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Gesundheitspolitik 15. Mai 2007

Reformbedarf bei Ärztekammer klar

Die österreichischen Hausärzte sind mit der Gesundheitspolitik und der Kammerarbeit unzufrieden. Die Kammer an sich wird zwar nicht in Frage gestellt, allerdings werden der derzeitige Aufgabenbereich sowie die Ausführung recht klar kritisiert. Eine deutliche Mehrheit der Hausärzte sieht Kassenvertrags­verhandlungen als Hauptaufgabe einer Ärztekammer.

47 Prozent der Befragungsteilnehmer von „Hausarzt in Not“ stehen mit der Aussage „Ich habe sie gewählt und stehe auch noch heute dazu“ hinter der Riege der Ärztekammerfunktionäre aus den Wahlen 2003. Sechs Prozent waren damals nicht bei der Wahl, genau einer bereut, die amtierenden Funktionäre nicht gewählt zu haben. Somit verbleiben ebenfalls 47 Prozent in Summe, die „bereuen, die derzeitigen gewählt zu haben“, oder die angeben, „die derzeitigen nicht gewählt zu haben“. Damit besteht ein sehr ausgeglichenes Verhältnis der Haltung unserer Gruppe zu den Funktionären. Womit sich ein deutlicher Unterschied zur Kammer an sich ablesen lässt. Nur zehn Prozent halten die Institution der Kammer wie bisher für in Ordnung. Eine überwältigende Mehrheit (45 Prozent) wünscht sich zumindest Reformen, immerhin 30 Prozent eine totale Umgestaltung. Für 13 Prozent sollte die Pflichtkammer abgeschafft werden, immerhin noch zwei Prozent sehen überhaupt keinen Sinn in einer wie auch immer gearteten Ärztekammer. Die Haltung zur Kammer spiegelt sich bei der Einschätzung der Kammerbeiträge wider: Genau 50 Prozent halten die Beiträge für „eher zu hoch“, 25 Prozent für „viel zu hoch“. Ebenso 25 Prozent machten ihr Kreuz bei „gerade richtig“, im statistischen Niemandsland gingen drei Stimmen unter, die für „eher zu niedrig“ oder „viel zu niedrig“ stimmten. Interessant wird die Auswertung bei der Frage nach dem Aufgabenbereich einer Ärztekammer: Immerhin 76 Prozent reihten „Kassenverhandlungen“ an die erste Stelle der Begehrlichkeiten. Hier bietet sich als Vergleichswert wieder der Notenschnitt (Kassenverhandlungen 1,64) an. Die Bereiche „Fortbildung“ und „Repräsentation“ schließen mit einer Durchschnittsnote von etwa 3,0 deutlich dahinter ab. „Öffentlichkeitsarbeit“ erreicht dicht dahinter eine 3,2, und Disziplinarrecht (Schnitt 4,2) wird von den meisten Ärzten als eher unwichtig angesehen.

Zukunftsplanung vermisst

Bei diesem Frageblock war es möglich, eigene Vorschläge zu bringen und mit Wichtigkeit zu versehen. Davon wurde auch recht rege Gebrauch gemacht. Die „beliebtesten“ zusätzlich genannten Aufgaben der Ärztekammer sind hierbei „Qualitätssicherung“, „Service für Ärzte“, „Rechtsvertretung“ sowie „Zukunftsplanung und Strategie“. Frustrierend wird die Auswertung bei den letzten beiden Fragen im Ärztekammerblock. Auf die Frage, welche politische Partei die Interessen der Ärzte derzeit am besten vertritt, antworteten 91 Prozent der Befragten mit „alle gleich schlecht“. Mit gerade einmal 5,4 Prozent ist die ÖVP bei den Parteien in Front, die SPÖ ist mit 2,3 Prozent an zweiter Stelle. Das BZÖ hat als einzige Partei keine einzige Nennung bekommen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Frage nach der Einschätzung, wie sich die Lage für Ärzte durch eine Ärztin als Gesundheitsministerin ändern wird. Für fast 60 Prozent wird sich nichts ändern, 14 Prozent erwarten eine Verbesserung. Die verbleibenden 26 Prozent erwarten eine Verschlechterung der Lage für Ärzte. Bei den Kommentaren zur Ärztekammer spiegelt sich der statistisch auswertbare Teil wider. Zahlreiche Ärzte sprechen von einer unverzichtbaren Institution, kritisiert werden aber häufig die Haltung der Funktionäre einerseits und die Ausrichtung der Kammer andererseits. Einige wünschen sich eine ähnliche Schlagkraft wie die Apothekerkammer. Bei diesen Wortkommentaren, die immerhin von etwa 70 Prozent unserer Gruppe ausgefüllt wurden, kommt ganz deutlich der Wunsch nach mehr Durchsetzung der Interessen der Ärzte, Transparenz in der Kammer und mehr Aktivität und Mut zum Ausdruck.

Die Maden im Speck

Kritisiert werden dabei auch die Funktionäre, die „wie die Maden im Speck“ von den Pflichtmitgliedern versorgt würden. Die Ärztekammern Oberösterreich und Tirol werden von auffallend vielen Ärzten ausdrücklich gelobt, die schärfste verbale Kritik kommt aus Wien und Niederösterreich. Dieser subjektive Eindruck lässt sich durch die nach Bundesländern getrennte Auswertung der Antworten auf die Frage nach der grundsätzlichen Haltung zur Ärztekammer bestätigen. Während die meisten Bundesländer auf Werte zwischen 2,3 und 2,4 kommen, erreichen die Bundesländer Wien, Niederösterreich und das Burgenland Werte um 2,8. Das ist ein Indiz für einen deutlichen Wunsch nach Umstrukturierung der Ärztekammer.

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