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Gesundheitspolitik 29. August 2007

Anhebung von Höchstarbeitszeiten bedenklich

Mit einer Gesetzesnovelle wurden im Juli die Höchstarbeitszeiten erweitert – auch aus medizinischer Sicht ein Schritt in die falsche Richtung.

Künftig sind nun Höchstarbeitszeiten von bis zu zwölf Stunden täglich und 60 Stunden in der Woche möglich. Gegen diesen Regierungsbeschluss gab es heftige Kritik der Opposition: Die Rechte der Arbeitnehmer würden weiter geschwächt und auch deren Gesundheit leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Das sieht auch die Ärzteschaft so – Ärztekammerpräsident Dr. Walter Dorner verweist auf Analysen von Arbeitsmedizinern, „dass mit längeren Arbeitsschichten das Unfallrisiko und auch die Krankheitshäufigkeit exponentiell steigen“. Zeit- und Leistungsdruck seien hauptsächlich verantwortlich für die stetig wachsende Zahl an Burn-out-Syndromen und die oft daraus resultierende Diagnose einer Depression, „die in der Allgemeinmedizin mittlerweile eine der häufigsten Konsultationsursachen ist“, so Dorner weiter.

Auf acht Stunden ausgerichtet

Dem stimmt auch der Arbeitsmediziner Dr. Manfred Lindorfer zu, der unter anderem für die Arbeitsmedizin im Chemiepark Linz zuständig ist. „Eine Arbeitszeit von acht Stunden hat aus verschiedenen Gründen Sinn, auch weil die meisten Arbeitsplätze darauf ausgerichtet sind.“ Das gilt auch für die Berechnungen der Grenzwerte in Hinblick auf Lärm, die Einwirkung verschiedener Substanzen oder die Dauer körperlicher schwerer Arbeit.
Ein Tag hat nun mal nicht mehr als 24 Stunden. Werden zwei Stunden für persönliche Bedürfnisse wie Essen, Hygiene und Einkaufen gerechnet sowie ein Mindestmaß an Schlaf von sieben Stunden, wird klar, dass mit längerer Arbeit weniger Zeit für die Familie, geschweige denn persönliche Freizeitgestaltung oder regelmäßige Bewegung bzw. Sport als Ausgleich bleibt.
„Es ist ja auch nicht so, dass jemand seine Wohnung betritt und nahtlos in der ‚Freizeit’ ankommt – je höher und länger der Druck vorher, umso schwieriger wird das, und es steigt auch die Wahrscheinlichkeit für den Einsatz von Alkoholika, um ‚runter’ zu kommen“, betont Lindorfer. Phasenweise Überschreitungen der Arbeitszeit seien weniger das Problem als der kontinuierliche Abbau von ‚Freizeiten’. Menschen gehen dann später ins Bett, um irgendetwas noch vom Tag zu haben, begünstigt werden so Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen.
Lange Arbeitszeiten sind gerade auch für ältere Arbeitnehmer zunehmend eine Belastung – „in Umfragen gibt etwa jüngeres Pflegepersonal an, durchaus zwölf Stunden oder mehr arbeiten zu wollen, ältere Personen drücken deutlich die Sehnsucht nach überschaubaren Arbeitszeiten aus“. Aus Lindorfers Sicht ist es zu wenig, ständig von der Wichtigkeit betrieblicher Gesundheitsförderung zu reden, und dann zu glauben, mit der Verteilung von Äpfeln für alle MitarbeiterInnen wäre es schon getan.

Gesundheitsfördernde Einteilung

„Zeitmanagement sollte ein zentraler Bereich der Gesundheitsförderung sein“, auch Lindorfer weist darauf hin, dass ausgeruhte Menschen weniger Fehler begehen, mehr Motivation zum Arbeiten, zum Miteinander im Team mitbringen und auch seltener krank sind. „Es geht also auch um klar kalkulierbare Kosteneinsparungen, die durch ein vernünftiges Zeitmanagement mit gesundheitlichem Hintergrund erreichbar sind.“ Dafür gibt es auch bereits Best-practice-Beispiele, auf die gerade von Allgemein- und Arbeitsmediziner auch gezielt hingewiesen werden sollte.

 Fakten

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