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Gesundheitspolitik 28. Juni 2007

Nicht unnötig Zeit verlieren

Case Manager unterstützen vor allem bei komplexen Fällen und begleiten auch auf sozialer Ebene, etwa wenn es um den Umgang mit Behörden geht.

44 Mitarbeiter der niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NöGkk) wurden im Vorjahr zu „Case Managern“ ausgebildet, die nun seit Juni in allen Regionen des Bundeslandes zum Einsatz kommen. Aufgebaut wird bei diesem Projekt auf die sehr positiven Erfahrungen aus Oberösterreich. „Wir waren als niedergelassene Ärzte von Anfang an bei der Entwicklung des Projekts mit einbezogen“, berichtet Dr. Johann Jäger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich. In Oberösterreich erfuhren die Ärzte vom ähnlichen Projekt „Netzwerk Hilfe“, das dort schon länger läuft, erst aus den Medien, auch wenn dieses später von den Ärzten als positiver Ansatz wahrgenommen wurde. Die Case Manager kommen vor allem bei schwierigeren Fällen zum Einsatz und unterstützen sowohl Betroffene – also etwa multimorbide Patienten – als auch deren Angehörige. Erster Anknüpfungspunkt kann etwa die Entlassung aus dem Spital oder der anstehende Aufenthalt im Pflegeheim sein oder auch der Beginn aufwendiger Behandlungen im niedergelassenen Bereich bzw. die Betreuung nach einem schweren Unfall.

Hilfreiche Organisation

Im Blickpunkt des Case Managements stehen dabei soziale Fragen genauso wie die Begleitung beim Umgang und Kontakt mit Behörden – beispielsweise wenn es um das Pflegegeld oder Hilfsmittel geht. Organisiert werden Kuraufenthalte, Kinderbetreuung oder die Vermittlung an Psychotherapeuten und Selbsthilfegruppen, ein weiteres wichtiges Themenfeld ist die Rehabilitation. Insgesamt soll die teils anzutreffende Praxis vermieden werden, dass bloß Kontaktadressen weitergegeben und der Patient seinem weiteren Schicksal überlassen wird, ganz nach dem Motto: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner. „Unser Gesundheits- und Sozialwesen ist ein komplexes und daher für den Einzelnen oft schwer überschaubares System. Case Management ermöglicht in vielen Fällen eine rasche und unbürokratische Hilfe“, ist sich Norbert Koppensteiner, Direktor der NöGkk, sicher. „Die Abläufe werden in allen Bereichen verbessert, alle Beteiligte vernetzt, Kooperationen werden gezielt gefördert und damit die Effektivität sowie Zielgenauigkeit der Versorgung und der Leistungen sichergestellt.“ Ein weiterer personeller Ausbau des Projekts ist geplant bzw. wurde bereits mit der Ausbildung weiterer acht Case Manager begonnen. „Besonders wichtig war uns bei diesem Betreuungsangebot, dass die Case Manager nicht am Hausarzt vorbei arbeiten“, betont Jäger. Im Projekt wurden aber gemeinsam Richtlinien festgelegt: So muss der Case Manager in jeden Fall auch den betreuenden Hausarzt verständigen sowie die Vorgangsweise mit ihm absprechen. „Das Projekt wird so gerade bei komplexeren Fällen eine deutliche Entlastung für niedergelassene Ärzte bringen“, erhofft sich Jäger. Denn die Ärzte wären ohnehin einen sehr starken und teils weiter zunehmenden bürokratischen und administrativen Druck ausgesetzt – der Umgang mit Behörden, die teils sehr intensive Beratung mit Patienten beim Ausfüllen von Anträgen fällt nun weg. „Das Case Management kann eine Verbesserung der Betreuung bringen – denn oft geht etwa vom Zeitpunkt der Spitalsentlassung bis zur Rehabilitation unnötig viel Zeit verloren“, so Jäger weiter. Oder es entstehen an anderen Schnittstellen Zeitverluste bzw. sind Patienten und deren Angehörige oft damit völlig überfordert, welche Maßnahmen primär wichtig sind.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 26/2007

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