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Gesundheitspolitik 22. Mai 2007

Die Beziehung Arzt zu Patient überdenken

In dieser Ausgabe erfolgt die Auswertung unserer Ärztebefragung „Hausarzt in Not“ im Hinblick auf die Patienten. Unsere Ärztegruppe teilt die Meinung über zu lange Wartezeiten in hausärztlichen Ordinationen nicht. Hingegen kommt klar zum Ausdruck, dass die unter diesen Tarifen und Bedarfsplanungen zur Verfügung stehende Behandlungszeit zu kurz ist.

Die durchschnittliche Scheinzahl unserer Ärztegruppe liegt bei 1.050 und damit sicherlich in einer für ganz Österreich repräsentativen Größenordnung. Von den befragten Ärzten verordnen 60 Prozent mehr als drei Viertel ihrer Patienten auch Medikamente. Im Schnitt bekommen zwei von drei Patienten eines oder mehrere Medikamente verschrieben. Soweit zur Statistik. Bei der Frage nach der für den Patienten zur Verfügung stehenden Zeit gibt eine überwältigende Mehrheit von 65 Prozent „bis zu zehn Minuten“ an. Immerhin 27 Prozent haben nur „bis fünf Minuten“ Zeit. Der rechnerische Schnitt liegt bei de facto 10,7 Minuten, die pro Patient aufgewendet werden.

Sicht von Selbsthilfegruppen

Auf die Frage nach der gewünschten Zeit geben immerhin 28 Prozent just den Wert an, der auch in der Wirklichkeit erreicht wird. Der Rest ist unzufrieden und wünscht sich im Schnitt 6,1 Minuten (plus 57 Prozent) mehr für den Patienten.
Wir fragten die Hausärzte auch nach ihrer Meinung zu Selbsthilfegruppen. 14 Prozent meinen, die seien „praktisch unverzichtbar“, und sogar 51 Prozent sind der Ansicht, dass Patientenselbsthilfegruppen „manchmal ganz nützlich“ seien. In unseren Augen kommt hier eine positive Einstellung zum Patienten zum Ausdruck.
Die Wartezeiten in den Ordinationen sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Jeweils etwa 15 Prozent der Ärzte meinen, dass ihre Patienten zehn, fünfzehn beziehungsweise 20 Minuten im Warteraum warten müssen, bevor sie in die Behandlungsräume vorgelassen werden. Bei knapp 30 Prozent beträgt die Wartezeit nach eigener Einschätzung eine halbe Stunde, bei 38 Prozent unserer Zielgruppe muss 40 Minuten oder mehr gewartet werden. Der rechnerische Schritt beträgt 31,1 Minuten, also etwa eine halbe Stunde.

Zumutbare Wartezeiten

Die Frage nach den zumutbaren Wartezeiten nivelliert sich im Schnitt mit 30,1 Minuten exakt beim durchschnittlichen tatsächlichen Wert. Auffallend ist eine deutliche Zunahme des Wertes „30 Minuten“ gegenüber den Extremzeiten „10 Minuten“ beziehungsweise „50 Minuten“ oder mehr. Allerdings: Es gibt eine ganze Menge Ärzte, bei denen der Patient mehr als eine Stunde warten muss, und dabei halten sie nur maximal eine halbe Stunde für vertretbar. Und Ärzte, die eine Stunde Wartezeit für o.k. finden, bei denen allerdings der Patient nur eine halbe Stunde warten muss, sind ebenso zahlreich vertreten.

Medienpolitik gefordert

Erstaunlich ist die Resonanz auf die Frage, wie man nach Einschätzung unserer Ärzte Politiker und Patienten zu einer umfassenden Systemänderung motivieren könnte. Stolze 50 Prozent sprechen sich für Ärztestreiks aus, 64 Prozent für die harmlosere Variante einer geeigneten Medienpolitik. Ganze 25 Prozent halten Informationen in den Ordinationen für „zielführend“, 28 Prozent wünschen mehr Information durch die Ärztekammer. Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen genauso möglich wie eigene Vorschläge. Immerhin acht Prozent haben ein eigenes Rezept parat, wie man die Veränderung herbeiführen könnte. Populärste Ansicht war hierbei die „Kündigung von Kassenverträgen“.
„Halten Sie umfangreichere Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei niedergelassenen Ärzten für notwendig?“ 58 Prozent haben diese Frage mit einem „nein“ beantwortet. 25 Prozent sprechen sich für ein „eventuell“ aus, ganze 17 Prozent sind dafür.
Von diesen 17 Prozent halten übrigens vier von fünf Ärzten Evaluierungen durch die Ärztekammer für zweckmäßig, und 16 Prozent halten Patientenbefragungen für ein zeitgemäßes Sicherungsinstrument. Auf den Plätzen mit insgesamt weniger als fünf Prozent landen „Verordnungskontrolle“, „Überweisungskontrolle“ sowie „Gesundenuntersuchungen“.

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