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Gesundheitspolitik 13. September 2007

Arzthelferinnen: viele Fragezeichen

Für Arzthelferinnen geht es nicht nur um die Frage des Mindestlohns – nach wie vor gibt es kein Berufsbild und damit ebenso keine einheitliche Ausbildung.

Eine aktuelle Regelung sieht für 40- Stunden-Jobs einen Mindestlohn von 1.000 Euro brutto vor. „Die Kollektivverträge für Arzthelferinnen sind in den Bundesländern leider sehr unterschiedlich“, kritisiert Christa Rebhandl, stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbands der Arzthelferinnen. Das Einstiegsgehalt liegt brutto zwischen 783 und 1.098 Euro monatlich. „Allerdings ist die Tätigkeit der Arzthelferin sehr selten ein Vollzeitjob. 30-Stunden-Anstellungen sind meist die Obergrenze“, ergänzt Rebhandl. Zum Grundgehalt kann noch eine Infektionszulage von etwa 112 Euro (Oberösterreich) im Monat kommen.

Frauenjob Arzthelferin

In Österreich arbeiten rund 40.000 Arzthelfer und Arzthelferinnen, es sind großteils Frauen. „Nach wie vor gibt es nur rudimentäre Bestimmungen für unsere Tätigkeit, aber kein ausformuliertes Berufsbild“, beklagt Rebhandl. Vor einigen Wochen erhielt das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen vom Gesundheitsministerium den Auftrag, ein solches zu erarbeiten. Es fehlen auch Standards für die Ausbildung: „Es gibt Kurse im Ausmaß von 135 bis 210 Stunden. Dabei geht es um Themen wie Hygiene, Erste Hilfe und Sozialversicherungsrecht. Aber Wissen zu Anatomie oder Krankheitsbildern hat viel zu wenig Platz“, betont Rebhandl.
Die Arbeitsanforderungen sind deutlich höher geworden. So übernehmen Arzthelferinnen bei Diabetesprogrammen oder Vorsorgeuntersuchungen neue Tätigkeiten. „Wir dürfen vom Gesetz her keine Handlungen an Patienten vornehmen – nur wenn der Arzt anwesend ist, dürfen wir einfache Hilfsdienste leisten.“
Die Realität in den Ordinationen sieht freilich anders aus – es geht um professionelles Patientenmanagement, etwa Assistenz beim Wundmanagement oder bei der Vorsorgeuntersuchung um Unterstützung bei der Vorbereitung der Patienten. „Arzthelferinnen bewegen sich aufgrund der Anforderungen der Praxis oft in einem rechtlichen Graubereich“, betont Rebhandl. Sie fordert eine Vereinheitlichung der Kollektivverträge für ganz Österreich sowie eine möglichst rasche Umsetzung der Realisierung des Berufsrechts, das auch mit einer adäquaten Ausbildung gekoppelt sein müsste. „In der Schweiz und in Deutschland dauert die Berufsausbildung drei Jahre. Warum sollte dies nicht auch in Österreich umsetzbar sein?“
Rückendeckung für ihre Forderungen bekommen die Arzthelferinnen etwa von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Präsident Dr. Erwin Rebhandl: „Von einer gut ausgebildeten Arzthelferin profitieren wir in mehrfacher Hinsicht: Es ist ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung und es werden Patienten besser betreut und gleichzeitig hat der Arzt ausreichend Zeit für intensive Patientengespräche.“

Unerwünschte Konkurrenz?

Mit Skepsis werden die Forderungen der Arzthelferinnen von Vertretern therapeutischer Berufe betrachtet. Rebhandl versucht zu beruhigen: „Wir wollen und können keiner anderen Berufsgruppe etwas wegnehmen, aber ein verbessertes Grundwissen ermöglicht eine bessere Erstbetreuung, und das ist ja auch im Interesse aller im Gesundheitssystem Tätigen und der Patienten.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 37/2007

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