zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 14. Oktober 2009

Meinung "Ich brauche Tierrechte für Tiere, nicht Menschenrechte"

Dr. Dagmar Schratter, Direktorin des Tiergartens Schönbrunn, zur Beziehung von Mensch und Tier

„Die Tiere verkommen heute zu industriellen Produktionsmitteln, zum Beispiel in Hühnerbatterien. Was alles passiert, bis wir das Hendlhaxerl auf dem Teller haben, hat nichts mehr mit einer Behandlung des Tieres als Mitgeschöpf zu tun. Auf der anderen Seite haben wir Sentimentalisierung, Vermenschlichung und Verniedlichung. Wir brauchen heute Tiere als soziale Partner, immer häufiger auch als Partnerersatz, und wir haben die Vermenschlichung auch bei der Beobachtung von tierischen Verhaltensweisen. Wenn die Leute zum Beispiel Nonja, unsere Orang Utan-Dame, sehen, sagen manche, sie sei depressiv, weil sie so traurig dreinschaut. Aber Orang Utans schauen so drein. Da interpretieren wir gern unsere eigenen Verhaltensweisen in die tierischen hinein. Daraus ergibt sich eine extreme Schere in der Tier-Wahrnehmung. Der Grund dafür liegt darin, dass wir das gelebte Naturverständnis fast völlig verloren haben. Sie werden dieser Tier-Sentimentalisierung viel eher in den Städten als auf dem Land begegnen. Je weniger einer damit zu tun hat, desto eher wird er dazu neigen. Das geht dann bis zur Forderung nach ,Menschenrechten‘ für Tiere, aber das ist der falsche Weg. Ich brauche Tierrechte für Tiere, nicht Menschenrechte. Ich muss das Tier mit Respekt behandeln, muss es Tier sein lassen.“

 

Aus: Katalog Steinbrenner/Dempf: Trouble in Paradise, orange press Verlag, Freiburg, 2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben