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Foto: Coleman-Zielasco
Robert Zielasco: „Dschungel“, Öl auf Leinwand
 
Leben 23. September 2009

Dschungel – Dschungel

Eine Ausstellung holt die Lebenskraft des Waldes nach Wien.

Was ist der Dschungel für uns? Den einen ist er eine bedrohliche Umgebung voller Gefahren – schwül, wuchernd, belebt mit giftigen und gefräßigen Geschöpfen, die sich beständig gegenseitig jagen und töten, um selbst zu überleben. Wer von den „Gesetzen des Dschungels“ spricht und diese sogar auf den „Großstadtdschungel“ überträgt, geht von der Maxime „fressen oder gefressen werden“ aus.

 

Andere sehen den Dschungel teils romantisch oder ökonomisch als Reservoir unentdeckter Substanzen, verschwundener oder noch nicht gefundener Lebewesen und Pflanzen. Rudyard Kipling hat in seinem Dschungelspruch schon die Erkenntnis formuliert: „Das sind die vier, die nie gestillt, die nie gefüllt seit Urbeginn; des Schakals Schlund, des Geiers Gier, des Affen Hand, des Menschen Sinn“. Dieser menschliche Sinn macht es auch möglich, alles Wahrnehmbare einerseits abzubilden, andererseits aber auch zu abstrahieren, zu kondensieren, auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Der Geschmack des Urwalds

Genau das macht Robert Zielasco mit den Farben und Formen, die der Dschungel hervorbringt. Er konzentriert sie, macht sie selbst für den Großstädter erfassbar, fühlbar, erlebbar. Er vermittelt den Betrachtern den Geschmack des Dschungels, er bringt sie auf diesen Geschmack, macht Lust auf Farbe und Sinnlichkeit. Dadurch, dass die Farben nicht nur Ausdruck, sondern selbst Materie und Material sind, transportieren sie die Lebenskraft und Üppigkeit dieser Welt in unsere manchmal lebens- und wachstumsfeindliche Umgebung. Zielasco zeigt uns, dass nicht das ökonomische Wachstum abstrakter Wirtschaften, sondern das schrittweise und schichtweise, geduldige und unter beständiger Überprüfung der Wirkung durchgeführte Wachsenlassen zu einem Ergebnis führt, das berührt und eigenes Wachstum möglich macht.

Dort, wo Henri Rousseau romantische und traumhafte Dschungellandschaften entwirft, belebt von wilden Tieren und geschmückt mit schematisierten, reduzierten Pflanzen, findet sich bei Zielasco wucherndes Blüten- und Blätterleben, die Fauna dahinter kann zwar nicht gesehen werden, ist aber in der Dichtheit der Vegetation gleich dahinter anzunehmen.

Archetypische Erinnerungen

Der Phantasie des Betrachters und seiner Fähigkeit, archetypische Erinnerungen wieder auftauchen zu lassen – und jeder hat Bilder vom Dschungel, vom Zauberwald und vom Dickicht in sich –, bleibt nicht mehr viel zu tun, um sich in den Bann ziehen zu lassen. Ausgebildet in Wien an der Akademie der bildenden Künste, hat sich Zielasco in langen Reisen durch australische Regenwälder und indische Dschungel von der Lebenskraft des Waldes verführen lassen. Lange Zeit hat er hauptsächlich im umliegenden Ausland, in der Schweiz und in Deutschland, ausgestellt. Jetzt schließt er wieder dort an, wo er schon vor Jahrzehnten seine eigene seelische Befindlichkeit, aber auch die seiner Mitmenschen theoretisch im Psychologiestudium und praktisch in Selbsterfahrungsgruppen ausgelotet hat, indem er seine Farbenpracht und schöpferische Lebenskraft im Umfeld einer psychiatrischen Praxis präsentiert.

 

Die Ausstellung im Kunstraum Dr. David (1139, Jagdschlossgasse 6) wird am 25. 9. 2009 von Dr. Wolfgang Hilger im Beisein des Künstlers eröffnet und ist bis Mitte November donnerstags von 17 bis 19 Uhr zugänglich. Das musikalische Rahmenprogramm bietet Kompositionen zu den Bildern, die von der Cellistin Coleman-Zielasco vorgetragen werden.

Von Prim. Dr. Harald David , Ärzte Woche 39 /2009

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