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Gesundheitspolitik 24. April 2007

Theorie und Praxis klaffen auseinander

Auch die neue Regierung macht sich für die Stärkung des niedergelassenen Bereichs stark. Wer jedoch die Pressemeldungen aus Niederösterreich liest, stellt eine große Diskrepanz zwischen Gesprochenem und Gelebtem fest.

In einer Pressekonferenz hätte laut einer Aussendung der Ärztekammer Niederösterreich der Präsident der NÖ Ärztekammer gemeinsam mit dem NÖ Finanzlandesrat und NÖGUS-Vorsitzenden sowie dem Obmann der NÖ Gebietskrankenkasse neue Modelle für die Zukunft der niedergelassenen Ärzte präsentiert. Alle Partner hätten sich dazu bekannt, zukünftig innovative und moderne Kooperationsformen der niedergelassenen Ärzte im Sinne der Patienten zu unterstützen. Dazu gehörten neue Praxisformen wie Gruppenpraxen, aber auch die Anstellung von Ärzten bei Ärzten. Alle drei Partner wären auch davon überzeugt, dass neue Modelle nicht automatisch mit Kostensteigerungen verbunden sein müssen, sondern durchaus kostenneutral abgewickelt werden könnten.

Angebliche Zusammenarbeit

Durch Verlagerungen von Leistungen aus dem Ambulanz- und Krankenhausbereich in den niedergelassenen Bereich würden automatisch Mittel frei werden, die für die Verbesserung der Strukturen im niedergelassenen Bereich wie etwa bei Gruppenpraxen umgesetzt werden könnten. Alle drei Partner betonten laut Presseaussendung die hervorragende und konstruktive Zusammenarbeit, die es in Niederösterreich zwischen der Ärzteschaft, dem Land und den Krankenkassen gebe. Ganz abgesehen davon, dass die Presse zu dieser Pressekonferenz nicht eingeladen wurde und dass der Presse trotz bereits mehr als fünfjährigem Bestehen der gesetzlichen Rahmenbedingungen auch keine neuen Modelle für die Zukunft der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich bekannt sind, besticht diese noch in Vorwahlzeiten abgefasste Meldung durch eine grobe Diskrepanz in der Grundeinstellung der Verhandlungspartner untereinander, wenn man sie mit einer fast gleichzeitig versandten Pressemeldung ebenfalls aus Niederösterreich vergleicht. Es war nämlich auch zu lesen, dass das Land Niederösterreich eine stark subventionierte Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs anbietet. „Allerdings nur in den Spitalsambulanzen, was der ,hervorragenden und konstruktiven Zusammenarbeit‘, die es angeblich in Niederösterreich zwischen der Ärzteschaft, dem Land und den Krankenkassen gibt, aus meiner Sicht nicht hundertprozentig entspricht“, so der Vizepräsident der Niederösterreichischen Ärztekammer Dr. Christoph Reisner. „Impfungen gehören nämlich aus meiner Sicht zu den prädestinierten Betätigungsfeldern der niedergelassenen Ärzte.“

Keine Kritik der Kammer

Die Einbeziehung der Ordinationen würde diese Aktion näher zu den Menschen bringen und den Zugang für die Patienten weiter vereinfachen, bestätigt auch der Chef der Niederösterreichischen Spitalsärzte, Dr. Gerhard Schuh: „Vorwiegend richtet sich diese Impfaktion an Jugendliche, die oft noch Schulen besuchen. Die Ambulanzen unserer Krankenhäuser sind jedoch in vielen Fällen nur am Vormittag geöffnet. So sind lange Wartezeiten für die Patienten und noch mehr Arbeit und Überstunden für die Spitalsärzte vorprogrammiert.“ Die Ärztekammer hat jedenfalls verhalten reagiert und zwar die Mitglieder über die Aktion unterrichtet, aber auch darauf verzichtet, die Aktion „lautstark“ zu kritisieren. Ein öffentlicher Schlagabtausch hätte keinerlei Nutzen, sondern würde nur zu einer Verschärfung der Situation führen. Für Reisner nur eine Bestätigung, welches Klima wirklich zwischen Land, Kasse und Kammer herrscht. „Aus diesen beiden Pressemeldungen lässt sich für mich jedenfalls genau ableiten, welches Spiel von offizieller Seite und welches Spiel im Hintergrund gespielt wird.“

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