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Gesundheitspolitik 5. Juli 2007

Koordinierte Vorgangsweise

Eine Zwischenbilanz der nieder­österreichischen „Agentur für Gesundheitsvorsorge“ zeigt noch einigen Handlungsbedarf auf. Zudem fehlen nach wie vor konkrete epidemiologische Zahlen.

In Niederösterreich wurde vor einem Jahr eine „Agentur für Gesundheitsvorsorge“ als Stabsstelle des niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds gegründet. „Unsere erste Aufgabe war es, alle Angebote, die unter dem weiten Themenfeld Prävention und Gesundheitsförderung in Niederösterreich laufen, zu dokumentieren und eine Evaluation zu beginnen“, berichtet Prim. Dr. Johannes Püspök, der neben seiner Tätigkeit als ärztlicher Leiter des Moorheilbades Harbach auch der neuen Agentur vorsteht. „Nicht alles, wo ‚Prävention’ als Überschrift darüber steht, ist automatisch gut und sinnvoll“, meint Püspök.
Weiters wurde damit begonnen, diese Angebote neu zu strukturieren bzw. auch besser auf die eigentliche Ziele auszurichten. Ein stärkerer Fokus wird auf zentrale Lebensstilthemen wie Ernährung, Bewegung und mentale Gesundheit gelegt werden. Eine wichtige Zielsetzung der Arbeit der Agentur ist, die Vorsorgeunter­suchung stärker bekannt zu machen bzw. deren Inanspruchnahme deutlich zu erhöhen. Koordiniert unterstützt sollen auch die Aktivitäten der Gesunden Gemeinden werden bzw. möglichst alle Gemeinden aktiviert werden, dazu Akzente zu setzen.

Die Zahl der Diabetiker kann nur hochgerechnet werden

Parallel wurde an konkreten Zielen für die Gesundheitsförderung für das Land Niederösterreich gearbeitet. „Ein großes Problem dabei ist, dass in vielen Fällen konkrete Zahlen fehlen“, bedauert Püspök. So kann etwa die Zahl der Diabetiker nur hochgerechnet werden. Denn alleine die von der Kasse dokumentierte Größenordnung der verschriebenen Medikamente reicht noch nicht aus. „Schwierig wird es auch bei der Prüfung der Veränderung der Mortalität bei verschiedenen Krankheiten wie etwa durch Myokardinfarkte: Denn die Frage ist: Was wird als Todesursache letztendlich dokumentiert und wie werden diese Daten dann erfasst?“, so Püspök weiter. Es sei also schwierig festzustellen, welche Maßnahme bei Prävention und Gesundheitsförderung welchen Effekt hat – damit wäre auch die noch bessere Ausrichtung der Projekte immer wieder ein Problem.
Ein wichtiges Ziel der weiteren Arbeit ist also die verbesserte Gesundheitsberichterstattung. Dabei könne auf die bereits gut etablierte Zusammenarbeit und Vernetzung von Gebietskrankenkasse und NÖGUS aufgebaut werden. „Schwierig ist etwa auch, dass von niedergelassenen Ärzten erfasste Diagnosen per EDV nicht verarbeitbar sind.“ Püspök verweist dazu auf die laufenden Projekte zur Implementierung von Kodierungsverfahren nach dem Muster ICD10 im niedergelassenen Bereich. „Ich weiß, viele niedergelassene Ärzte fürchten, dass ein großer administrativer Aufwand auf sie zukommt. Aber im Zeitalter der EDV bedeutet es letztlich nur eine einmalige Implementierung bei der Diagnose mit entsprechenden Kodierungen – ab dann läuft dies ohnehin automatisch.“ Auch aus der Perspektive der Qualitätssicherung würde Püspök einen solchen Schritt für sinnvoll halten.
Einen Qualitätsschub für Projekte in den weiten Bereichen der Prävention und Gesundheitsförderung erhofft sich Püspök vom dazugehörigen Gesetz, das im Programm der schwarz-roten Regierung bekanntlich angekündigt wurde. Hier würde es auch um wichtige Themenfelder wie die Erarbeitung einheitlicher Qualitätsnormen – auch in Hinblick auf das eingesetzte Personal und die Methoden bzw. das Setting – als auch die Dokumentation gehen.

Nationale Gesundheitsziele

Eine wichtige Rolle bei solchen Projekten würden niedergelassene Ärzte und insbesondere Allgemeinmediziner spielen. „Wir arbeiten auch an der Entwicklung von Programmen, die dann von diesen Ärzten auf eine einfache und effektive Art und Weise im Ordinationsalltag umgesetzt werden können.“
Vom neuen Gesundheitsförderungsgesetz erwartet sich Püspök auch die Entwicklung von nationalen Gesundheitszielen, die dann auf regionaler Ebene umgesetzt werden können. Dies würde auch zu einem effizienteren und zielgerichteteren Einsatz der begrenzten finanziellen Ressourcen beitragen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 27/2007

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