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Gesundheitspolitik 28. November 2007

Bedächtig plätschern im Pool

Innovationen und Schnittstellenmanagement zu fördern, das ist das Ziel der Projekte. Doch die Umsetzung erfolgt aufgrund bürokratischer Barrieren oft zögerlich.

„Obwohl Wien gesetzlich dazu verpflichtet ist, mindestens zwei Prozent des Gesamtbudgets in Reformpoolprojekte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung zu investieren, schaffen wir nur 0,05 Prozent“, kritisierte Ingrid Korosec, Gesundheitssprecherin der ÖVP Wien, in einer APA-Aussendung. Reformpoolprojekte seien ein Stiefkind der Wiener Gesundheitspolitik. Korosec kommentierte auch die kürzlich präsentierte Ausweitung eines mit Mitteln aus dem Reformpool finanzierten Diabetes-Disease-Management-Programms: „Die wahren Gründe für die Ausweitung des Reformpoolprojektes ‚Therapie aktiv – Diabetes im Griff‘ auf ganz Wien sind die Auslastungsprobleme des Programms in den Bezirken 10 bis 14, auf die das Projekt eigentlich beschränkt war“, meint Korosec. Die Anlaufschwierigkeiten des Programms seien ein Zeichen für Fehler in der Umsetzung. „Die geplanten 1.000 Patientinnen und Patienten konnten schließlich nicht einmal annähernd erreicht werden.“
DI Dr. Hannes Schmidl, Bereichsleiter für Strukturentwicklung in der MA 24, kontert: „Derzeit liegen in Wien Beschlüsse der Wiener Gesundheitsplattform zu Projekten mit einem Gesamtvolumen von 4,073 Millionen Euro vor.“ Finanziert werden mit diesen Mitteln eine allgemeinmedizinische Ordination am Donauspital sowie das Entlassungsmanagement „PatientInnenorientierte Integrierte Krankenbetreuung“ (die Ärzte Woche hat über beides berichtet), eine Ärztefunkdienst-Ambulanz an der Kinderklinik des AKH, die Phase 1 des Projekts „Integrierte Versorgung Schlaganfall“ und eben das in allen Bundesländern laufende Diabetesprogramm.

Kosten und Nutzen abgewogen

„Für alle Projekte liegt eine positive Kosten-Nutzen-Analyse vor“, betont Schmidl, auch eine ausführliche Evaluierung ist fix eingeplant. Zur Kritik Korosecs am Diabetesprojekt stellt Schmidl fest: „Die Einschränkung auf zwei Bezirke hat sich als nicht praktikabel erwiesen. Daher wurde die Ausweitung vorgenommen.“ Geplant ist zudem, Mittel aus dem Reformpool in den Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung zu investieren – dazu ergänzt Schmidl: „Da Projekte immer zeitlich befristet sind, ist eine langfristige Sicherstellung der Finanzierung über dieses Instrument nicht möglich.“

Finanzierung aus anderem Topf

Wie die Ärzte Woche schon mehrfach berichtet hat, gibt es bei der Planung und Umsetzung von Reformpoolprojekten immer wieder Verzögerungen. Teilweise wird versucht, wirklich dringende Vorhaben aus anderen Töpfen zu finanzieren, um den bürokratischen Aufwand und den teils monatelangen Zeitverlust, den eine Einreichung beim Reformpool verursachen kann, zu vermeiden. „Auf Grundlage der Leitlinien für den Reformpool (der Bundesgesundheitsagentur) können nur bestimmte Projekte als Reformpoolprojekte geführt werden, nämlich solche, die zu Leistungsverschiebungen und Strukturveränderungen führen. Für die kommenden Jahre wurde eine Weiterentwicklung des Reformpoolbereichs vereinbart, die auch zu Änderungen bei den Leitlinien für den Reformpool führen wird“, kündigt Schmidl an. Auch das klingt allerdings nach einer eher langfristigen Perspektive.

 Fakten

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 48/2007

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