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Gesundheitspolitik 13. September 2007

Kein Durchblick

Weil zwischen Krankenhaus Hallein und der Salzburger Gebietskrankenkasse keine Einigung möglich ist, wird es nun keine von niedergelassenen und Spitalsärzten betriebene radiologische Ordination geben.

 Röntgenbild
Wenig flexibel zeigte sich die Salzburger Gkk beim Projekt einer radiologischen Gruppenpraxis.

Foto: pixelio.de

Der niedergelassene Radiologe Dr. Wulfdieter Ortner erstellte und analysierte bis vor kurzem Röntgenbilder von jährlich über 10.000 Patienten im Salzburger Tennengau. Als Ortner seine Pension ankündigte, entwickelten die Salzburger Ärztekammer und das in unmittelbarer Nähe befindliche Krankenhaus Hallein ein Konzept für eine radiologische Gruppenpraxis, die gemeinsam von Ärzten aus dem Spital und niedergelassenen Radiologen betrieben hätte werden sollen.
„Das Projekt war dann so weit, dass unterschriftsreife Verträge vorlagen“, berichtet Dr. Walter Arnberger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte Salzburgs. Aus seiner Sicht in letzter Minute kam es dann zu einem Veto der Gebietskrankenkasse. Dazu Gerald Heitzenberger, kaufmännischer Direktor des Krankenhaus Hallein: „Das Projekt hätte in der Anfangsphase 120.000 Euro Mehrkosten im Jahr verursacht, davon hätten wir ein Drittel übernommen, ein Drittel das Land und ein Drittel die Gkk – dazu war diese dann aber plötzlich nicht bereit.“
Aus der Wahrnehmung von Harald Seiss, Direktor der Salzburger Gebietskrankenkasse, scheiterte das Projekt daran, „dass es nicht möglich war, alle relevanten Zahlen offen auf den Tisch zu legen, und dass es keine wirklich langfristige Zukunftsvision gab. Ebenso zu unklar waren die möglichen Vor- bzw. Nachteile einer solchen sicher interessanten Lösung.“ Zudem ging ihm ein noch intensiveres Engagement der Beteiligten ab.

Nullsummenspiel gewünscht

Vorwürfe, die sowohl Heitzenberger als auch Arnberger entschieden zurückweisen. Heizenberger verweist etwa „auf viele sehr langwierige und ausführliche Gespräche sowohl mit dem Land, der Ärztekammer und natürlich auch der Kasse. Diese bestand aber letztlich darauf, dass hier ein Nullsummenspiel erreichbar sein müsste, und war – auch nicht in Hinblick einer langfristigen Perspektive – nicht bereit, Kosten mitzutragen.“ Quasi erwartet wurde, dass hier das Spital noch mehr zum von der Kasse gewünschten Ziel beitrug.
Arnberger verweist zunächst darauf, dass radiologische Tätigkeiten an Spitälern so wie alle anderen Leistungen pauschal bezahlt werden. „Kalkulationsbasis dafür sind in Salzburg Werte aus dem Jahr 1995 – die Weiterentwicklung der medizinischen Fortschritte und damit nötige Investitionen mussten und müssen vom Spitalsträger finanziert werden.“ Dies sei einer der zentralen Gründe für die Überlegungen einer Gemeinschafts­praxis gewesen.

Argument der Mehrkosten

Die sehr starre Deckelung der Beiträge für die Spitalskosten ist ein zentraler Hemmschuh auch für andere Projekte bei der Auslagerung von Spitalsleistungen. Auch bei Projekten im gerne hoch gelobten Reformpool scheitern langfristigere Vorgangsweisen daran, dass immer wieder die Kassen damit argumentieren, für sie würde kein Vorteil entstehen, da die Leistungen für die Spitäler gleich bleiben und damit eine Auslagerung in jeden Fall Mehrkosten bedeutet. Nun wurde Ortners Stelle als radiologische Kassenstelle neu ausgeschrieben und ab 1. Oktober wird die Versorgung für den niedergelassen Bereich wieder geregelt sein. Arnberger ist hörbar über den Ausgang dieses Projektes enttäuscht: „Hier wurde eine große Chance sehr leichtfertig und nur auf Grund letztlich sehr niedriger Anlaufkosten verspielt.“ Mit der jetzigen Lösung würde es zwar theoretisch Optionen für weitere Diskussionen geben, aber dies könne auch noch Jahre dauern.
Eine ähnliche Ausgangssituation gibt es übrigens auch im Pinzgau – dort sind ebenfalls für einen noch kleineren Einzugsbereich eine niedergelassene radiologische Ordination neben einer entsprechenden Fachabteilung am Spital zu finden. Seiss kann sich jedenfalls durchaus vorstellen, dass dort das gelingt, was im Tennengau nicht möglich war.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 37/2007

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