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Foto: Privat
Roche Continents will mit jungen Leuten über die Gemeinsamkeiten des kreativen Prozesses in Kunst und Wissenschaft diskutieren.
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Niggi Iberg Initiator der Roche Continents

 
Leben 10. September 2009

Gewinn durch Auseinandersetzung

Die Salzburger Festspiele waren zum dritten Mal der Rahmen für das Roche-Kulturprojekt „Continents“.

Zeitgenössische Musik und Wissenschaft: Wer könnte besser diesen sinnbringenden Diskurs veranschaulichen als junge, studierende Menschen – Wissenschaftler oder Künstler von morgen. Wie bereits 2007 und 2008 wurden heuer 100 europäische Studenten zu dieser kulturellen Auseinandersetzung eingeladen, mit der laut Roche auch „die interdisziplinäre Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ forciert wird.

 

Niggi Iberg, Initiator der Studienwoche „Roche Continents“, beschreibt den ideellen Hintergrund: „Roche Continents will mit jungen Leuten über die Gemeinsamkeiten des kreativen Prozesses in Kunst und Wissenschaft diskutieren. Es will und kann kein direkter Brückenbauer zwischen Kunst und Wissenschaft sein, wird aber trotzdem bei so manchem ein besseres Verständnis des anderen wecken. Ein Gewinn oder eine Bereicherung findet vor allem im teilnehmenden Individuum statt. Darüber hinaus sollen musikinteressierte junge Menschen mit Werken moderner Komponisten konfrontiert werden, eine Auseinandersetzung, die neue Fenster öffnen kann.“

Wie funktioniert Kreativ-sein?

Im Zentrum steht heuer der Komponist Edgard Varèse, Individualist Neuer Musik, Mitbegründer der International Composers Guild (1921) und Gegner damaliger neoklassizistischer Strömungen in der Musik. Varèse (1883–1965) glaubte an die Metamorphose von Tönen oder Geräuschen im weitesten Sinn in Musik und schuf mit seinem „Poème électronique“, einer 1957/58 entstandenen Montage unterschiedlichster Geräusche und Klänge auf Tonband, eine Ikone moderner Musik.

Iberg: „Der Fokus der Continents auf Musik ist einerseits aus der Roche-Geschichte heraus oder besser gesagt: Roche-Familien-Geschichte, andererseits natürlich auch mit einem solchen Workshop (mit N. Iberg und Prof. Dr. Schatz,. Anm.) in Salzburg direkt gegeben. Die Diskussion über Gemeinsamkeiten könnte sicher auch von Literatur, Architektur, Malerei etc. ausgehen. Aber für die meisten Menschen ist Musik präsenter als z. B. Malerei oder Architektur.“

Interessant ist die Hinwendung von Roche zu Meistern moderner und modernster Musik, wie die Aufführung von Werken des zeitgenössi-schen Komponisten Salvatore Sciarrino bei den vorjährigen Salzburger Festspielen zeigt. Dazu Iberg: „Eine direkte Notwendigkeit der Identifikation mit moderner Musik besteht für Roche nicht. Hingegen gehört es zu unserem Kerngeschäft, ‚innovativ‘ zu sein. Insofern liegt das philanthropische Engagement von Roche in allen Bereichen dort, wo eben auch neue Wege beschritten werden. Auch Mozart, Schönberg oder Strawinsky waren in ihrer Zeit neu. Und hier schließt sich der Kreis: Wie funktioniert Kreativ-sein? Als Newton oder als Mozart? Als Einstein oder als Picasso?“

Grundverständnis erweitern

Nicht immer ist es einfach, moderne Komponisten wie z. B. Sciarrino einem breiteren Publikum „schmackhaft“ zu machen. Ist ihre Musik zu abstrakt, unpersönlich, vielleicht zu technisch? Worauf Iberg meint: „Fortgeschrittene Mathematik oder Chemie kann nur verstehen, wer die Grundlagen kennt. Bei Kunst hingegen gibt es viele Werke, die ohne jegliches Grundverständnis auf einen wirken. Die Komponisten der Moderne und Postmoderne haben sich aber meist ja selbst „über die Musik hinaus“ entwickelt, und um dies zu verstehen, muss auch der Zuhörer dieses Grundverständnis mitbringen, d. h. die Geschichte der Musik verstehen und nachvollziehen können. Dies geht über den Rahmen des ‚wohlgefälligen’ Zuhörens von schönen Melodien und Harmonien hinaus.“

Ohne Kunst nicht lebenswert

In Salzburg hatten die Studenten auch Gelegenheit zum Meinungsaustausch mit dem gebürtigen Österreicher Dr. Gottfried Schatz, Professor für Biochemie an der Universität Basel. Thema war „Creativity in Arts and Science“. Prof. Dr. Schatz zur Ärztewoche-Frage, welchen Stellenwert Kultur im Sinne von Konzerten, Ausstellungen oder z. B. Kunst-Sammeln in seinem Leben spielt: „Ohne sie wäre das Leben für mich nicht lebenswert.“ Und wo sieht Schatz Parallelen zwischen Top-Künstlern und Top-Wissenschaftlern? „Beide haben sich die Fähigkeit eines Kindes bewahrt, Dinge unter einem neuen Blickpunkt zu sehen.“

Von Peter Bernthaler, Ärzte Woche 37 /2009

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