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Gesundheitspolitik 29. August 2007

Ende der Spritz-Touren

Kaum ein größerer sportlicher Wettkampf, bei dem nicht Doping ein Thema ist. Wie koordiniert dagegen vorgegangen werden kann, beschäftigt Polizei, Sportfunktionäre und Ärzte.

Seit Juni wird bei Doping-Vergehen von Athleten, Vereinen oder Verbänden – unabhängig von Sportverbänden – die nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) eingeschaltet. Die NADA gehört zu 51 Prozent dem Bund und zu 49 Prozent den Ländern, ihre Arbeit wird von einer Rechts-, Medizin- und Ethik-Kommission unterstützt.

Vom Wettkampf ausgeschlossen

Sportlern droht bei Vergehen keine strafrechtliche Verurteilung, sondern eine Sperre, im Wiederholungsfall auch lebenslang. Was die Teilnahme an Olympischen Spielen betrifft, so sperrt das Österreichische Olympische Comité ÖOC die Athleten bereits nach der ersten Verurteilung auf Lebenszeit. Personen, die Dopingmittel in Umlauf bringen oder organisieren, werden über das Arzneimittelgesetz strafrechtlich verfolgt.
Gleichzeitig ratifizierte Österreich die internationale UNESCO-Konvention gegen Doping im Sport. Mit dieser soll die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen den Drogenmissbrauch zur Leistungssteigerung intensiviert werden, um einheitliche Standards zu schaffen. Zudem wurde die staatliche Unterstützung der Anti-Dopingmaßnahmen von 500.000 auf 900.000 Euro aufgestockt.
Aus der Sicht der Ärzteschaft begrüßenswerte Maßnahmen. „Die Doping-Problematik wurde in Österreich viel zu lange ignoriert. Wären in der medizinischen Kommission des ÖOC Repräsentanten der österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin vertreten, hätte man schon viel früher und besser mit den Problemen umgehen können“, so Ärztekammerpräsident Dr. Walter Dorner. Er fordert, dass künftig in allen heimischen Sportverbänden Sportmediziner zu Anti-Doping-Beauftragten bestellt werden: „So kann sichergestellt werden, dass alle Maßnahmen getroffen werden, um Doping weitestgehend zu verhindern und Fehler im Bereich der medizinischen Betreuung zu vermeiden.“
Mit einer Novelle des Anti-Doping-Gesetzes wird die Regelung entschärft, nach der bei der Verabreichung von Medikamenten Ärzte aktiv nachfragen hätten müssen, ob die betreffende Person im Spitzensport tätig ist. Die Informationspflicht liegt nun viel stärker beim Patienten. Festgelegt wird in dieser Novelle zudem eine gut umsetzbare Vorgangsweise bei Ausnahmegenehmigungen, wenn nämlich ein Medikament der Dopingliste aus medizinischen Gründen angezeigt ist.
Für Dr. Arthur Wechselberger, der für das Thema Doping in der Österreichischen Ärztekammer zuständig ist, ist nach wie vor problematisch, dass „bei einer normalen medizinischen Behandlung von Sportlern der Arzt quasi mit dem halben Fuß im Kriminal steht, weil etwa in Nasentropfen oder Blutdruckmitteln Substanzen enthalten sind, die auch zum Doping eingesetzt werden können.“

Klare Spielregeln

Wechselberger erinnert daran, dass Ärzte ohnehin dazu verpflichtet sind, grundsätzlich vor den Gefahren von Doping zu warnen und auch ganz klare Spielregeln für die Medikamentation haben. Er fordert auch eine „kräftige Durchfors­tung der Verbotslisten“. Wechselberger wünscht sich überdies Beiträge zu einem verstärkten öffentlichen Bewusstsein zu Doping: „Im Spitzensport sind die Erwartungen und der Druck von Trainern, Sponsoren und vom Publikum sehr groß.“ Sportler bräuchten Unterstützung, um hier nicht zu illegalen Hilfsmitteln zu greifen – hier würden sicher Ärzte eine zentrale Rolle spielen.

 Fakten

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