zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 30. Oktober 2007

Rettungsstreit in Tirol

Nicht in allen Bundesländern läuft das Neben- und Miteinander verschiedener Rettungsorganisationen harmonisch. Neue EU-Regelungen könnten eine Veränderung bei der Ausschreibung der Leistungen bringen.

Wer Medienmeldungen der letzten Jahre aus dem Tiroler Unterland liest, wähnt sich zuweilen an manche Szenen aus dem Film Komm, süßer Tod nach dem gleichnamigen Buch von Wolf Haas erinnert: ein Wettrennen von Rettungsorganisationen um Patienten. In Tirol führen das Rote Kreuz und der neu dazugekommene Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) herbe Auseinandersetzungen.
„Bisher war es so, dass jede Gemeinde einen Vertrag mit einer Rettungsorganisation für Notfalldienste und Patiententransporte abschloss“, berichtet Dr. Herbert Walter von der Abteilung Katastrophenschutz des Landes Tirol. Und eine Gemeinde entschied sich für die Kooperation mit dem ASB. „Wenn disponiert wird, soll ein möglichst nahe gelegenes Rettungsfahrzeug zum Einsatz kommen, hier kann es nicht um Gemeindegrenzen gehen“, beschreibt Walter den Grundkonflikt. In diesem kam es in den letzten Jahren immer wieder zu gegenseitigen Vorwürfen und auch zu Berichten über angeblich unterlassene Hilfeleistung.
„Hier kann es nur um absolute Einzelfälle gehen“, unterstreicht Walter die generelle Qualität der Versorgung in Tirol. Aber hier – wie künftig auch in anderen Bundesländern – wird ohnehin ein neues Zeitalter anbrechen:
Aufgrund einer aktuellen EU-Regelung wird diskutiert, wie das Rettungs- und Notfallswesen für das ganze Bundesland neu ausgeschrieben werden kann – mit ganz klaren Kriterien. Damit soll auch nicht mehr möglich sein, dass einzelne Gemeinden mit Rettungsorganisationen feilschen, die dann – wie im konkreten Fall auch geschehen – eine Nicht-Berücksichtigung bis zum Obersten Gerichtshof bekämpfen.
Parallel läuft – ebenso wie auch in anderen Bundesländern – die Zusammenfassung kleinerer Leitstellen. In ganz Österreich gab es früher viele dezentrale Stellen, die den Einsatz von Rettungstransporten, Notarzt oder auch Hubschrauber disponierten. In Tirol wurden fünf solcher Leitstellen zu einer zusammengefasst – „es geht dabei um Innsbruck Stadt und Land sowie Kufstein und damit die Koordinierung eines Großteils aller Einsätze“, so Walter. Aber auch die weiteren sechs Leitstellen sollen in diese Struktur integriert werden. Die Hubschrauber werden bereits von der zentralen Leitstelle disponiert, die jenen alarmiert, der am schnellsten am Einsatzort ist, unabhängig davon, wer der Betreiber ist. Die Zahl der Doppeleinsätze ist in Tirol deutlich gesunken – im Gegensatz zu Bundesländern wie Niederösterreich.
Aber auch bei den Einsätzen des Notarztes und der Rettungswägen soll durch die Zentralisierung der Leitestelle die Rate der Fehleinsätze verringert bzw. die Zeit bis zum Eintreffen beim Notfall noch verkürzt werden.
„Jederzeit soll innerhalb weniger Minuten ein Notfallfahrzeug vor Ort sein.“
Bis diese Neuregelung wirklich unter Dach und Fach ist bzw. umgesetzt wird, wünscht sich auch Dr. Michael Baubin, Referent für Notfallmedizin der Tiroler Ärztekammer, eine „bessere und seriösere Kooperation der Rettungsorganisationen“.
Zur Frage der Zahl der Fehleinsätze sagt Baubin: „Jederzeit soll innerhalb weniger Minuten ein Notfallfahrzeug vor Ort sein – das dahinter liegende sehr engmaschige standardisierte Abfragesys­tem produziert auch Fehleinsätze, die es immer wieder genau zu analysieren gilt.“

 Fakten

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 44/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben