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Gesundheitspolitik 14. Juni 2007

Positiver Impuls für Turnusärzteausbildung

Umgesetzt werden viele Forderungen: Klare Ansprechpartner für Turnusärzte, ein Profil der Tätigkeit, institutionalisierte Fortbildung sowie Möglichkeit zum Feedback.

 Turnusarzt
Im Linzer Projekt kümmert sich ein Ausbildungs-Assistent um die Turnusärzte.

Foto: AKH Linz

Bei den laufenden Evaluierungen der Ausbildungsstätten für Turnus­ärzte traten die schon lange kritisierten Rahmenbedingungen zu Tage. Ein wesentlicher Punkt: Es fehlt eine strukturierte Einführung der Turnusärzte, nach wie vor wird diese Aufgabe teils dem Pflegepersonal überlassen. Und es fehlt ein klarer Ansprechpartner für den Turnusarzt, der sich auch um die Fortbildung kümmert.
In einem Projekt am AKH Linz wurde die Ausbildungsverantwortung nun geregelt: Zuständig ist der jeweilige Primar beziehungsweise der von ihm beauftragte Ausbildungs-Assistent. Als solcher fungiert ausschließlich ein Facharzt. Zusätzlich ist geplant, einen Turnusärzte-Koordinator für die Qualitätskontrolle der Ausbildung einzusetzen. Weiters wird es jeweils für ein Jahr auch aus den Reihen der Turnusärzte einen Verantwortlichen für „Estragon“, so der Name des Projekts, geben.
Bei den Visitationen bemängelt wird auch immer wieder, dass es trotz von der Ärztekammer erarbeiteter Definitionen kein eindeutiges Profil für die Tätigkeit der Turnusärzte gibt. Im AKH wurde ein solches Tätigkeitsprofil für jede Abteilung erstellt.

Eigene Patienten

„Eine Rotation garantiert, dass die Turnusärzte auch in den verschiedenen Spezialambulanzen beziehungsweise im OP zum Einsatz kommen“, erklärt Dr. Clemens Steinwender, Arzt an der Kardiologie des AKH. Er ist für diese Abteilung auch der Turnusärzte-Ausbildungsassistent. „Ein zentraler Punkt des Tätigkeitsprofils für die Turnusärzte ist die Betreuung eigener Patienten – von der Aufnahme bis zur Entlassung – unter Anleitung eines Supervisors.“ Zuständig sind dafür Stations-, Assistenz- oder Oberärzte mit langjähriger Erfahrung. Sie begleiten die Auszubildenden in zentralen Bereichen wie Aufnahme, Anamnese, Planung des Aufenthaltes, Mitwirkung bei der Visite, Anordnung bestimmter Tests und Untersuchungen, Besprechung von Labor- und Röntgenbefunden, Durchführung abteilungsspezifischer Eingriffe, Erstellung des Arztbriefes und Entlassung usw.
Weiters werden – aufbauend auf bisherigen positiven Erfahrungen – nun wöchentlich Fortbildungsveranstaltungen angeboten, deren Besuch wird in einem Ausbildungspass dokumentiert.
Ein spannender Aspekt des Projekts ist, dass jeder Turnusarzt vor einem Wechsel in eine andere Abteilung eine Art Abschlussbericht erstellt. „In diesem wird bewertet, wie die Einschulung, die laufende Ausbildung sowie die Fortbildung erlebt wurde bzw. welche Probleme oder positiven Aspekte aufgetreten sind“, ergänzt Steinwender. Festgehalten wird dabei ebenso, wie viel Zeit für die Ausbildung, für ärztliche patientennahe und -ferne Tätigkeiten oder administrative Arbeiten aufgewendet wurde oder welche Möglichkeiten es für Feedback durch die Ärzte-Stammmannschaft gab.

Leitfaden mit Details

Für jede Abteilung wurde ein Leitfaden für die Begleitung der Turnusärzte erarbeitet. Dieser wird auch als Vorinformation bei der Rotation eingesetzt und enthält alle wichtigen Details über die Abläufe auf der Station und in der Ambulanz. Außerdem sind die leitenden Ansprechpartner aus Medizin und Pflege angeführt. Zudem finden sich im Leitfaden Informationen zu den häufigsten Krankheitsbildern auf der jeweiligen Station.
Für Estragon wurde im Intranet ein eigener Bereich geschaffen, der alle relevanten Informationen, Leitfäden, Tätigkeitsprofile und den Ausbildungspass enthält.
Als „positiv und unterstützenswert“ bewertet auch Oberösterreichs Ärztekammerpräsident Dr. Peter Niedermoser das neue Konzept: „Es ist eine wichtige Initiative zur Qualitätsverbesserung der Turnusausbildung. Ich begrüße solche Initiativen, die nicht nur für die Ausbildung unserer Ärzte von großer Bedeutung sind, sondern auch für eine qualitativ hohe medizinische Versorgung und für die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 24/2007

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