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Leben 20. Oktober 2009

Doping. Keine Aufregung.

Meinung von Dr. Georg Ringsgwandl, Oberarzt a.D.

Doping gilt heute als moralisch schlecht. Wenn es nach der gängigen Meinung ginge, dürften nur solche Sportler antreten, die sich strikt natürlich ernähren. Ist das nicht komisch? Zahnärzte, Lehrer, LKW Fahrer gehen nicht ohne Kaffee an die Arbeit, kaum eine Krankenschwester, die nicht zwischendurch eine raucht, aber der Marathonläufer soll seine 42 Kilometer stocknüchtern durchtraben.

Man stiehlt sich mit diversen Süchten durch den Alltag und meint dennoch, die Sportler müssten gesund leben. Sie sollen sich Tag für Tag stundenlang schinden, Kreuzbänder und Sprunggelenke ruinieren, aber bitte kein Doping. Trotzdem genießt jeder den Aufruhr, der inszeniert wird, wenn man einen „Dopingsünder" ertappt, gerne und ausführlich im Fernsehen. Andererseits soll es jedes Jahr Rekorde hageln. Ja wie denn? In der Wirtschaft wird getäuscht, in der Politik gelogen, im Privaten getrickst, aber im Sport, da soll nur genehmigte Nahrung auf den Tisch. Manchmal kommt es mir vor wie bei den Christen: Jeder sündigt vor sich hin, aber die Pfarrer sollen so leben, wie es sich gehört.

Wahrhaftigkeit, liebe Mitbürger/Innen, Ehrlichkeit! Was wollen wir denn von den Sportlern? Doch nicht die Hundertmeterzeit von vor dreiundzwanzig Jahren, wir wollen Sensationen. Wie soll das aber gehen, wenn man den Athleten die Mittel verbietet, die sie für Bestleistungen brauchen? Nehmen Sie die Formel 1. Die ist nur interessant, wenn der neueste Ferrari mit der ausgekochtesten Motor- und Fahrwerkelektronik am Start ist. Nur die Rennwägen haben eine Chance, die auf allerhöchstem Stand getuned sind, d.h. technisch gedopt sind. Kein Mensch würde zuschauen, wenn Schumacher und Häkkinen im Käfer und im Borgward von 1948 über den Nürburgring hüstelten.

Und ob Schumacher jetzt nüchtern fährt oder vorher eine Spezialinfusion bekommen hat, ist mir absolut egal. Mehr noch: es hat mir sogar egal zu sein, schließlich bin nicht ich es, der am Wochenende sein Leben riskiert, sondern er. Er ist volljährig und aufgeklärt, keiner braucht ihm sagen, dass es nicht um Krankengymnastik geht, er ist ein freier Bürger und hat damit, wie der ADAC immer sagte, ein Recht auf FREIE FAHRT.

 

Anfang aus: „Doping. Keine Aufregung.“ Kompletter Text unter „Prosa“ auf www.ringsgwandl.com

Weitere Informationen zu Georg Ringsgwandl in der Ärzte Woche gibt es hier .

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