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Gesundheitspolitik 14. Juni 2007

Gesundes System?

Herr und Frau Österreicher sind mit dem Gesundheitswesen überwiegend zufrieden. Das ergab eine Internet-Umfrage mit 1.000 Teilnehmern vom Mai dieses Jahres. Über 80 Prozent bewerten das heimische Gesundheitssystem als eher gut oder sogar sehr gut, rund 6,5 Prozent bewerten es negativ. Gleichzeitig sind knappe 60 Prozent der Ansicht, dass es in Österreich eine Zwei-Klassen-Medizin gibt beziehungsweise dass Kassenpatienten eine schlechtere Gesundheitsversorgung erhalten als Privatpatienten.

Mehr als ein Viertel der per Internet Befragten waren der Ansicht, die Versicherten sollten die Möglichkeit haben, auch in der gesetzlichen Krankenversicherung ihr Leistungspaket selbst zu gestalten. Für die Einführung eines Bonus-Malus-Systems in die gesetzlichen Krankenversicherungen sprachen sich knapp 20 Prozent der Befragten aus. Teilnehmer mit gutem Gesundheitszustand befürworteten naheliegenderweise Wahlfreiheit sowie Bonus-Malus-Systeme verstärkt, Menschen mit schlechtem Gesundheitszustand lehnen diese Maßnahmen über alle Altersgruppen hinweg eher ab. Über 29 Prozent befürworteten vermehrten Wettbewerb zwischen den Kassen, um Kosten zu reduzieren und Qualität zu steigern.

Mehr Information gewünscht

Über Krankenhäuser und Spezialisten, Arzneimittel und Krankheiten wünschen sich mehr als 60 Prozent der Teilnehmer mehr Informationen, und zwar sind das vorwiegend ältere Menschen, was mit den im Alter zunehmenden Beschwerden erklärt werden kann. Ebenfalls erwünscht ist Kostentransparenz. Teilweise wurde der regelmäßige Versand von Leistungsinformationen ja bereits eingeführt. Hier ist die Wissbegier umso größer, je jünger und gesünder die Patienten sind. 80 Prozent der 14- bis 19-Jährigen wollen gerne wissen, was sie die Kasse im Detail kostet, was wiederum nur knappe 60 Prozent der 50- bis 59-Jährigen interessiert.

Pflegekapazität in Zukunft unsicher

Die Befragten sind sich der kommenden Herausforderung in der Pflege bewusst. Nur 6,9 Prozent sind davon überzeugt, dass das österreichische Gesundheitssystem den jetzigen und zukünftig zu erwartenden Anforderungen in geeigneter Weise begegnen kann. Knapp mehr als zwei Drittel der Teilnehmer glauben eher nicht oder gar nicht daran, dass der Pflegebedarf gedeckt ist beziehungsweise sein wird. Mehr als die Hälfte der Gruppe konnte sich grundsätzlich nicht vorstellen, die Pflege sehr naher Angehöriger zu übernehmen. Gründe waren entweder beruflicher – finanzielle Überlastung, Zeitmangel – oder privater Natur, der eigene Seelenfrieden wäre gefährdet.
Aber mehr als die Hälfte konnte sich sehr wohl vorstellen, von nahen Angehörigen gepflegt zu werden. Hier besteht also ein konkretes Missverhältnis zwischen der Bereitschaft zu helfen und der, Hilfe zu empfangen.

80 Prozent wollen rezeptfreie Mittel aus der Drogerie

Mehr als 50 Prozent der Befragten schätzten ihre Medikamentenkosten zumindest als eher weniger hoch ein. Teilnehmer mit schlechtem Gesundheitszustand meinen, ihre Medikamentenkosten seien immerhin zu 25 Prozent hoch. Die Offenheit gegenüber Generika ist groß: Für mehr als 65 Prozent der Befragten, Gesunde voran, sind Generika als Alternative zu Original-Medikamenten attraktiv. Durch den Verkauf rezeptfreier Medikamente im Drogeriefachhandel erwarten sich die Österreicher Preisreduktionen. Mehr als 20 Prozent glauben, dass die betroffenen Produkte um mehr als die Hälfte billiger würden. Und fast 80 Prozent können sich vorstellen, rezeptfreie Substanzen in Drogeriemärkten zu kaufen – über 70 Prozent glauben, dass das Angebot rezeptfreier Arzneimittel in Drogeriemärkten zu einer Kosteneinsparung führen könnte.

Die Karte zur Zufriedenheit

Der Umfrage nach wurde die e-Card positiv aufgenommen, knapp 85 Prozent geben an, mit dem elektronischen Krankenschein gute Erfahrungen gemacht zu haben. 73 Prozent der Beteiligten können sich sogar eine lebensbegleitende elektronische Gesundheitsakte (ELGA) vorstellen. Mehr als die Hälfte möchte jedoch bestimmen, wer die Patienteninformationen erhalten soll. Die Auswirkung einer ELGA auf die Qualität der Gesundheitsversorgung wird zu fast 80 Prozent als positiv gewertet.

Bekannt wie ein bunter Hund

Viele Befragte kennen bereits einige alternativmedizinische Methoden, Akupunktur und Homöopathie haben den höchsten Bekanntheitsgrad mit 90,4 beziehungsweise 84,3 Prozent. Fast die Hälfte hat bereits Erfahrungen mit Homöopathie gemacht, ein Viertel mit Akupunktur. Frauen scheinen alternative Methoden eher zu bevorzugen.
Über 90 Prozent meinen, dass die Kosten anerkannter alternativmedizinischer Methoden von der Versicherung abgedeckt werden sollten, ein ebenso hoher Anteil würde diese Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen. Weniger als ein Drittel fühlt sich über alternativmedizinische Angebote ausreichend in Kenntnis gesetzt, der Großteil (86 Prozent) möchte mehr dahingehende Information.

Aussagekraft der Untersuchung

Die Studie wurde von den „Europäischen Wissenschaftstagen Steyr“ in Auftrag gegeben und sollte laut Dipl. Ing. Berghold ­Bayer, dem Obmann der Wissenschaftstage, den Handlungsbedarf auf diesem Gebiet ausloten. Die Ergebnisse sind laut Bayer etwas verzerrt, da nur Internetbenutzer zwischen 14 und 59 Jahren befragt wurden. Ältere, die das Gesundheitssystem wesentlich stärker nützen, fanden keine Berücksichtigung. Die Zahlen gäben aber Aufschluss über die gegenwärtigen Ansichten der zukünftigen Alten, so Bayer.

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