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Foto: Jan Braun Heinz Nixdorf MuseumsForum
Einmal selbst eine Operation durchführen. Im Technischen Museum können das Besucher aktuell tun – jedenfalls virtuell.
 
Leben 29. Oktober 2009

Höher, schneller, weiter

Technisches Museum Wien: Ausstellung „body.check – Hightech für unsere Gesundheit“

Das Technische Museum Wien präsentiert in einer aktuellen Ausstellung den „State oft the Art“ der Medizintechnik. Und stellt dazu auch die entscheidende Frage: Wie sehr trägt die moderne Technologie tatsächlich zum Wohlergehen der Menschen bei?

Moderne Technik wird nicht unbedingt mit Gesundheit assoziiert. Gilt sie doch gemeinhin als Widerpart des Natürlichen. In der Tat trägt die technologische Entwicklung vielfach mehr zum Unbehagen als zum Wohlergehen der Menschen bei, man denke nur an die Gefahren durch die Atomkraft oder den alltäglichen Autoverkehr. Andererseits haben wir der Technik auch viel zu verdanken – nicht wenige Menschen sogar ihr Leben. Das große Potenzial insbesondere der Computertechnologie zum Wohle der Menschen aufzuzeigen, das ist die Absicht der Ausstellung „body.check – Hightechnik für unsere Gesundheit“, einer Leihgabe des Nixdorf MuseumsForums Paderborn, die das Technische Museum Wien im Augenblick zeigt.

Ein Laufband. Der Besucher wird eingeladen, es zu benutzen und seine Laufgeschwindigkeit mit der von Paul Target zu vergleichen, dem Marathonläufer, der 2003 in Berlin Weltrekordzeit lief. Viele werden ernüchtert feststellen, dass sie nicht einmal in einer Minute jenes Tempo schaffen, das Targets Durchschnittsgeschwindigkeit über 42 km war. Dieses Gerät mit integrierter Videoaufzeichnung des weltmeisterlichen Laufs ermöglicht einen persönlichen Wettkampf mit dem Meister. Das ist ohne Zweifel spannender, als nur die ganze Zeit gegen eine Wand zu blicken.

Dieses moderne Laufband demonstriert, wie Technik auch in der Prävention sinnvolle Dienste leisten kann. Sinnvoll deshalb, weil sie hilft, das monotone Laufen zu einem Erlebnis zu machen.

Geräte selbst ausprobieren

Die rund einhundert Quadratmeter große Ausstellung setzt auf Interaktion. Die Besucher können viele Geräte selbst ausprobieren, auch solche, die normalerweise Ärzten vorbehalten sind, wie beispielsweise Operationssimulationsgeräte. Dahinter stecken zum einen pädagogische Überlegungen: Man lernt etwas besser kennen und be-greifen, wenn man es in der Tat angreifen kann. Außerdem macht der Museumsbesuch mehr Spaß, wenn man sich als Besucher einbringen kann. Zum anderen verfolgen die Ausstellungsmacher auch so etwas wie eine politische Absicht: Sie möchten helfen, Vorbehalte gegenüber der Technik und speziell der computergestützten Medizintechnik abzubauen und deren Akzeptanz zu erhöhen, in der Bevölkerung und insbesondere bei den entscheidenden Stellen, die über die Neuanschaffung von medizinischen Geräten zu befinden haben, und das sind in erster Linie Krankenhausanstalten und Krankenkassen.

Die Ausstellung zeigt den „State oft the Art“ der Medizintechnik, so beispielsweise auch die Kapselendoskopie, deren Prinzip vorgestellt wird: Der Patient schluckt eine Art Tablette, die mit einer miniaturisierten Kamera ausgerüstet ist. Diese Tablette wandert durch den Verdauungstrakt, und alle zwei Sekunden wird ein digitales Bild gemacht, das nach außen gesendet wird. Insgesamt kommen auf diese Weise etwa 58.000 Bilder zusammen, die das Innenleben vom Verdauungstrakt deutlich zeigen, auch vom Dünndarm, der für die herkömmliche Schlauchendoskopie kaum zugänglich ist. Dieses Beispiel verdeutlicht: Die technischen Geräte werden zunehmend kleiner – und auch leistungsstärker. Man sagt, dass sich die Computerleistung alle zwei Jahre verdoppelt.

Manches ist noch Zukunftsmusik, das im Technischen Museum präsentiert wird, so der Computertomograph, dessen Gantry einen Durchmesser von immerhin 70 cm aufweist. Dieser Wert ist heute noch nicht zu erreichen. Wir bekommen eine Designstudie zu sehen – aber vielleicht geht dieser Prototyp ja irgendwann in Produktion. Für ängstliche und adipöse Patienten wäre er ein Segen.

Offene Fragen

Technik kommt in den Bereichen Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation zum Einsatz. Die Ausstellung folgt in ihrer Gliederung just dieser Abfolge. Wir können uns davon überzeugen, dass die modernen Geräte in der Lage sind, immer schärfere Bilder und genauere Ergebnisse zu liefern. Das ist erfreulich. Freilich hat der Fortschritt auch seine Kehrseite: Sie verführt Mediziner leicht dazu, mehr den Maschinen zu vertrauen als ihrer Intuition, mehr auf den Computer-Monitor zu schauen als ins Gesicht des Patienten. Und die Millionen Euro, die für ein neues Diagnosegerät ausgegeben werden, wären sie nicht sinnvoller investiert in eine anständige Vergütung des Arzt-Patienten-Gesprächs? Und ist die Erlebnistiefe eines High-tech-Laufbands nicht geradezu kümmerlich gegenüber der, die ein Lauf durch den Wald an frischer Luft vermittelt? Viele Fragen bleiben offen.

Gute und schlechte Erfahrungen

Die Technik ist nur so gut, wie sie auch dem Menschen hilft. Tut sie das? Was sagen jene dazu, die es wissen müssen, die Patienten? Dieser Frage geht das Technische Museum in einem eigenen Beitrag nach, in einem der Schau des Heinz Nixdorf MuseumsForums angeschlossenen Raum. Mitglieder der Österreichischen Morbus Crohn/Colitis Ulcerosa Vereinigung und des Österreichischen Verbands von Herz- und Lungentransplantierten kommen in Videobeiträgen zu Wort. Sie haben gleichermaßen von guten wie von schlechten Erfahrungen zu berichten.

„Body.check – Hightech für unsere Gesundheit“. Ausstellung im Technischen Museum Wien, Mariahilfer Straße 212, 1140 Wien, bis 14. 4. 2010

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 44 /2009

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