zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 13. November 2007

Der unbekannte Plan

Zu den Zielen der in Wien abgehaltenen WHO-Konferenz „Die Zukunft unseren Kindern“ zählte unter anderem die Überprüfung der Umsetzungsfortschritte des 2004 in Budapest vereinbarten Kinder-Umwelt-Gesundheits-Aktionsplans für Europa der WHO. Anlässlich der Konferenz wurde auch der österreichische nationale Aktionsplan vorgestellt, der vom Umwelt- und Gesundheitsressort unter Einbeziehung zahlreicher Experten erarbeitet worden war.

Die Erstellung des Kinder-Umwelt-Gesundheits-Aktionsplans war keine einfache Sache, da sich Gesundheits- und Lebensministerium auf entsprechende Formulierungen und Empfehlungen einigen mussten. „Generell ist es sicher so, dass das Umweltministerium sich deutlich stärker für eine gesundheitsförderliche Umwelt engagiert als das Gesundheitsministerium“, sagt DI Dr. Hans-Peter Hutter von den ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt. Auffällig sei auch gewesen, dass Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky bei der Vorstellung des Aktionsplanes eine kindergerechte Umwelt hauptsächlich mit einer guten medizinischen Versorgung für Kinder in Verbindung brachte und präventive Maßnahmen praktisch nicht erwähnte.
„Kinder sind die Hauptleidtragenden von Umweltverschmutzung und den damit verbundenen Gesundheitsgefahren“, so Umweltminister DI Josef Pröll, der auch darauf hinwies, dass Österreich bei der Entwicklung des WHO-Aktionsplans eine federführende Rolle gespielt habe. Dessen Handlungsprioritäten, die auch für die nationalen Pläne gelten, lauten: Sicherstellung der Versorgung mit sauberem Wasser und von guten sanitären Verhältnissen, Unfallverhütung und Sicherstellung von ausreichender körperlicher Bewegung von Kindern durch eine kinderfreundliche Stadt- und Verkehrsplanung, Sicherstellung von sauberer Außen- und Innenraumluft sowie Verhütung von Belastungen durch gefährliche Wirkstoffe.

Sicherheitsrisiko Straßenverkehr

Entsprechend der Empfehlung der WHO wurde die Entwicklung des österreichischen Aktionsplans von konkreten Projekten zur Jugendbeteiligung begleitet. An Handlungsempfehlungen wurden von den Jugendlichen unter anderem der raschere und konsequentere Austausch alter Trinkwasser-Bleileitungen, die Bekämpfung von Wasserverschwendung sowie strengere Strafen für „Alkolenker“ und Raser genannt.
„Der Straßenverkehr ist nicht nur Klimakiller und Luftverschmutzer Nummer eins, sondern auch eines der größten Sicherheitsrisiken für Kinder und Jugendliche“, betonte Pröll. Er verwies auf Abgase, Lärm, vom Kfz-Verkehr beherrschte Städte mit immer weniger Platz für Kinder und die erschreckende Opferbilanz auf Europas Straßen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat das Lebensministerium das Aktions- und Beratungsprogramm „Mobilitätsmanagement für Schulen“ gestartet. Unter anderem soll dadurch die körperliche Bewegung am Schulweg (zu Fuß gehen, Rad fahren etc.) gefördert werden.
Betont wird im Aktionsplan auch die Wichtigkeit einer kinderfreundlicheren Straßenverkehrsordnung (z.B. Haltepflicht für Autofahrer im Haltestellenbereich) und entsprechender Richtlinien für die Straßengestaltung. Gefordert wird auch ein Verbot von für Kinder gefährlichen Kfz-Karosserieteilen wie etwa Frontschutzbügeln (Kuhfänger), die für den Straßenbetrieb völlig überflüssig sind. „Leider sieht man aber auch immer wieder Ärzte, die mit riesigen Geländewagen mit Kuhfänger in der Stadt unterwegs sind“, kritisiert der Umweltmediziner Hutter.
Was die Bekämpfung der Luftverschmutzung betrifft, hat das Bonus-Malus-System für neu zugelassene Diesel-Pkw mit bzw. ohne Partikelreinigung die Markt­einführung von Diesel-Partikelfiltern in Österreich erheblich beschleunigt. Nächster Schritt müsse die Verschärfung der Abgasstandards für schwere Nutzfahrzeuge sein, so Pröll.

Gute Luft in Schulen

An Projekten zum Thema „Innenraumluft“ wird im Aktionsplan unter anderem „LUKI“ (Luft und Kinder) angeführt. Diese Pilotstudie erforscht und bewertet Schadstoffe und deren Auswirkungen in der Innenraumluft von Schulen. Und im Kapitel „Gefährliche Wirkstoffe“ wird mehrmals die Phthalat-Problematik angesprochen und empfohlen, Phthalate nicht mehr in Arzneimitteln (wo sie als Hilfsstoffe fungieren) zu verwenden.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 46/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben