zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 29. August 2007

Statistisch ungesund

Vor allem chronische Beschwerden, Bluthochdruck, Allergien und Adipositas sind im Vormarsch, so das Fazit der österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/2007. Positiv zu bewerten ist, dass die Lebenserwartung steigt, wobei immer mehr Lebensjahre gesund verbracht werden.

 Grafik

Im Rahmen der Gesundheitsbefragung 2006/2007 wurden von der Statistik Austria, im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend, 15.000 Personen ab dem 15. Lebensjahr (hochgerechnet 6,9 Millionen) zu ihrem Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten interviewt. Rund 75,5 Prozent der Österreicher bewerten ihren eigenen Gesundheitszustand mit „sehr gut“ oder mit „gut“, immerhin um 4,3 Prozent mehr als im Jahr 1991. Nur jeder Vierte (24,5 Prozent) schätzt seinen allgemeinen Gesundheitszustand nicht so gut ein, wobei Frauen generell etwas pessimistischer sind.
„In den letzten Jahrzehnten ist die Lebenserwartung in einem beachtlichen Tempo gestiegen“, berichtet Prof. Dr. Peter Hackl, Fachstatistischer Generaldirektor, Statistik Austria. Im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre lag der jährliche Zugewinn bei 0,25 Jahren für Frauen und 0,32 Jahren für Männer. Das ergibt in Summe für Frauen ein Plus von 3,7 auf 82,7 Jahre und für Männer ein Plus von 4,8 auf 77,1 Jahre. Positiv bewertet Hackl die Zahl der in guter Gesundheit verbrachten Lebenszeit: „Diese stieg um 6,3 auf 63,2 Jahre bei den Frauen und um 6,1 auf 61,8 Jahre bei Männern.“

Trotzdem immer kränker

„Die größten Gesundheitsprobleme in Österreich bereiten chronische Erkrankungen, vor allem Wirbelsäulenbeschwerden mit 2,3 Millionen Betroffenen“, so Hackl. Letztere sind auch die häufigste Ursache von Schmerzen: 1,5 Millionen Menschen hatten in den letzten zwölf Monaten erhebliche und eine Million akute Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule.
An zweiter Stelle steht der Bluthochdruck, an dem jeder fünfte Österreicher (rund 1,1 Millionen) leidet. Ebenso viele sind von Asthma einschließlich allergischem Asthma, Gelenkserkrankungen oder Migräne bzw. Kopfschmerz betroffen. 390.000 Personen sind Diabetiker, 380.000 leiden den eigenen Angaben zufolge an Osteoporose. „In allen Teilstatistiken schneiden Frauen weit schlechter ab als Männer. Dies ist unter anderem auf das Mehr an Arbeitszeit, auch im Haushalt, zurückzuführen“, analysiert Dr. Gabriela Petrovic, Kaufmännische Generaldirektorin, Statistik Austria. „Zwei Drittel der Männer und drei Viertel der Frauen sind sportlich inaktiv“, schildert Mag. Jeannette Klimont, Statistik Austria. Der Anteil der stark übergewichtigen Personen ist seit 1999 um vier Prozentpunkte bei beiden Geschlechtern gestiegen. Aktuell sind zwölf Prozent der Männer (400.000) und 13 Prozent der Frauen (460.000) adipös, mit einem BMI von über 30.
In Österreich rauchen 1,6 Millionen Menschen täglich, wobei der Anteil der Männer (27,5 Prozent) immer noch deutlich höher ist als jener der Frauen (19,4 Prozent). Allerdings hat sich der Anteil der Raucherinnen seit dem Jahr 1972 verdoppelt, während er bei Männern um 29 Prozent zurückging.

Zu viele Raucher für ein Verbot

„Im EU-Vergleich liegt Österreich beim Verhältnis Raucher zu Nichtraucher mit 50 zu 50 an vorletzter Stelle“, so Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky. Ein grundsätzliches Rauchverbot sei bei diesem Verhältnis nicht durchführbar, außerdem fehlen die Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten. Kdolsky verspricht mehr Präventions- und Nichtraucherschutzprojekte. Ein erster Schritt sei die Novelle des Tabakgesetzes, die derzeit erarbeitet werde.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben