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Gesundheitspolitik 13. September 2007

Hürden für physikalische Medizin

Am Ende des Sommers erhielten die Wiener Allgemeinmediziner sowie Fachärzte für physikalische Medizin unerfreuliche Post: Alle Informationen, warum eine weitere Behandlung nötig ist, müssen nun auf der Verordnung angeführt sowie vom zuweisenden Hausarzt per Post oder Fax an die Gebietskrankenkasse weitergeleitet werden.

Aus der Sicht von Dr. Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien, „eine zusätzliche Hürde, deren einziger Zweck offensichtlich ist, den Zugang der Patienten zur physikalischen Medizin zu erschweren, um ihnen notwendige Leistungen vorzuenthalten.“ Es sei unzumutbar, jedes Mal bei Therapieverlängerungen lückenlose Angaben, wie es im Schreiben der Wiener Gkk heißt, „betreffend eventuelle begleitende Therapien, bereits erfolgte oder geplante Operationen beziehungsweise Angaben betreffend die Anamnese, Funktions- oder Beweglichkeitseinschränkung und Behandlungsziele“ an die Gkk zu schicken.
Dazu sagt Dr. Reinhard Marek, ärztlicher Direktor der Wiener Gkk: „Wir haben einige Stichproben gezogen – und in zu vielen Fällen waren die begleitenden Angaben zur Überweisung nicht vollständig, fehlerhaft oder sehr unklar formuliert – daher diese Maßnahme.“

Nur mehr Sechserblock

Weiters kündigte die Kasse an, bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates und sämtlichen unspezifischen Kreuzschmerzen ab der zweiten Behandlungsserie „in Zukunft generell nur mehr Blöcke von maximal sechs Behandlungen je Therapieart“ zu bewilligen. Dazu Marek: „Damit folgen wir der inzwischen bewährten Praxis in anderen Bundesländern bzw. orientieren uns an aktuellen Leitlinien vor allem auch in Bezug auf die Behandlung chronischer Rückenschmerzen.“ Ein weiterer Grund für die Maßnahmen sei, dass es nach wie vor keinen Kassenvertrag mit den Fachärzten für physikalische Medizin in Wien gebe und daher nun strengere bzw. regelmäßigere Kontrollen umgesetzt würden. „Wir sind aber jederzeit zu einem Dialog bereit“, betont Marek.
Besonders betroffen von den Maßnahmen seien aus Steinharts Sicht chronische Schmerzpatienten. Dabei würden diese etwa durch Elektrotherapie, Packungen, Ultraschallbehandlungen oder Heilgymnastik eine wissenschaftlich klar nachgewiesene deutliche Besserung ihrer Schmerzen und Bewegungsbehinderung ohne schädliche Nebenwirkungen erfahren, wie er betont – oft wäre so auch eine Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess möglich. Marek unterstreicht, „dass in unserem Schreiben ganz klar festgehalten wird, dass vor allem bei Patienten mit komplexen neurologischen Problemen mit einer entsprechenden Begründung auch ein größeres Ausmaß verschrieben werden kann.“
„Weniger physikalische und physiotherapeutische Behandlungen werden vermutlich eine Zunahme der Schmerzmedikation bedeuten, die der Krankenkasse zusätzlich Geld kostet“, meint zu diesem Thema der Wiener Pflege- und Patientenanwalt Dr. Konrad Brustbauer. „Auch Auswirkungen auf viele Bewohner von Wohn- und Pflegeheimen sind zu erwarten. In den Häusern werden häufig Physiotherapien angeboten. Diese Therapien sind allerdings für die Bewohnerinnen selbst finanziell nicht leistbar.“
Auch Steinhart befürchtet eine Zunahme bei den Medikamenten­kos­ten, „da Patienten dann oft eine Schmerzmedikation intensivieren und lange aufrecht erhalten – ein medizinisch und volkswirtschaftlich völlig falscher Weg!“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 37/2007

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