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Gesundheitspolitik 28. Juni 2007

Zweite Klasse

Er ist Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Epidemiologie der Uni Köln und lehrt an der Harvard School of Public Health. In seinem neuen Buch zeichnet Prof. Karl Lauterbach ein provokantes Bild des deutschen Gesundheitswesens, das in manchen Details durchaus an das österreichische erinnert.

Die medizinische Versorgung ist eines der Themen, das der deutsche Gesundheitsökonom Prof. Karl Lauterbach in seinem neuen Buch Der Zweiklassenstaat ausleuchtet. Lauterbach, der lange Zeit in Amerika gelebt hat und als SPD-Bundestagsabgeordneter Mitglied der Rürup-Kommission war, kennt als Sachverständiger das Gesundheitssystem in- und auswendig.Und geht damit hart ins Gericht. Als wichtigste Ressource der modernen Medizin nennt Lauterbach den Rat von Universitätsprofessoren oder ähnlich qualifizierten Fachleuten. Doch „die Experten behandeln vornehmlich oder sogar ausschließlich Privatpatienten“. (In Deutschland besteht bekanntlich im Unterschied zu Österreich Versicherungspflicht und nicht eine Pflichtversicherung. Die Versicherung – ob privat oder staatlich – ist also frei wählbar.) Warum sie das tun, hat einen einfachen Grund: Nach Jahren der Ausbildung und des größten Fleißes werden auch die Spezialisten bei überragender Leistung an den Krankenhäusern durchschnittlich entlohnt. Nicht nur für den Gesundheitsökonomen ist es nicht nachvollziehbar, „weshalb drittklassige Manager, die den Börsenwert ihrer Firma halbieren, Höchstgehälter kassieren, während voll austrainierte Spezialisten mäßig bezahlt werden“. Da sie irgendwann mal gut verdienen wollen, müssen sie sich auf privat Versicherte konzentrieren, so Lauterbach. Der Gesundheitsversorgung tue das gar nicht gut. Denn umgekehrt, so die Recherche des Ökonomen, würden Kassenpatienten sehr oft unnötig stationär aufgenommen, unter anderem, um nach zuweilen langer Odyssee endlich zu einer Diagnose zu kommen.

Karl Lauterbach: Der Zweiklassenstaat. 220 Seiten, Rowohlt Verlag, ISBN 978-3-87134579

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 26/2007

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