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Gesundheitspolitik 31. Mai 2007

Konzeption im Alleingang

Gerade in der Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten gibt es einige Mankos. Das neue Projekt des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Linz will Abhilfe schaffen. Doch vor allem niedergelassene Internisten und Allgemeinmediziner sind mit dem „Kardiomobil“ nicht restlos glücklich. Nicht nur, dass sie sich bei der Konzeption übergangen fühlen, besteht auch die Sorge, dass neuerlich finanzielle Mittel in den Ambulanzbereich fließen.

 Kardiomobil Team
Das Team des Kardiomobils: FA-Ass. Dr. Andreas Winter, OA Dr. Kurt Höllinger, DGKS Elisabeth Kastner, Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek, DGKS Elfriede Hofbauer (v. l. n. r.).

Foto: Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Linz

„Es ist keine Frage: Bei der Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten gibt es in vieler Hinsicht Lücken und Probleme“, analysiert Dr. Herbert Hackl, Fachgruppensprecher der Internisten in Ober­österreich. Probleme verursacht immer wieder die Gestaltung der Medikation, vor allem in den ersten sechs Monaten nach der primären Behandlung. Viele Patienten sind zudem überhaupt nicht adäquat versorgt.

Spitalstage verringern

Nun wird in Linz vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern ein neues Projekt gestartet: Mit einem „Kardiomobil“ soll diese Situation verbessert sowie die Rate und Dauer der Spitalsaufnahmen gesenkt werden – „denn 70 Prozent der Kosten bei der Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz fließen momentan in den stationären Bereich“, erklärt Dr. Kurt Höllinger, Leiter der Herzinsuffizienz-Ambulanz am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern. Diplomiertes Pflegepersonal dieser Ambulanz sucht Patienten zuhause auf, kontrolliert Werte wie den Blutdruck und berät bei der Medikation bzw. allen Fragen im Zusammenhang mit dem Umgang mit den Symptomen und der Gestaltung des Lebensstils. „Basis ist eine ausführliche Einzelschulung vor der Entlassung. Weiters gibt es regelmäßige Gruppenschulungen, bei denen auch u.a. Diätologen und Physiotherapeuten eingebunden sind“, berichtet Höllinger.
Aus der Sicht von Hackl sind solche Projekte grundsätzlich begrüßenswert. „Aber die niedergelassenen Ärzte wurden in die Konzeption zu wenig einbezogen bzw. entstand bei vielen Kollegen das Gefühl, sie würden in diesem Projekt keine Rolle spielen.“ Zudem bestünde die Gefahr, dass weitere finanzielle Mittel in den Ambulanzbereich statt in die niedergelassene und damit dezentrale und lebensbegleitende Betreuung fließen. „Sowohl wir Fachärzte als auch die Allgemeinmediziner sind sehr interessiert, solche Vorhaben mitzutragen, wollen aber nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, merkt Hackl an.Höllinger kann diese Kritik nur bedingt verstehen: „Die betreuende Krankenschwester erstellt bei jedem Besuch ein Kardiomobil-Protokoll mit allen Werten und Wahrnehmungen – damit wird der Patient zum niedergelassenen Arzt geschickt.“ Damit sei sicher gestellt, dass der Arzt den Patienten vor allem in der kritischen ersten Zeit nach der Spitalsentlassung regelmäßig sieht.

Direkter Kontakt

„Wenn die Patienten nicht mobil sind, gibt es auch die Möglichkeit, dass die Ärzte direkt mit dem Team des Kardiomobils Kontakt aufnehmen, um sich weitere Informationen zu holen und die nötige Frequenz der Hausbesuche zu reduzieren“, so Höllinger. Durch die Konstruktion der gedeckelten Spitalsfinanzierung könnten keinen weiteren Gelder in den Ambulanzbereich fließen, geht Höllinger auf Hackls Kritik ein.
Als positives Beispiel für eine gute Kooperation zwischen Spital und Niedergelassenen verweist Hackl auf ein geplantes Projekt am AKH Linz zur besseren Versorgung von Herzinsuffizienz – auch hier steht die nachgehende mobile Betreuung im Vordergrund. Dazu Dr. Kurt Fihorsch, Oberarzt an der dortigen kardiologischen Ambulanz: „Das Projekt soll ab Herbst starten, aber wir haben jetzt schon den intensiven Kontakt mit den niedergelassenen Ärzten gesucht, die ja bei der Versorgung eine ganz zentrale Rolle spielen.“

Fortbildung geplant

Ein wesentliches Ziel des Projektes ist, dass Haus- und internistische Fachärzte Aufgaben der Ambulanzen übernehmen, um so eine regelmäßigere, niederschwelligere und auch kostengünstigere Betreuung sicher zu stellen. „Wir werden auch Fortbildungen für die niedergelassenen Ärzte anbieten und natürlich ebenso viel in die Einzel- und Gruppenschulung der Patienten investieren.“
Hackl wünscht sich bei der Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz ein ähnliches Vorgehen wie bei der Diabetesbetreuung: „Es geht um eine integrierte Vorgangsweise, bei der sowohl die Schulung und entsprechende Honorierung der Ärzte, die Schulung der Patienten als auch die nachgehende Betreuung wichtige Rollen spielen.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 22/2007

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