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Gesundheitspolitik 5. Juni 2007

Niederösterreich hat neue Kammerführung

Der Orthopäde Dr. Christoph Reisner aus Wiener Neustadt übernimmt als neuer Präsident in Niederösterreich die Nachfolge von Dr. Lothar Fiedler. Dies konnte nur durch eine breite Koalition fast aller Fraktionen erreicht werden.

Die Entscheidung für Reisner war zwar bis zum Schluss nicht gesichert, kam aber auch nicht ganz überraschend. Reisner ging bei der Kammerwahl mit einer mehr als Verdoppelung der Mandate als großer Wahlsieger hervor. Seine Mitbewerber „Die Überparteilichen“ fielen deutlich zurück, blieben aber stimmenstärkste Fraktion. So waren Koalitionsverhandlungen angesagt. Reisner gelang es schließlich, die Interessen fast aller kleineren Fraktionen zu bündeln und durch die Stimmen von „ARGUS“, „Spitalsärzte NÖ“, „Vereinigte Ärzte Niederösterreichs“ und sogar „NÖ Kassenärzte“ die Mehrheit zu erlangen. Gerade bei letzterer Gruppierung wurde lange nachgedacht, bevor man sich für eine Koalition mit Reisner entschloss (siehe Kasten).
Sein Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre möchte der neue Präsident demnächst vorstellen. Reisner steht jedenfalls für Geradlinigkeit und nicht für Kuschel- oder Anbiederungskurs, das hat er in den vergangenen Jahren zahlreiche Male bereits deutlich gezeigt. Er will künftig aber auch auf mehr Kooperation setzen: „Es ist mit der neuen Führung nun möglich, für die kommenden Jahre mit einer breiten Koalition alle Interessen der inhomogenen Ärzteschaft in einem ausgewogenen Maß zu vertreten.“ Besonders wichtig erscheint es ihm, eine gute Kooperationsbasis zwischen den niedergelassenen und angestellten Ärzten zu schaffen.

Kammer mit Konsens

Die wichtigste Aufgabe eines Präsidenten sei es, dafür zu sorgen, dass keine Gruppe ins Out gedrängt wird, dass alle Interessen gesehen werden und innerhalb der Kammer der Konsens gesucht wird. „Und sicherlich nicht, dass ein Konsens zu Lasten eines Partners geht.“ Derzeit herrscht noch eine vom Vorgänger zu verantwortende Diskrepanz zwischen den Kurien. Die unter anderem darin gipfelte, dass man für beide Kurien relevante Angelegenheiten wie etwa die Übergabepraxis nicht kurienübergreifend abgesprochen hatte.

Schaltstellen neu besetzt

Neben der Präsidentschaft sind auch die anderen Schaltstellen in der Kammer neu besetzt worden. Zum 1. Vizepräsidenten wurde der Tullner Anästhesist Dr. Gerrit Loibl gewählt, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident wurde Dr. Johann Jäger, Allgemeinmediziner aus Weitersfeld, und Kurienobmann der angestellten Ärzte wurde mit Dr. Ronald Gallob ebenfalls ein Anästhesist aus Wiener Neustadt. Nicht ganz unumstritten sind auch Stellenbesetzungen wie etwa die der Leitung des Wohlfahrtsfonds.
Mit „ARGUS“-Chef Dr. Josef Sattler übernahm ein Arzt die Führung dieses Ressorts, der seit Jahren gegen mögliche Ungereimtheiten im Wohlfahrtsfonds kämpft. Das wird auch als deutliches Zeichen für Reisners Linie gewertet: „Wichtig ist es, die Vergangenheit zu bewältigen. Allerdings ohne dabei außer Acht zu lassen, dass die Zukunft immer wichtiger als die Vergangenheit ist.“ Dies scheint gerade beim Wohlfahrtsfonds gefragt zu sein. „Bislang saß eine Fraktion an vielen Schalthebeln der Kammer. Für die anderen Fraktionen war vieles nicht transparent. Über die neue breite Koalition wird es nun erstmals möglich sein, dass verschiedene Fraktionen sowie die Ärzte an der Basis Einschau in alle Dinge halten können.“

 NÖ Kassenärzte unterstützen Wahlärztepräsident

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