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Gesundheitspolitik 18. Oktober 2007

Offenheit im Kopf und Offenheit im Herzen

Junge Fachärzte aus allen Teilen der Welt erhalten nun auch in den Wiener Spitälern die Möglichkeit, sich den State of the Art der Medizin anzueignen. Ziel des Open Medical Institute (OMI) ist die Etablierung eines globalen medizinischen Netzwerks, das zur Verbreitung der Wiener Medizinischen Schule beitragen soll.

Sie kommen aus Usbekistan, Russland, Armenien, Albanien, Kasachstan oder der Mongolei. Sie kommen zum überwiegenden Teil aus dem Osten, um hier westliche Medizin kennenzulernen. Junge Fachärztinnen und Fachärzte, die in Österreich über den aktuellen Stand der Wissenschaft, über die modernsten Behandlungstechniken sowie über die Funktionsweise komplexer Großkliniken und des österreichischen Gesundheitssystems etwas lernen wollen.
Seit 1993 haben mehr als 8.700 junge Mediziner die Chance genutzt, in Salzburg und im Wiener AKH im Rahmen des Open Medical Institute ihr Wissen zu erweitern. Nun beteiligt sich auch der Wiener Krankenanstaltenverbund am Programm: „Going international, lautet unsere Devise“, erzählte der Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) Dr. Wilhelm Marhold bei der Gründungssitzung der Wiener Initiative Open Medical Institute-Vienna am 27. September. „Wir dehnen nun das System der Fellowships auf alle Spitäler des KAV aus und schaffen so eine Struktur, um eine globales medizinisches Netzwerk zu etablieren“. Jährlich sollen in Zukunft bis zu 200 Fachärzte die Möglichkeit erhalten, in den Krankenhäusern des KAV das Postgraduate-Fortbildungsprogramm im Rahmen eines einmonatigen Studienaufenthalts zu absolvieren.
Die Initiative wird in enger Partnerschaft zwischen der American Austrian Foundation (AFF), dem KAV, der Gesellschaft der Ärzte in Wien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und in Kooperation mit der MedUni Wien und der Vienna School of Clinical Research durchgeführt.

Wiener Mediziner als Mentoren

Wiener Spitzenmediziner fungieren als Mentoren. Die ausländischen „Fellows“ (sie sollen der englischen Sprache mächtig sein) werden einer Abteilung ihres Fachgebiets zugeteilt.
Der Ablauf des Internships folgt einem Lehrplan. Bei der Spitalshospitation können die auch „Interns“ genannten „Fellows“ an den Visiten, an klinischen Konferenzen und Falldemonstrationen teilnehmen, und sie beobachten den Einsatz medizinisch-technischer Geräte. Auch ist vorgesehen, dass sie zumindest einen Patienten begleiten, damit sie am Ende des Internships eine ausführliche Case Study erstellen und präsentieren können.

Ein Netzwerk entsteht

Zudem haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich im Medical Club mit anderen Interns und österreichischen Kollegen auszutauschen. Gastgeber und Gäste befruchten sich so gegenseitig und „es entsteht ein Netzwerk, das uns allen hilft“, freute sich der Leiter der Urologie am Wiener AKH, Prof. Dr. Michael Marberger. Und AKH-Chirurg Prof. Dr. Walter Klepetko betonte: „Wir haben selbst enorm viel davon: Stimulation und Interaktion und die Chance, die Gegebenheiten anderer Länder kennenzulernen.“
„Ich spüre eine Dynamik“, freute sich bei der Gründungsveranstaltung Prof. Dr. Wolfgang Aulitzky, Präsident des OMI. Denn Braindrain, der Verlust an Wissen durch die Abwanderung von Spitzenmedizinern ins Ausland, fände täglich statt und führe in manchen Bereichen zur sprichwörtlichen Wüste. 28 Prozent der in den Vereinigten Staaten tätigen Ärzte sind im Ausland ausgebildet worden. Vor allem russische Ärzte wandern in großer Zahl in die USA aus. „Das soll gestoppt werden“, betonte Aulitzky, „Ärzte sollen sich Know-how holen können, ohne ihr Land oder sogar ihren Kontinent verlassen zu müssen. Und ‚hungrig’ geworden, sollen sie daheim das Gesundheitssystem ihres Landes reformieren.“
Die Erfahrung von Dr. Peter Krcho zeugt vom Erfolg des Modells. Er ging nach der Postgraduate-Ausbildung in Österreich zurück nach Košice in der Slowakei und stieg zum Leiter der dortigen Klinik für Neonatologie auf. Er schreibt in einer Botschaft: „Dieses Fortbildungsprogramm hat nicht nur mein Leben verändert, sondern es hat auch die Leben von vielen unserer Neugeborenen gerettet, die sonst keine Chance auf Überleben gehabt hätten.“

Inge Smolek, Ärzte Woche 42/2007

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