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Foto: www.blankomusik.de
Georg Ringsgwandl legte den weißen Oberarztkittel 1993 endgültig ab.
 
Leben 20. Oktober 2009

Der Herr Doktor lässt es krachen

Der bayrische Liedermacher Georg Ringsgwandl ist wieder auf Tournee.

Etwa alle zwei Jahre kommt Georg Ringsgwandl mit einem neuen Programm nach Wien. Jetzt auch wieder, sein jüngstes Album Untersendling hat er mit jungen Musikern aufgenommen. Der Oberarzt a.D. verspricht einen „ganzheitlichen Unterhaltungsabend“, mit Wort, Musik und „einigen choreographischen Einlagen, die die Frauen verzücken sollen“.

 

60 Jahre: So mancher stellt sich in diesem Alter schon innerlich auf seinen kommenden Ruhestand ein. Nicht so Georg Ringsgwandl. Der bayrische Liedermacher und Kabarettist hat gerade ein neues Album mit jungen Musikern eingespielt, Titel: Untersendling. Nun ist er auf Tournee, die auch nach Wien führt. „Manche denken, dass man sich in meinem Alter eher dem Rotary-Club oder dem Reinigen des Golfschlägers zuwenden sollte. Aber damit kann ich leider nicht dienen“, sagt Ringsgwandl.

23 Jahre ist es her, dass der „bayrische Qualtinger“ (Die Zeit) sein erstes Album herausbrachte, mit dem schönen doppeldeutigen Titel Das Letzte. Und 16 Jahre, dass er endgültig seinen Arztkittel an den Nagel hängte.

In jüngeren Jahren fuhr Ringsgwandl zweigleisig: Er pendelte zwischen Op und Bühne. Die Woche über arbeitete er, der Oberarzt der Kardiologie, im Krankenhaus, und an seinen freien Tagen trat er mit seiner Musikgruppe auf. Ein Leben zwischen Kaleidoskop und Gitarre, zwischen weißem Kittel und schräger Kleidung. Der Mensch hat eben nicht nur eine Seele in seiner Brust. Ringsgwandl zumindest nicht, der Arzt und Künstler.

Vielleicht hätte Ringsgwandl diese Doppelleben noch ewig weitergeführt, doch dann kam der künstlerische Erfolg dazwischen, der sich mit Macht einstellte. Hier wurde ihm der Kabarettpreis „Salzburger Stier“ verliehen, da erhielt er den Auftrag, ein Musiktheaterstück zu schreiben, und dort war eine neue Platte zu machen. Und wie soll man sich auf die Operation konzentrieren können, wenn man mit seinen Gedanken schon beim nächsten Auftritt sein muss? Also kehrte Ringsgwandl Anfang der 1990er-Jahre dem Krankenhausbetrieb ganz den Rücken. „Die Medizin ist ein wunderbarer Beruf, aber man kann nicht beides machen“, sagt Ringsgwandl. Immer noch lese er Fachmagazine, tausche sich mit Kollegen aus – „manchmal geht es mir schon ab“ –, aber im Krankenhaus wäre er ohnehin bald ins pensionsreife Alter gekommen. „In der Medizin gibt es mit 65 eine scharfe Schnittlinie, in der Kunst sind die Sitten wesentlich verwahrloster. Manche haben das Glück, dass sie mit 70 immer noch angeschaut werden und dann tot umfallen auf der Bühne – ich mache das so lang wie‘s geht.“

In seiner Anfangszeit war Ringsgwandl ganz der wilde Gaudibursch, der schrille Clown, der mit grün gefärbten Haaren und umgebundener Schweißerbrille auf der Bühne seine Show abzog. Der Herr Doktor ließ die Sau raus. Doch immer den Affen spielen, das ermüdet mit der Zeit. Also trat er schon bald ohne Band auf, nur begleitet vom Gitarristen Nick Woodland. In seinem Programm „Staffabruck“ sang er, unter anderem, ein Hohelied auf seinen Großvater, der es verstand, mit der bloßen Hand Forellen zu fangen. Das hinterließ bei ihm bleibenden Eindruck.

Keine Frage, Ringsgwandls Sympathie gehört den einfachen Menschen, auch denen, die in Würde vor sich hinscheitern. Mit Spott und Häme belegt er dagegen die, die mehr scheinen wollen, als sie sind: In Österreich machte er sich in früheren Konzerten gerne über die Menschen lustig, die sich zwecks Ego-Aufwertung ein Auto-Wunschkennzeichen zugelegt haben. Ringsgwandls Kritik ist inzwischen etwas weniger bissig. Seine grelle Satire ist so etwas wie mitfühlender Wärme gewichen. Es scheint, dass er die Menschen und Dinge heute mit einer gewissen Altersmilde sieht. Ringsgwandl dazu: „Ich war schon immer ein warmherziger Mensch. Aber jetzt habe ich das Songschreiben so gut gelernt, dass ich das auch ausdrücken kann. Früher hätte ich mich das gar nicht getraut.“

Die schönste Bäckereiverkäuferin

In seinem jüngsten Programm Untersendling besingt er den gleichnamigen Münchner Bezirk, in dem er selbst zu Hause ist. Es geht um alltägliche, ganz unspektakuläre Geschichten. Beispielsweise um die Verkäuferin beim Bäcker Meier, „die mit Abstand weltweit schönste Bäckereiverkäuferin“. Oder um einen einsamen Mann, der sich eine „Zugehfrau“ wünscht, die zwei, drei Mal in der Woche zum Putzen in seine Wohnung kommt – und vielleicht mag sie ja für immer bleiben.

Bluesiger Gitarrensound, trockener Beat: Die Musik ist ähnlich unspektakulär wie die Geschichten, die erzählt werden. Auf der Bühne ist Ringsgwandl aber gewöhnlich eine Spur wilder, da lässt er es gerne krachen. Der Oberarzt a.D. verspricht einen „ganzheitlichen Unterhaltungsabend“, mit Wort und Musik und „einigen choreographischen Leckerbissen, die die Frauen verzücken sollen.“

 

Aktuelle CD: Untersendling (Sony), Live in Wien: 20. bis 24.10. 2009 in Kulisse, 25.10. 2009 in Orpheum.

 

Und was sagt Georg Ringsgwandl zum Thema Doping ?

Kasten:
Ringsgwandls Werke
Frühere Alben: Das Letzte (1986)*, Trulla-Trulla (1989)*, Vogelwild (1992)*, Staffabruck (1993, erhältlich über Trikont), Die Tankstelle der Verdammten (1995)*, Der Gaudibursch vom Hindukusch (1997)*, Ludwig II., die volle Wahrheit (1999, DVD)*, Gache Wurzn (2001)*, Alte Reißer, verreckte Geschichten (Livetracks, 2005, erhältlich über Sony Music), Trulla-Trulla (2005, DVD mit Livemitschnitten, erhältlich über Sony Music), Der schärfste Gang (2006, erhältlich über Sony Music).
Die mit * bezeichneten Alben sind derzeit vergriffen, Neuauflage geplant für dieses Jahr.

Musiktheaterstücke von Georg Ringsgwandl: Die Tankstelle der Verdammten, UA 1994 am Schauspiel Köln. Die Ländlerqueen sieht Morgenrot, UA 1995 an Schauspiel und Oper Köln. Ludwig II., die volle Wahrheit, UA Münchner Kammerspiele, 1999. Prominentenball, UA Bayer. Staatstheater München, 2003.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 43 /2009

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