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Foto: Cy Twombly
Untitled, Rom, 1970, Wandfarbe auf Ölbasis. Sammlung Nicola Del Roscio.
 
Leben 24. September 2009

Pathos und Banalität

Ausstellung von Cy Twombly im Museum Moderner Kunst.

Vermeintliche Krakeleien können auch etwas wunderbar Wahres und Tiefes haben. Das zeigen die Werke des amerikanischen Künstlers Cy Twombly, die gerade in der Wiener Ausstellung Sensations oft the Moment zu sehen sind.

 

Er ist 81 Jahre alt und macht moderne Kunst, in der Art, die einige Leute gerne zu dem Ausruf provoziert: „Das könnte genauso gut von meiner kleinen Tochter gemacht worden sein!“ Soll heißen: Das ist nichts wert! Der Künstler selber, Cy Twombly, dürfte hingegen den Vergleich mit Kinderzeichnungen als größtes Lob auffassen. Ist er doch in seiner Kunstausübung um Unmittelbarkeit und Unverstelltheit und Spontaneität bemüht, um jene Eigenschaften, die kleine Kinder noch besitzen, Erwachsene kaum noch.

Das Wiener Museum Moderner Kunst zeigt nun zum ersten Mal in Österreich eine Werkschau des 1928 in Lexington, Virginia, geborenen amerikanischen Künstlers, der seit den 1950er Jahren in Italien lebt.

Dem Besucher fällt die betont linkische Strichführung von Twombly ins Auge. Das eine Werk besteht nur aus Kreisen, das andere nur aus Strichen. Sehr reduziert auch der Farbeinsatz: Insbesondere seine frühen Arbeiten bestehen oft aus großen weißen Flächen.

Unbeholfenes und Archaisches

Der Besucher steht vor den Arbeiten – und ist überwältigt. Weiß dabei im ersten Augenblick aber gar nicht, wieso eigentlich. Zu sehen bekommt er doch – Krakeleien, wie man solche Werke gemeinhin zu bezeichnen pflegt. Schnell erkennt er allerdings: Diese Krakeleien haben etwas Wahres und Tiefgründiges. Banalität und Pathos treffen hier auf eigentümliche Weise zusammen.

Vor allem Twomblys Werken mit den schriftartigen Zeichen haftet etwas Unbeholfenes und zugleich Archaisches an.

In dem neu eröffneten Münchner Museum Brandhorst ist Cy Twomby eine ganze Etage reserviert. Es ist bereits eine Sensation, dass dieser Künstler auch nach Wien geholt werden konnte, eine weitere, dass hier erstmals Twomblys künstlerisches Schaffen in seiner ganzen Breite gezeigt wird, das immerhin Malerei und Zeichnung, Skulptur und Fotografie umfasst. Achtung: Diese wunderbare Ausstellung ist nur noch kurze Zeit zu sehen. Mehr als 100.000 Besucher hat sie schon angelockt.

Museum Moderner Kunst: Ausstellung Cy Twombly: Sensations oft the Moment. Bis 11. Oktober, Museumsplatz 1, 1070 Wien

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 39 /2009

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