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Gesundheitspolitik 20. September 2007

Wien setzt auf Entlassungsmanagement

Bis 2010 will der Wiener Krankenanstaltenverbund KAV 77 Dienstposten für das Entlassungs­management schaffen.

Pro Jahr werden in Wien über 580.000 Menschen stationär in den Spitälern aufgenommen. Durch professionell gestaltetes Ent­lassungs­management sollen nun Akzente gegen die Drehtürmedizin bzw. Probleme beim Wiedereinstieg in den Alltag gesetzt werden. „Dieser Bereich ist immer öfter sehr umfassend und aufwändig“, erklärt Prof. Dr. Heinz Ludwig, Leiter der onkologischen Abteilung im Wilheminenspital. „Es geht darum, den Kontakt zu Verwandten aufzunehmen bzw. nach sonstigen Stützen in den sozialen Netzwerken zu suchen.“ Denn viele Patienten könnten nach der Entlassung in so manchem Bereich ihr Leben nicht allein meistern.
Weiters gilt es zu klären, ob und welche Heil- und Hilfsbehelfe nötig sind oder wie diese sich im Alltag des Patienten implementieren lassen. Kontakte sind auch wichtig zu mobilen pflegerischen und/oder therapeutischen Diensten. Für Ludwig ist auch die möglichst direkte Kontaktaufnahme zu betreuenden niedergelassenen Ärzten sehr wichtig – „allerdings steigt die Zahl jener, die keinen konkreten Hausarzt mehr angeben“. Entscheidend sei auch, auf die individuellen Bedürfnisse und eventuell wichtigen Termine des Patienten eingehen zu können.
„Dies alles braucht auch viel Zeit. Bislang versuchten Ärzte und Pflegepersonal, viele dieser Tätigkeiten neben ihren normalen Tätigkeiten zu leisten“, so Ludwig.Nun sollen eigens ausgebildete Entlassungsmanagerinnen in allen Wiener Spitälern tätig werden. Entlassungsmanagement würde, so unterstreicht Ludwig, zwar weiter auch eine Teamaufgabe bleiben und ein Prozess, der möglichst schon bei der Aufnahme beginnt, „aber es gibt eben sehr viele konkrete Aufgaben, die von den Entlassungsmanagerinnen nun eigenverantwortlich übernommen werden“.
Die Stadt Wien erwartet sich von dem Projekt, dass Versorgungslücken an den Nahtstellen zwischen Krankenhaus und extramuralen Bereich gar nicht erst entstehen. Wobei auch Ziel ist, unnötig lange Liegezeiten zu vermeiden, die oft deswegen entstehen, weil im extramuralen Bereich die weitere Betreuung des jeweiligen Patienten noch nicht gewährleistet ist.

Stärkere Einbeziehung der Patienten und Angehörigen

Die poststationäre Gesundung soll zudem durch die stärkere Einbeziehung der Betroffenen gefördert werden. Auch unnötige Einweisungen in Alters- und Pflegeheime sollen deutlich reduziert werden, „gerade Menschen mit onkologischen Erkrankungen wollen möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben: Hier geht es dann auch um die Einbindung mobiler Hospizteams“, ergänzt Ludwig.
Der Fahrplan für das Wiener Projekt: Momentan werden die Entlassungsmanagerinnen eigens ausgebildet – 2008 sollen 36 zur Verfügung stehen. Im Krankenanstaltenverbund (KAV) sollen bis 2010 schrittweise insgesamt 77 Dienstposten geschaffen werden, was laut KAV 80 Prozent des Bedarfs abdecken würde.
Finanziert werden die ersten Phasen des Projekts aus Mitteln des Reformpools. Die Implementierung des Entlassungsmanagements wird Gebietskrankenkasse und KAV insgesamt 1,9 Millionen Euro kosten, verteilt auf zwei Jahre. Erhofft wird, dass sich dies sehr rasch durch eine deutlich höhere Effizienz im Gesamtsystem bezahlt macht. „Die Betreuung in den eigenen vier Wänden ist einfach deutlich günstiger als jene im Spital oder in Pflegeheimen“, betont Ludwig.

Entlastung der Ärzte und des Pflegepersonals erwartet

Bestandteil des Projekts ist auch, dass Patienten beim möglichst direkten Kontakt zu Selbsthilfegruppen unterstützt werden. Aufgebaut wurde weiters das Internetportal www.lebensseiten.at, das umfassende Informationen für Patienten bietet.
Der KAV erwartet sich vom Projekt auch eine Entlastung der Ärzte und Pfleger, die sich damit stärker auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können und nicht Stunden damit verbringen müssen, Dienste wie „Essen auf Rädern“ zu organisieren. Insgesamt erhofft sich der KAV eine Reduktion des administrativen Aufwands bei Aufnahme und Entlassungen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 38/2007

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