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Gesundheitspolitik 22. November 2007

Nägel mit Vorsorge-Köpfen

In Oberösterreich informierten Turnusärzte zwischen Nägeln, Hammern und Schlagbohrmaschinen über Angebote und Inhalte der Vorsorgeuntersuchung. Die Rückmeldungen waren sehr positiv.

 Bauhaus
Oberösterreichische Turnusärzte werken in ungewohnter Umgebung.

Foto: Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher

Als Teil der im Oktober gelaufenen oberösterreichischen Kampagne „Mann baut auf seine Gesundheit“ organisierte das Institut für Vorsorge- und Sozialmedizin (IVS) der Ärztekammer Oberösterreich einen Informationstag in Baumärkten im ganzen Bundesland. „Aus der Medizinsoziologie ist das Präventions-Paradoxon bekannt: Vor allem jene, die Vorsorgemedizin nötig hätten, nehmen diese nicht in Anspruch. Diese Personen sind gegen alle ‚unpersönlichen’ Social-Marketing-Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip sehr resistent“, erklärt Mag. Dr. Ilona Schöppl, Geschäftsführerin des IVS. Heuer wurde daher noch stärker versucht, zielgruppenspezifisch vorzugehen. Seit Jahren setzen Ärztekammer, Gesundheitslandesrätin Dr. Sylvia Stöger, die Gesundheitsförderungskonferenz und der Magistrat Linz in Oberösterreich einen Vorsorgeschwerpunkt im Oktober.
In Baumärkten, so die Annahme, wären vor allem Männer anzutreffen, gerade auch solche ab 40. Eine Gruppe, die in der Vorsorgeuntersuchung nach wie vor eher selten anzutreffen ist. Das IVS schulte 50 Turnusärzte und stattete sie mit einem Gesprächsleitfaden aus. Enthalten waren auch die typischen „Ausreden“ in Bezug auf die Vorsorgeuntersuchung sowie mögliche erwidernde bzw. ermunternde Argumente. Die Turnusärzte betreuten dann den ganzen Tag Informationsstände in den Baumärkten.
„Die Reaktionen auf unser Informationsangebot war durchwegs sehr positiv“, berichtet Dr. Julia Reichel, eine dieser Ärzte. Die Turnusärztin steht unmittelbar vor dem Ende ihrer Ausbildung, ist Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Oberösterreich und befasst sich dort mit der Situation der Turnusärzte sowie mit Ausbildungsfragen.
„Auffallend war, dass bei den angesprochenen Menschen teils sehr wenig Wissen über die Vorsorgeuntersuchung vorhanden war.“ So wussten viele nicht, dass diese einmal im Jahr von der Sozialversicherung bezahlt wird, auch nicht, welche Inhalte und Zielrichtungen diese hat oder wie und wo sie eine solche überhaupt in Anspruch nehmen können. „Wir haben Informationsbroschüren ausgeteilt und dazu ermuntert, den betreuenden Hausarzt auf das Thema anzusprechen“, so Reichel.

Wozu zum Arzt?

„Immer wieder war in den Argumenten der angesprochenen Menschen auch zu hören: ‚Mir geht es gesundheitlich eh gut, ich habe keine Beschwerden – also warum soll ich dann zum Arzt gehen?“ Es wäre daher wichtig, gerade den Hausarzt noch stärker als wichtige Ansprechperson zu den Themen Vorsorge bzw. Analyse des Lebensstils zu positionieren.
„Positiv rückgemeldet wurde immer wieder, dass sich Ärzte die Mühe machen, zu den Menschen und an einen solchen Ort zu kommen. Ein solches Projekt soll auch die Mundpropaganda zur Vorsorgeuntersuchung ankurbeln“, hofft Reichel. Solche Aktionen hätten durchaus auch in anderen Settings einen Sinn und würden auch für die teilnehmenden Ärzte viele sehr wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Patienten und deren Erwartungen bringen. Es kam jedenfalls keine Kritik nach dem Motto, dass Ärzte jetzt zu aggressiven Werbemethoden greifen müssen, um Patienten zu requirieren. „Wie gesagt: Die Angesprochenen waren eher dankbar für die vermittelnden Informationen.“
Auf die Frage, inwieweit Aktionen an öffentlichen Orten wie Supermärkten sinnvoll sind, bei denen nicht nur Informationen gegeben werden, sondern auch beispielsweise der Blutdruck kontrolliert wird oder eventuell sogar Blutwerte bestimmt werden, meint Reichel: „Klar muss sein: Das soll und kann auf keinen Fall eine Vorsorgeuntersuchung ersetzen. Diese Vorgangsweise kann auch zur Sensibilisierung beitragen. Aber nur weil sich jemand auf eine Waage stellt, heißt das nicht, dass er sich dann auch mit gesunder Ernährung auseinandersetzt oder in Zukunft auf seinen Blutdruck achten wird.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 47/2007

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