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Gesundheitspolitik 6. Dezember 2007

Kommentar von Dr. Wilhelm H. Appel

Die Einkommenssituation am AKH Wien ist alles andere als bestens. Als Spielball zwischen Stadt und Bund sind die Ärzte den Gewalten ausgeliefert.

Von Dr. Wilhelm H. Appel
Referatsleiter Privatversicherungen und Belegspitäler, Ärztekammer für Wien

Letzte Woche wurde die Gagendiskussion um die Ärzte im AKH Wien neu entfacht. Anlass war die kolportierte Privathonorarsumme von 600.000 Euro eines wegen einer „Watschenaffaire“ in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gelangten Klinikvorstands. Des Interesses der breiten Öffentlichkeit sicher, wurde diese Gelegenheit von Politikern allen Couleurs dazu missbraucht, ihre Meinung kund zu tun und ihre fehlende Sachkenntnis zur Schau zu stellen. Die Neidgesellschaft war aufmunitioniert durch fehlerhafte Medienberichte. Die Situation verschärfte sich zusätzlich durch die Absicht der Stadt Wien, auf die Sonderklassenhonorare der Klinikärzte zuzugreifen.
Die Realität schaut anders aus. Nur acht Prozent der ca. 73.000 Sonderklassefälle in Wien wurden 2006 an den Wiener Universitätskliniken behandelt. Diese 6.000 Privatpatienten verbrachten über 52.000 Tage im AKH. Damit lukrierte die Stadt Wien als Spitalserhalter an die zehn Millionen Euro aus der Hotelleistung. Hinzu kommen weitere 26 Millionen aus den Gemeindespitälern. Für eine Stadt, in der es angeblich keine Zwei-Klassen-Medizin gibt, ein schönes Zubrot. Nicht zu vergessen sind die Einnahmen aus dem „Infrastrukturbeitrag“ in den Landesspitälern von über fünf Millionen Euro. Damit nicht genug, beabsichtigt die Stadträtin auch an der Universitätsklinik einen Infrastrukturbeitrag einzuverlangen. Auf Basis der Zahlen fast zwei Millionen Euro. In Summe betrachtet, könnten die Erträge aus der Sonderklasse für die Stadt Wien im Jahre 2008 bis zu 50 Millionen Euro betragen.
Geflissentlich wird dabei darüber hinweggesehen, dass keine einzige Wienerin oder kein Wiener wegen des Hotelkomforts in ein Gemeindespital geht. So wählen zum Beispiel jene Zusatzversicherten, die sich ins Lainzer KH – pardon, ins Krankenhaus Hietzing – legen, dieses sicher nicht wegen der Zimmerausstattung, sondern weil sie die Hilfe bei einem der hervorragenden, dort tätigen Ärzte suchen. Auch der Standard der Sonderklassenzimmer im Allgemeinen Krankenhaus hält schon lange nicht mehr, was die Zusatzversicherungen ihrer Klientel versprechen. Mittlerweile in die Jahre gekommen, teilen sich dort zwei Zweibettzimmer einen Nassraum. Eigene Fernseher für jeden Patienten, wie in privaten Belegspitälern längst üblich, sucht man vergeblich. Es sind ihre Ärzte, denen die Stadt ihre Sonderklassenmittel verdankt, und nicht die Ausstattung der Krankenhäuser.
Wenn nun seitens der Stadt mit sanftem Druck ein Infrastrukturbeitrag von den Uni-Ärzten verlangt wird, werden deren Arbeitsbedingungen und Leistungen buchstäblich ignoriert. Als Spielball zwischen Stadt und Bund sind sie den Gewalten ausgeliefert. Mit Einrichtung der MedUni Wien hat der Bund verabsäumt, für die notwendige finanzielle Ausstattung zu sorgen. Personal-Einsparpläne waren die Folge. Bei ständig wachsenden Anforderungen ein schier unlösbares Problem. Einschnitte in die Verdienstsituation würden zu einer weiteren Verschärfung führen. Schon jetzt sind die Gehälter nicht üppig. Die Jahresbruttogehälter bewegen sich je nach Ausbildungstand zwischen 36.130 und 57.207 Euro. Hinzu kommen – je nach geleisteten Diensten – z. B. vier Nachtdienste und ein Wochenende in zehn Monaten 21.000 Euro. Netto bleiben den Klinikärzten zwischen 2.400 und 3.600 Euro im Monat. Die viel gelobte „Marmelade“ – die Sonderklassengelder – macht sicher nicht fett.
Insgesamt gelangten 2006 im AKH 16 Millionen Euro an Privathonaren zur Ausschüttung. Unter der Annahme einer Fifty-fifty-Teilung verblieben dem Mittelbau acht Millionen, die es unter ca. 1.400 Empfängern zu verteilen galt. Also knapp 570 Euro pro Kopf und Monat. Vor Steuern, versteht sich. Und in Zukunft vielleicht auch noch vor Abzug des „Infrastrukturbeitrages“. Insgesamt 1,8 Millionen Euro für die Stadtkasse, die sicher nicht reich machen, aber die Ärzteschaft hart treffen. Die Institutsvorstände wiederum liegen bei Jahresbezügen von 70.000 bis 100.000 Euro. Nacht- und Wochenenddienstentgelte fallen keine an. Im Durchschnitt verdoppelt sich das Salär durch die Sonderklassengelder. Obwohl es einige wenige „goldene“ Schafe gibt, schaut die Realität für die meisten bei weitem nicht so rosig aus. In Wirklichkeit bewegen sich nach vorsichtigen Schätzungen die Bruttoeinkommen im Durchschnitt wohl eher bei 130.000 Euro. Nicht viel für einen Klinikvorstand am größten Krankenhaus Europas.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 49/2007

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