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Foto: Reichmann
Tini Kainrath und Willi Resetarits, das ist auch Gershwin-Musik mit Wienerischem Einschlag, also buesig-souliger Wiener Schmäh.
 
Leben 9. Juli 2009

„Wos brauch i mea?“

Willi Resetarits führt mit starken Damen in rhythmische Parallelwelten.

A Coole Musik gehört in a leiwandes Leben oder Willi Resetarits goes Gershwin; und zwar im Verbund mit Tini Kainrath. Eine neue CD bringt Rhythmus in das eher gemächlich schlagende Wiener Herz.

 

Ein Streichquartett und Gershwin? Wiener Mundart und Edeljazz? Jawohl! Wenn sich das Damenteam „Stringfizz“ mit den Powerstimmen von Tini Kainrath und Willi Resetarits zusammentut, ist alles möglich – wenn auch mit manchmal etwas ungewöhnlichem Ergebnis. Vor allem die markant nasale Resetarits-Stimme sticht da heraus – und erstaunt zunächst im englischen Idiom. Während Tini Kainraths Vokalkraft die Zweisprachigkeit bewährt meistert. Worum geht’s also? Um nichts weniger als eine Huldigung des Rhythmus und George Gershwins geniale Verarbeitung desselben in unsterbliche Melodien – häufig in der zusammenhängenden Form des Musicals, in Zusammenarbeit mit Bruder Ira, der für die Librettos verantwortlich zeichnete. Das Projekt „I got rhythm – wosbrauchimea“ vermittelt also Gershwin-Musik mit Wienerischem Einschlag. Zweisprachig, nicht nur im Text, sondern auch in der Klangfärbung. Die CD wurde kürzlich im Wiener Jazzclub Porgy & Bess präsentiert.

Neben der großartigen Musikalität mit sehr viel Charme und gutem Schmäh steuern die vier Damen von Stringfizz die elegant-virtuose Instrumentalausführung bei. Begleitung kann man das nicht nennen, hier wird zeitgenössische spritzig-einfallsreiche Kammermusik als eigenständige Komponente zelebriert. Stringfizz – das sind Veronika Gottfried und Sophie Gansch an der Violine, Ines Miklin an der Viola und Marianne Bruckner am Cello. Die Damen haben’s auch gerne rockig, wie das beispielsweise Elvis Costello praktiziert. Mit Tini Kainrath, die sich schon bei der Hallucination Company und mit den Rounder Girls gerne musikalisch austobt, nahm Stringfizz denn auch ein eigenes Juliett Letters Projekt auf, für das Elvis Costello mit dem Brodsky Quartet aus dem Jahr 1992 Vorbild war.

Bluesig-souliger Wiener Schmäh

Insgesamt 20 Stücke hat das Sechsergespann für die CD zusammengestellt, viel aus Gershwins Meisterwerk, der Oper Porgy&Bess, und Musicals wie „Lady be good“, aber auch Einzellieder von „Let’s call the whole thing off“ bis „They can’t take that away from me“. Aus „I’ll build a stairway to paradise“ wird also „Stiagn ins Himmelreich“, aus „A foggy day“ wird „A Newö heit“ und aus „Bess you is my woman now“ ein doch etwas extravagantes Wienerisches „Bess, Du bist ob jetzt mei Frau“. In die bluesig-soulige Stimmung mischt sich Schrammel- und Wienerliedklang. Ein durchaus witziges, fraglos mit viel Einfühlungsvermögen transponiertes Stück amerikanischer Kulturgeschichte, das bisher vielleicht nicht mitbedachte Parallelwelten und Verwandtschaften aufzeigt.

Interessant ist übrigens auch, dass das „Mastering“, also die künstlerische Musiknachbearbeitung, vom Elektronikmusiker, DJ und Produzenten Patrick Pulsinger übernommen wurde, die sehr gelungenen Arrangements stammen von Michael Radanovics, und dass die Aufnahme zwar ernst genommen wurde, aber sicher auch viel Vergnügen bereitet hat, lässt sich beim Anhören gut nachvollziehen.

Skurril, aber schön

Oder wie Willi Resetarits die Komplexität bis Skurrilität der Konstellation selbst beschreibt: „Ein Wiener und eine Wienerin singen Opernarien in einer von Weißen erfundenen amerikanisch-englischen Mundart der schwarzen Slumbewohner von Charlotte, N.C. der 1920er Jahre. Weil warum? Lasst uns die Szenerie in die Wiener Vorstadt verlegen und im Wiener Dialekt singen!“ Gute Idee!

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