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Foto: wikipedia
Saurier gelangten durch extremen Leichtbau zu unerreichter Größe.
 
Leben 20. Oktober 2009

Luftige Saurierhälse

Knochen, löchrig wie ein Käse, hielten Halswirbelsäule stabil.

Die großen Pflanzenfresser unter den Dinosauriern schafften es aufgrund eines raffinierten Knochen- und Muskelaufbaus, ihre überlangen Hälse stabil zu halten. Diese Ergebnisse haben Paläontologen aus Berlin, Basel und Brugg in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society Biological Sciences veröffentlicht.

 

Wissenschaftler konnten anhand der Skelette des Brachiosaurus und des Diplodocus durch eine Analyseform, die bei der Belastungsmessung von Bauteilen zum Einsatz kommt, neue Erkenntnisse über den genauen Knochenbau, im Speziellen der Halswirbelsäule, gewinnen. „Der Trick dieser größten Tiere, die jemals auf dem Planeten lebten, besteht darin, dass ihre Halswirbel von Luftsäcken durchlöchert waren und einen speziellen Muskelaufbau aufwiesen“, berichtet Studienleiterin Daniela Schwarz-Wings vom Berliner Museum für Naturkunde. Der bis zu neun Meter lange Hals des Brachosaurus wog ursprünglich rund 600 Kilogramm. „Ohne seinen speziellen Aufbau wäre er um ein Drittel schwerer“, so Schwarz-Wings.

Luftgefüllte Gewebeblasen

Die erste Besonderheit sei die Leichtigkeit der Knochen gewesen, die durch eine Befüllung mit Luftsäcken erreicht wurde. „Menschliche Knochen sind mit deutlich schwererem Knochenmark gefüllt. Die bis zu einen Meter langen Hals- und Rumpfwirbel der Sauropoden umhüllten hingegen luftgefüllte Gewebeblasen. Diese drangen teilweise sogar bis ins Wirbelinnere vor und machten die Knochen löchrig wie Käse.“ Bei Spannung wurde die Kraft daher nicht etwa durch Innenverstrebungen der Knochen verteilt, sondern nach dem Prinzip des Fachwerkbaus an die Außenseite weitergeleitet. Auch die Muskeln waren in viele kleine Einheiten gegliedert und brauchten daher nur wenig Ansatzfläche an den dadurch noch kleineren Knochen. Eine ähnliche Knochenkonstruktion haben später die Raubsaurier und in Folge auch deren heutige Verwandte, die Vögel, übernommen.

Bestimmte Details der Leichtbauweise noch offen

Wenngleich die Leichtbauweise des Halses nun eine bislang fehlende Erklärung für die gewaltige Größenentwicklung der Saurier liefert, bleiben bestimmte Details noch ein Rätsel der Paläontologen. „Einerseits ist noch unklar, wie die Luftsäcke der Wirbel zueinander verbunden und wie die Halsmuskeln verteilt waren. Erforscht werden muss auch noch die Funktion der stabartigen Halsrippen im unteren Halsbereich. Diese könnten entweder ebenfalls zur Stabilisierung eingesetzt worden sein oder die Funktion von Sehnen übernommen haben“, erklärt Schwarz-Wings.

 

 www.museum.hu-berlin.de

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