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Gesundheitspolitik 2. Mai 2007

„Hausarzt in Not“ kann nun beurteilt werden

Die Schlacht ist geschlagen. Trotz mancher Widrigkeit wie etwa einem kurzzeitig überlasteten Faxgerät ist es uns gelungen, fast 400 Fragebögen von Ärzten auszuwerten, die sich an der Ärztebefragung „Hausarzt in Not“ von ÄRZTE WOCHE und Hausärzteverband beteiligt haben.

Uns ist auch tatsächlich gelungen, die Hauptzielgruppe unserer Befragung anzusprechen. Nämlich zu etwa 93 Prozent Allgemeinmediziner, welche den Hauptteil ihres Einkommens aus Verträgen mit der Gebietskrankenkasse beziehen. So haben sich in Summe an die sechs Prozent der gesamten Hausärzteschaft in Österreich für unsere Befragung zur Verfügung gestellt. Einige Daten zur Statistik noch vorweg: Mit einem Anteil von 20 Prozent Allgemeinmedizinerinnen liegt man hier deutlich unter dem Frauenanteil österreichweit. In diesem Punkt wird in weiterer Folge wohl noch interessant sein, wie sich einzelne Zahlen im Hinblick auf einen Geschlechtsunterschied verhalten. Die Verteilung innerhalb der Bundesländer entspricht fast annähernd der tatsächlichen Verteilung in Österreich. Natürlich mit Ausnahmen. In Kärnten sind wir auf wenig Interesse gestoßen (relativ gesehen etwa halb so viele Einsendungen wie Ärzte im Bundesland). In den Bundesländern Steiermark und Niederösterreich liegen wir hingegen um etwa 20 Prozent über dem Schnitt, was sich sicherlich durch die enge Kooperation mit der IGMed sowie der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin begründen lässt.

Landärzte in der Überzahl

Die Altersstatistik liegt genau im Trend der uns zur Verfügung stehenden Information. Die Altersklasse der Ärzte in den letzten zehn bis 15 Berufsjahren (über 50) ist deutlich vor den 40- bis 50-Jährigen am häufigsten vertreten. Auch die klassischen „Landärzte“ lassen sich offenbar durch den Terminus „Hausarzt“ viel eher ansprechen. Mit etwa einem Viertel Hausapothekern unter den Einsendern (etwa 15 Prozent im Österreichschnitt) sowie der Angabe von etwa 60 Prozent der Befragten, sie würden in einer kleinen oder größeren Landgemeinde ordinieren, ist das eindeutig zu belegen. Ein weiteres Detail: Etwa zehn Prozent unserer Ärzte verfügen neben der Niederlassung noch über ein Anstellungsverhältnis. In den kommenden Wochen werden wir einige Auswertungen dieser Umfrage im Detail abdrucken. Wir unterscheiden hierbei die Themenbereiche „Krankenkasse und Einkommen“, „Rolle der Ärztekammer“, „Patientenbeziehung“ sowie „Aktuelles“. Sollten uns in diesem Zusammenhang bundeslands-, geschlechts- oder größenspezifische Unterschiede auffallen, werden wir das ebenfalls analysieren. Einige Highlights jedenfalls vorweg: Entgegen der Ärztekammertendenz in allen Bundesländern stehen nur sieben Prozent aller von uns Befragten einer Honorar­angleichung in den verschiedenen Bundesländern grundsätzlich negativ gegenüber, fast 70 Prozent der Befragten sind sogar vorbehaltlos dafür (23 Prozent meinen: „Es kommt darauf an“). Ein Wort zur Ärztekammer: Gerade einmal elf Prozent finden die Kammer in Ordnung, wie sie derzeit besteht, 44 Prozent wünschen sich Reformen und 30 Prozent sogar eine totale Umgestaltung.

Sieben Minuten Mehrzeit

Von der neuen Gesundheitsministerin erwartet sich der Schnitt keine Veränderung der Lage für die Ärzteschaft, 60 Prozent haben sogar genau bei dieser Antwort das Kreuz gemacht. Bei den restlichen 40 Prozent hält sich die Einschätzung positiv/negativ ziemlich exakt die Waage. Interessant ist, dass nur ein Arzt meint, dass sich die Lage stark verbessern wird. Im Schnitt wünscht sich jeder Arzt sieben Minuten mehr Behandlungszeit pro Patient, die tatsächliche Wartezeit in der Praxis entspricht hingegen fast genau dem, was die Ärzte selbst für zumutbar halten.

Pro Dispensierrecht

Zum Abschluss noch zwei Gedanken: Der Schnitt unserer Ärzte hat 3,76 ABS-Fälle pro Tag zu bearbeiten, was ihn selbst im Schnitt 5,92 Minuten kostet. Das bedeutet, dass 22,26 Minuten rein rechnerisch pro Tag und Hausarzt gratis dem System zur Verfügung gestellt werden. Das entspricht einer hal­ben Million Euro pro Tag in ganz Österreich beziehungsweise rund 90 Millionen Euro pro Jahr. Die Haltung zum Thema Medikamentenabgabe in Ordinationen ist an Deutlichkeit ebenfalls nicht zu überbieten: 93 Prozent sind dafür (96 Prozent der Hausapotheker), davon mehr als 50 Prozent ohne jede Einschränkung betreffs der Medikamente. Hier handelt es sich also keineswegs um ein Hirngespinst von wenigen Ärztekammerfunktionären, wie aus Apothekerkreisen häufig zu vernehmen ist.

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