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Gesundheitspolitik 9. Mai 2007

Kassensystem und Einkommen unbefriedigend

Ein Großteil der Kassenärzte fühlt sich unterbezahlt und ist nicht besonders zufrieden mit der eigenen finanziellen Situation. Ein bundesweit vereinheitlichtes Leistungssystem mit sinnvoller Mischung aus Einzelleistungs- und Pauschalhonorierung scheint ein klares Ziel zu sein. Die Änderung der Lage wird den Ärztekammern zwar durchaus zugetraut, jedoch nicht mit den derzeit angewendeten Methoden.

Die erste Auswertung unserer Ärztebefragung „Hausarzt in Not“ widmet sich den Themen „Krankenkasse“ und „Einkommen“. Nachdem es uns gelungen ist, mit 93 Prozent Anteil klassische Kassenärzte anzusprechen, haben diese Themen auch einen zwingenden, unmittelbaren Bezug zueinander. Wichtig für uns war zunächst einmal, das Gefühl der Ärzte in Bezug auf die derzeitige finanzielle Situation zu eruieren. Für diese Abstufung wurde das Schulnotensystem zur Bewertung ausgewählt. Der Medianarzt bezeichnet seine Situation mit „es geht“ und damit mit Schulnote 3, das statistische Mittel liegt mit 3,2 zwischen „es geht“ und „eher unzufrieden“. Gerade einmal sechs Prozent sind völlig „zufrieden“ und immerhin 20 Prozent sind „eher zufrieden“. Für die verbleibenden 74 Prozent ist die finanzielle Situation aus eigener Sicht daher durchwachsen bis schlecht. Keine Überraschung bringt die Analyse der eigenen finanziellen Beurteilung unter der Prämisse „Ordinationsgröße“. Hier ist eine Unzufriedenheit in Abhängigkeit zur Ordinationsgröße eindeutig abzulesen: je kleiner die Ordi, desto größer der Missmut. So beurteilen Ärzte mit großen Ordinationen „1.000 Scheine aufwärts“ ihre individuelle Situation mit Schulnote 2,9 im Schnitt. Interessant ist, dass die Frauen unter den Allgemeinmedizinern in dieser Hinsicht unzufriedener sind. Dass Hausapotheker eher zufriedener sind, wundert jedoch niemanden. Hier besteht allerdings sicherlich eine Korrelation, wenn nicht sogar ein Kausalzusammenhang zur Ordinationsgröße. 61 Prozent unserer Gruppe bezeichnet die Kassenvertragslage als „desolat“ bis „eher schlecht“, lediglich zwölf Prozent als „einigermaßen positiv“ bis „positiv“. Entgegen der Ärztekammertendenz in allen Bundesländern stehen nur sieben Prozent aller von uns Befragten einer Honorarangleichung in den verschiedenen Bundesländern grundsätzlich negativ gegenüber, fast 70 Prozent der Befragten sind sogar vorbehaltlos dafür (23 Prozent: „Es kommt darauf an“).

24 Prozent zu wenig Einkommen

Nun zu den Zahlen, um wieviel das Einkommen nach eigener Einschätzung steigen müsste, um damit zufrieden zu sein. Unser Statistikprogramm wirft hierbei den unkommentierten Wert von 24 Prozent über alle eingesandten Fragebögen aus. Werden hierbei die Hausapotheker extrahiert, stellt man erstaunlicherweise keinen nennenswerten Unterschied fest. Hausapotheker fühlen sich also im gleichen Ausmaß unterbezahlt wie Allgemeinmediziner ohne Hausapotheke. Doch wer soll das ändern? Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich. Gewinner sind die Ärztevertreter, denen immerhin jeder zweite eine Änderung der derzeitigen Lage zutraut. Kassenvertreter sind logischerweise aus Sicht unserer Ärzte mit weniger als zwei Prozent der Einschätzungen am wenigsten geeignet, Patientenvertreter und Politiker schneiden nur wenig besser ab. Den Medien wird mit etwas mehr als 20 Prozent jedoch einiges an Veränderungspotenzial zugetraut. Bei dieser Frage war es auch möglich, eigene Vorschläge zu notieren. Diese mit Kommentaren versehenen Angaben sind diesmal ein gefundenes Fressen für uns Journalisten, leider teilweise nicht jugendfrei. Näheres dazu, wenn wir uns dem Themenbereich „Rolle der Ärztekammer“ widmen. Jedenfalls teilen sich die knapp 40 Prozent der selbst eingebrachten Vorschläge unserer Ärzte, wem man die Änderung der derzeitigen Lage am ehesten zutraut, recht gleichmäßig auf die drei Hauptantworten „niemandem“, „sich selbst“ und „geeigneten Managern“ auf.

Mischung aus Pauschal- und Einzelleistung

Für 46 Prozent unserer Umfrageteilnehmer wäre ein reines Einzelleistungssystem der Idealzustand, für 51 Prozent ein vernünftiges Mischsystem aus Pauschal- und Einzelleistungen. Die restlichen fünf Prozent teilen sich die vorgegebenen Antworten „reines Pauschalsystem“ und „Gehalt von der Gebietskrankenkasse“. Was die Ärzte tun können, um zu einem sinnvollen Honorierungssystem zu kommen, ist auch ziemlich eindeutig. Den Druck auf die Ärztekammer zu erhöhen wäre für nur 13 Prozent eine entsprechende Alternative. Für 28 Prozent wäre es durchaus erstrebenswert, mit Kassenvertragskündigungen auf die Sozialversicherung Druck zu machen. 53 Prozent sprechen sich für eine Verhandlung anhand konkreter Daten aus. Weitere selbst eingebrachte Vorschläge waren Medienarbeit, Lobbying und politische Willensbildung, allerdings ohne statistische Relevanz.

Bürokratiefaktor Selbstbehalt

15 Prozent der befragten Allgemeinmediziner schätzen ein, dass ein Großteil ihrer Patienten unter keinen Umständen dazu bereit wäre, einen Selbstbehalt zu leisten. Gut 25 Prozent sind hingegen davon überzeugt, dass das für ihre Patienten kein Problem wäre. Der Großteil (60 Prozent) schwankt zwischen „eher nicht“ und „weiß nicht“. Schließlich zum Thema „Art des Selbstbehalts“. Mit fast 60 Prozent der Rückmeldungen würde eine einkommensabhängige Variante von unseren Ärzten bevorzugt, der Rest würde eine einheitliche Lösung eher in Ordnung finden. Hier wurden zahlreiche Kommentare im Hinblick auf die überbordende Bürokratie abgegeben. Offenbar glaubt man im Falle von einkommensabhängigen Selbstbehalten auch daran, dass die Ärzteschaft das Einheben derselben übernehmen müsste.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

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