bühne gemacht.

Kepler, die Erfolgsoper von Philip Glass über den genialen Forscher Johannes Kepler, ist derzeit in Linz, der Kulturhauptstadt Europas 2009, zu sehen.

 

Nach wie vor ist das Weltall ein Wunder voller ungelöster Rätsel. Nach wie vor erregt jeder Astrophysiker unsere ungeteilte Bewunderung. Einer davon ist Johannes Kepler, der vor 400 Jahren (auch) in Linz gelebt hat.

Mitten des Dreißigjährigen Krieges lebte und arbeitete Kepler und dachte etwa darüber nach, warum die Planeten sich so bewegen, wie sie das nun mal tun. Dabei war er sicher kein weltabgewandter Sonderling. Schließlich diente er nicht nur als kaiserlicher Hofmathematiker (in Prag), sondern, später dann zu Zeiten des Krieges, auch dem kaiserlichen Heerführer Wallenstein als persönlicher Astrologe.

Was uns heute als gegensätzlich erscheint – einerseits die präzisen Wissenschaften Mathematik und Physik, andererseits die okkulte Astrologie – war damals noch nicht getrennt. Gott hatte seinen festen Platz im Alltag und der Okkultismus war so selbstverständlicher Teil des Lebens wie heute die Kronenzeitung. Wenn aber Gott all das kann, was wir Menschen ihm andichten, warum, so mag Kepler sich gefragt haben, lässt er dann das Sonnensystem eiern? Eiern ist nun mal irgendwie ungöttlich.

Philip Glass (geboren 1937 in den USA) ist ein weltberühmter Komponist. In jungen Jahren aber war auch er sehr an den Mysterien des Weltalls interessiert und wurde Mitglied eines Astronomieclubs. Seine Begeisterung für die Wissenschaft erlosch nie. Glass schrieb u. a. Opern über Einstein und Galilei und lieferte die Musik zu einem Dokumentarfilm über Stephen Hawking.

Nun aber begeistert er im Linzer Landestheater mit seinem Kepler. Im November gibt das Bruckner Orchester unter der Leitung von Dennis Russell Davies konzertante Aufführungen von Glass’ Komposition auch in New York. Und, nur für den Fall, dass Sie weder in Linz sind, am 11. Oktober nicht die Möglichkeit hatten, sich die Übertragung der Oper im Kino anzuschauen, noch in absehbarer Zeit nach New York kommen: Der ORF sendet eine Aufzeichnung der Linzer Inszenierung am 14. Dezember.

Rollende Basslinien, auf denen perlende Arpeggien tanzen, mal leicht und federnd, dann wieder stampfend, vorwärts drängend, mal Glasperlenspiel auf einem Fahrrad, dann schnaufende Dampflok mit glühendem Kessel. Das ist das besondere Charakteristikum an der Musik von Philip Glass. Dieses unablässig Rollende nimmt einen mit auf die Reise, es ist wie eine Fahrt durch neue Landschaften. Johannes Kepler ist in Kepler die einzig reale Figur. Seine Gedanken, die in Form von Tagebuchaufzeichnungen erhalten geblieben sind, und Gedichte seines Zeitgenossen Andreas Gryphius bilden die textliche Basis für die Oper. Das All als Drehbühne und die Durchdringung desselben mit den Mitteln menschlicher Intelligenz als interstellares Ringelspiel. Es kreist der Kopf, es kreist das All, die Sterne und Planeten in wunderbarer Choreographie. Ein Mann auf der Suche nach den Funktionsmechanismen der göttlichen Maschine Universum. Universal schön.

Kasten:
Kepler. Eine Oper von Philip Glass
Libretto: Martina Winkel
Musikalische Leitung: Dennis Russell Davies
Regie: Peter Missotten
Konzeptionelle Beratung: Klaus-Peter Kehr
Orchester: Bruckner Orchester
Wo: Landestheater Linz, Promenade 39
Termine unter www.landestheater-linz.at
Tickets erhältlich im Landestheater Linz und im Linz09 Infocenter. Kartenreservierungen unter 0800/218 000. Mit dem Linz09 Insider und der Linz09 Card 10% Ermäßigung.

Alle Infos zu Linz09 unter www.linz09.at, im Neuner, dem Linz09-Infomagazin, sowie im Linz09 Infocenter, Hauptplatz 5, 4020 Linz. Tel. (0)732/7070-2009, Fax (0)732/7070-54-2009, E-Mail: . Mo-Fr 09.00 – 18.00 Uhr, Sa/So/Fei 10.00 bis 18.00 Uhr.

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