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Gesundheitspolitik 31. Mai 2007

Fragebogenauswertung mit deutlichem Ergebnis

Der letzte Fragenblock unserer Ärztebefragung „Hausarzt in Not“ befasst sich mit der Haltung der Mediziner zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Die Einstellung unserer Gruppe zu ELGA, e-Card, ABS und Dispensierrecht kann als eindeutig bezeichnet werden.

Die ersten beiden Fragen der von uns ausgeschickten Ärztebefragung „Hausarzt in Not“ bezogen sich auf das Problem ELGA und Verschwiegenheit. Die Antwort: Knapp 65 Prozent der Teilnehmer können ihren Patienten noch Verschwiegenheit garantieren. Mehr als 81 Prozent lehnen jedoch die Einführung der ELGA in ihrer derzeit geplanten Form ab.
Ein ähnliches Bild zeichnen die Ärzte von der e-Card. Gerade einmal 19 Prozent geben an, Zeit durch den Betrieb der e-Card zu sparen. Dies entspricht exakt der Meinung der Ärztekammer(n). Die Sozialversicherungen, der Hauptverband und die Gesundheitspolitiker hingegen glauben nach wie vor fest daran, dass die e-Card große Vorteile für die Ärzte und damit Zeitersparnis bei der Administration innerhalb der Ordinationen bringt. Bei der Frage nach den Zusatzkosten herrscht noch größere Einigkeit bei den Ärzten. 97 Prozent der Befragten gaben an, durch die e-Card (unabgegoltene) Zusatzkosten zu haben.
Das ABS (Arzneimittel-Bewilligungs-System) scheint den Ärzten generell ein Dorn im Auge zu sein. Glaubt man anderen, jungst durchgeführten Umfragen zu dieser Problematik, stellt der unabgegoltene Zeitaufwand zur Bewältigung der überbordenden Bürokratie einen der größten Kritikpunkte der Ärzteschaft am System derzeit dar. Und das ABS ist quasi das Synonym für diese Belastung. Wir haben unsere Zielgruppe daher gebeten, die Auswirkungen der Bearbeitung des ABS für ihre Ordination einmal zu bewerten.

Gigantische ABS-Kosten

Knapp die Hälfte der Ärzte hat zwei bis vier ABS-Fälle pro Ordinationstag zu bewältigen. Jeweils etwa 20 Prozent haben einen beziehungsweise „fünf bis zehn“ Fälle pro Tag. Den Rest teilen sich die Extremwerte „null“ und „mehr als zehn“. Rein statistisch ergibt sich ein Wert von 3,8 ABS-Fällen pro Tag über unsere Hausärztezielgruppe. Während immerhin 28 Prozent dieser Ärzte die Arbeit im Zusammenhang mit dem ABS an die Assistentinnen delegieren, werden 72 Prozent selbst tätig. Hierbei geben immerhin 51 Prozent der Befragten an, entweder „bis zehn Minuten“ oder „mehr als zehn Minuten“ im Schnitt pro Fall zu benötigen, das natürlich inklusive aller Zeiten für Telefonate und Recherchen. Der rechnerische Schnitt beträgt 5,9 Minuten Zeit pro ABS-Fall.
Ein kleines Rechenspielchen bringt die Auswirkungen auf Organisation und Finanzen gnadenlos ans Tageslicht: Mit 22 Minuten im Schnitt pro Tag, multipliziert mit einem einer hausärztlichen Ordination angemessenen Stundensatz von 200 Euro für Infrastruktur samt aller Nebenkosten, ergibt sich ein Betrag von etwa 75 Euro täglich, die der durchschnittliche niedergelassene Allgemeinmediziner gratis für die Bewältigung von ABS zur Verfügung stellen muss.
Dass der Patient zur Bewilligung nicht mehr laufen muss, kostet in Summe also mehr als 12.000 Euro pro Ordination und Jahr und damit stolze 90 Millionen Euro pro Jahr für alle Hausärzte.
Rechnet man die restlichen Kassenärzte, die teilweise sogar noch mit massiveren Werten zu kämpfen haben, gedanklich mit ein, kommt man auf Werte, die jedes Kassendefizit als geradezu nichtig erscheinen lassen. Vor allem wenn man bedenkt, dass dieser ganze Aufwand kassenintern „gegenbearbeitet“ werden muss, was aufgrund der beamtenähnlichen Mitarbeiterstruktur nicht wesentlich kostengünstiger sein kann. Nicht auszudenken, dass dieses unglaubliche Volumen auch sinnvoll für die Behandlung der Versicherten aufgewendet werden könnte.

Dispensierrecht gewünscht

Dass der Patient nicht mehr laufen soll, ist zwar bei den Bewilligungen erfolgt, bei der Medikamentenabgabe jedoch noch lange nicht der Fall. Genau das würden aber offenbar weit mehr Ärzte für sinnvoll halten, als man gemeinhin annimmt.
Apothekerkammerfunktionäre sprechen meistens von wenigen Ärztekammerfunktionären, die Interesse am Dispensierrecht für alle Ärzte hätten. Manche Ärztekammern sprangen in jüngster Vergangenheit auf den Zug auf, indem sie mehr oder weniger zaghaft nach dem allgemeinen Dispensierrecht riefen.
Und damit lagen sie im Trend der Zeit. Das Ergebnis unserer Umfrage spricht nämlich auch hier eine deutliche Sprache: Ganze sieben Prozent der Befragten halten nichts von einem Dispensierrecht für Ärzte, 93 Prozent sind für eine der verschiedenen derzeit in den Bundesländern andiskutierten Ausprägungen.
Hausapotheker, die als erfahrene Medikamentenabgeber die Vorteile für den Patienten sicherlich sehr gut abschätzen können, sind zu 96 Prozent für ein Dispensierrecht für Ärzte. Bemerkenswert ist, dass innerhalb der Befürworter fast 45 Prozent sogar für ein generelles und uneingeschränktes Dispensierrecht für niedergelassene Ärzte sind. So abstrakt, wie das gerne von Apothekerseite gesehen wird, können die verschiedenen Vorschläge also nicht sein.

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