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Foto: Robert Weber
Robert Weber: Bestimmt, 2009. Acryl, Kohle, Ölkreide, Farbstift, Papier auf Karton auf Leinen 38 x 30 cm
 
Leben 24. November 2009

Gezeichnete Schwingungen – beschwingte Zeichen

Das Offensichtliche verrätselt.

Die Titel der Werke von Robert Weber sind Bewegung und Programm: Sie heißen „Stürmisch“, „Streitbar“, „Tanzwütig“, „Tarantella“, aber auch „Gemeinsam“ und „Gekreuzt“. Die scheinbar locker hingeworfene Dynamik ist das Ergebnis eines langen, mehrschrittigen und wechselnd spontanen und kontrollierten Prozesses. Bis Mitte Februar sind Webers Arbeiten im Kunstraum Dr. David zu sehen.

 

Geleitet von der Graphik – dem Stammberuf von Robert Weber – ist Schwarz-Weiß das bestimmende Gestaltungskonzept, welches von einfachen Farben unterstrichen und in der Spannung gesteigert wird. Da findet sich der Betrachter dann schon in der Nähe von Picasso und Matisse, manchmal sogar in der Rasantheit (oder sogar dem Rasen?) eines Arnulf Rainer. Anders aber als dessen gestische Ausdrucksform weiß Robert Weber in jedem Arbeitsmoment, wo er hin will – auch wenn das Ziel einige Tage später ein ganz anderes sein kann.

Auch in seinem plastischen Werk ist Weber am Strich orientiert, die Bewegung hält nur kurz inne – wahrscheinlich setzt sie sich in dem Moment, wo man nicht hinsieht, fort. So wird das Offensichtliche auch zum Rätsel, verlangt mehrfaches Hinsehen und Beschäftigung mit dem Thema. Dass die Werke mit Titeln versehen sind, hilft ein Stück weiter.

Das Gespräch mit den Bildern

Neben dem Strich der Kohle oder des Graphit arbeitet der 1943 in Wien geborene und an der graphischen Lehr- und Versuchsanstalt ausgebildete Robert Weber noch mit den Farben Rot, Rot und Rot – bisweilen kommt noch ein wenig Blau oder Gelb dazu. Die Farbe ist dabei nicht Vordergrund, sondern unterstreicht und umrahmt die Handlung der Bilder – alle sind gleichzeitig erzählerisch und fragend. „Ich unterhalte mich mit meinen Bildern“, sagt Robert Weber – eine Unterhaltung, in die auch der Betrachter jederzeit einsteigen kann.

Das skulpturale Werk ist eine Fortsetzung des Themas mit anderen Mitteln. Bewegen und sich bewegen lassen machen die Faszination aus; der räumlich festgehaltene Strich macht Rasanz berührbar. Damit ist Robert Weber ein ganz Heutiger in einer Zeit, wo die Dynamik des Videoclips und der rasch hingeworfenen Floskel Politik und Alltag zu bestimmen scheint.

Die richtige Distanz

Innehalten, einen Schritt zurück machen, den richtigen Abstand, die kritische Distanz wählen, um den Gesamteindruck und auch den Sinn zu erfassen – das sind Impulse, die man vielleicht durchaus auch als Bewältigungsmechanismen (auf neudeutsch: Coping-Strategien) für sich nützen kann. Einen Überblick über aktuellere und auch etwas ältere Arbeiten gibt die Ausstellung „-beschwingt-„ im Kunstraum Dr. David. Auch wenn das Thema nicht vorweihnachtlich ist – eine Begegnung ist auf jeden Fall lohnend.

 

Die Ausstellung im Kunstraum Dr. David in 1130 Wien, Jagdschlossgasse, wurde am 27.November 2009 von der Künstlerin Heide Breuer eröffnet und ist bis Mitte Februar 2010 donnerstags von 17 bis 19 Uhr für Besucher zugänglich.

Von Prim. Dr. Harald David , Ärzte Woche 48 /2009

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