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Leben 1. September 2009

NebenWirkungen - Abwehrkraft durch Gulaschsaft

Wir hören es regelmäßig in den einschlägigen Werbungen: Über 70 Prozent unserer Immunabwehr befindet sich im Darm. Das bedeutet: Bei sieben von zehn Menschen ist das Immunsystem im Arsch.

 

Das Immunsystem ist schon eine zweischneidige Sache. Es schützt uns einerseits vor grässlichen Infektionen, der Vogel-, Schweine- und der Weihnachtsgrippe, andererseits spielt es verrückt, zerstört unsere Gelenke oder verpasst uns eine Allergie, von der selbst die Urenkelgenerationen der Hausstaubmilben noch ihren staunenden Nachkommen berichten werden.

Wenn sich nun die letzten sommerlichen Tage in den Süden verabschieden und die Herbstdepression anklopft, dann wird es wieder ein-mal schwach, unser Immunsystem. Und wenn es mal schwach ist, dann sind wir völlig ungeschützt gegenüber Keimen oder Vorgesetzten. Oder noch schlimmer: gegenüber den Keimen unserer Vorgesetzten.

Und so pilgern die Heerscharen von Menschen mit geschwächtem Immunsystem in unsere Ordinationen und bitten um eine milde Stärkung. Bereits unsere Großeltern wussten darüber bestens Bescheid und überforderten uns regelmäßig unaufgefordert mit weisen Tipps aus der guten alten Zeit: War Omi mit ihrem heißen Hollunderblütensirup und den warmen Socken noch auf Kuschelkurs, war Opi überzeugt, dass er sein Überleben in Russland ausschließlich dem täglichen Bad im Eiswasser zu verdanken hatte. Da diese Variante bei den Enkerln (und auch bei Omi) nicht auf allzu große Gegenliebe stieß, war Opi meist verärgert und führte das schwache Immunsystem der Jungen auf die Verweichlichung durch warme Socken zurück.

Der bei Kurgästen bis heute gefürchtete Pfarrer Kneipp hatte da auch nicht ganz unähnliche Gedanken. Einfacher und zeitgemäßer ist es heute, statt der körperlichen Stählung einen Zaubertrank in Form eines gezuckerten Joghurts im Wegwerffläschchen zu sich zu nehmen. Oder auf eines der vielen funktionellen Lebensmitteln zurückzugreifen, die ein gestärktes Immunsystem versprechen: Milch, Cola oder Überraschungseier. Sogar jede Bratwurst stärkt, aufgrund der heute zum Glück völlig entschlüsselten Inhaltsstoffe, die Abwehrkräfte. Auch die Zuckerln, die uns Kinder damals noch als „ungesunder Schmarrn“ abspenstig gemacht wurden, sind heute mit wertvollen Vitaminen versetzt. Gesetzlich gibt es hinsichtlich immunologischer Stärkungsmittel kaum Grenzen, man kann höchstens Immun-Recht sein.

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