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Gesundheitspolitik 22. November 2007

Behandlung im Minutentakt

Zeit ist Geld. Diese einfache Formel gilt nicht mehr nur im Geschäftsleben. Denn auch von Verantwortlichen im Gesundheitswesen sind immer öfter Begriffe wie „Rationalisierung“, „Prozessoptimierung“ und „Effizienzsteigerung“ zu hören. Der Springer Verlag WienNewYork bat am Dienstag voriger Woche zu einer Podiumsdiskussion anlässlich des Erscheinens jenes Buches, das aufzeigt, wie weit die Medizin vom Fließband schon gediehen ist.

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Kommt sie erst, oder ist sie schon da? Einen gespannten Blick auf die Industrialisierung im Gesundheitswesen warfen Journalist Martin Rümmele, Allgemeinmedizinerin Dr. Susanne Rabady, CR Elisabeth Tschachler-Roth, WGKK-Obmann Franz Bittner, Diplomkrankenschwester Josefa Günthör und Gerhard Flenreiss, Geschäftsführer von MediCare.

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Neue Lösungsansätze diskutieren wollen Martin Rümmele und Gerhard Flenreiss mit ihrem Buch.

Fotos: Ärzte Woche

• Mit fast 60 Prozent ist das Stress­potenzial die Hauptursache von Zwischenfällen und Gesundheitsrisiken im Operationssaal.
• Patienten werden zunehmend zu Objekten, die behandelt und schnell entlassen werden müssen, um möglichst geringe Kosten zu verursachen.
• Die Betriebswirtschaft ist in vielen Krankenhäusern schon wichtiger als die Medizin.
Das sind nur einige Zitate aus dem Buch Medizin vom Fließband von Gerhard Flenreiss und Martin Rümmele, das vergangene Woche im Rahmen einer Podiumsdiskussion im altehrwürdigen Jugendstilhörsaal der Medizinischen Universität Wien vorgestellt wurde.
„Menschen, die anderen helfen wollen, kommen in ein System, das sie schon fast missachtend ausbeutet“, umriss der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner, den durch Personaleinsparung und wachsende Arbeitsbelastung hervorgerufenen Missstand. Denn bei den Veränderungen, die derzeit im Gesundheitssektor im Gange sind, bleiben die Auswirkungen auf das Personal und auf die Patienten nur allzu oft unberücksichtigt. „Es ist auch Aufgabe jedes einzelnen Beschäftigten im Gesundheitswesen, rechtzeitig auf eine Überlastung aufmerksam zu machen“, betonte Josefa Günthör, Stationsschwester der Allgemeinen Intensivstation an der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien. Wenngleich sie darauf verwies, dass Führungskräfte besonders gefordert seien, dem Druck entgegenzuwirken.
Dass nicht alle Entwicklungen beklagenswert sind, strich die niederösterreichische Allgemeinmedizinerin Dr. Susanne Rabady hervor: Nach dem Euro Health Consumer Index ermöglichte es eine Kombination aus gutem Zugang und hervorragenden Heilerfolgen Österreich, die Niederlande vom ersten Rang zu verdrängen. Freilich sei, so Rabady, die Beziehung zwischen Arzt und Patient dabei von nicht zu unterschätzender Bedeutung, und „die Zeit für Dokumentation muss ich mir irgendwo stehlen“. Der rege Meinungsaustausch mit Vertretern des Gesundheitswesens im Publikum ging bis in den späten Abend.

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 47/2007

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