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Gesundheitspolitik 5. Juni 2007

„Hausarzt in Not“ hat sich leider bestätigt

Die Schlacht ist geschlagen. Trotz mancher Widrigkeit wie etwa einem kurzzeitig überlasteten Faxgerät ist es uns gelungen, fast 400 Fragebögen von Ärzten auszuwerten, die sich an der Ärztebefragung „Hausarzt in Not“ von ÄRZTE WOCHE und Hausärzteverband beteiligt haben. Das Ergebnis der Umfrage sollte Politiker dazu anregen, dringende Maßnahmen anzugehen.

Einige Highlights aus der Berichterstattung der vergangenen Wochen sollten an dieser Stelle nochmals erwähnt werden: Von drei Viertel der Teilnehmer wird die eigene finanzielle Situation als „durchwachsen“ bis „schlecht“ bezeichnet. 61 Prozent unserer Gruppe bezeichnet die Kassenvertragslage als „desolat“ oder „eher schlecht“. Entgegen der Ärztekammertendenz in allen Bundesländern sprechen sich mehr als 90 Prozent der Ärzte für eine Honorarangleichung in den verschiedenen Bundesländern aus, davon der Großteil sogar vorbehaltlos.
Um eine Zufriedenheit zu erreichen, müsste das Einkommen ungeachtet anderer notwendiger Maßnahmen um ein Viertel steigen. Der rechnerische Schnitt liegt bei de facto 10,7 Minuten Zeit pro Patient und Behandlung, wünschenswert aus Sicht der Gruppe sind im Schnitt um 6,1 Minuten oder fast 60 Prozent mehr. Die Frage nach der zumutbaren Wartezeit nivelliert sich im Schnitt mit knapp 30 Minuten exakt beim durchschnittlichen tatsächlichen Wert.
Vier von fünf Ärzten lehnen jedoch die Einführung der ELGA in ihrer derzeit geplanten Form ab. Gerade einmal einer von fünf Ärzten gibt an, Zeit durch den Betrieb der e-Card zu sparen. Bei der Frage nach den Zusatzkosten herrscht Einigkeit bei den Ärzten. 97 Prozent der Befragten gaben an, durch die e-Card (unabgegoltene) Zusatzkosten zu haben. 93 Prozent der befragten Ärzte sind für eine der verschiedenen derzeit in den Bundesländern andiskutierten Ausprägungen des Dispensierrechts für Ärzte. Hausapotheker, die als erfahrene Medikamentenabgeber die Vorteile für den Patienten sicherlich sehr gut abschätzen können, sind zu 96 Prozent dafür.
Aus unserer Fragebogenauswertung ist somit eindeutig zu erkennen, dass die hausärztliche Tätigkeit unterbezahlt ist und (dadurch) bei vielen Ärzten ein latentes persönliches finanzielles Problem besteht. Die Zeit für den einzelnen Patienten wird als dramatisch zu kurz eingeschätzt. Die ELGA in der geplanten Form wird abgelehnt, großen Zuspruch haben die Themen „Dispensierrecht für Ärzte“ sowie „Honorarangleichung in den Bundesländern“. Zeit und Geld, die eigentlich für den Patienten wertvoll wären, werden für Bürokratie in den Ordinationen und in den Sozialversicherungen verbraucht. Alleine der nicht abgegoltene Zeitaufwand für die Bearbeitung der ABS-Fälle dürfte nach unseren Schätzungen 90 Millionen Euro pro Jahr nur bei den Hausärzten betragen.
Doch wie können die Probleme gelöst werden? Während immerhin die Hälfte der befragten Ärzte den Kammerfunktionären Maßnahmen in dieser Richtung zutraut, ist die Einstellung zur Kammer an sich sehr negativ. Unter den „Kampfmaßnahmen“ ist der Ärztestreik am beliebtesten, immerhin knapp zwei Drittel unserer Gruppe könnten sich damit anfreunden. Es ist jedenfalls dringend an der Zeit, sich ärztekammerintern diesen Problemen zu widmen. Bevor es zu spät ist.

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