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Gesundheitspolitik 13. Dezember 2007

Durchlässige Grenzen

Südböhmen und Niederösterreich erhalten gemeinsam EU-Mittel für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung in dieser Grenzregion.

Seit mehreren Jahren laufen im Netzwerk healthregio (www.healthregio.net) Vorbereitungen für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich – die Ärzte Woche hat berichtet. Nun haben Niederösterreich und Südböhmen von der EU Mittel bekommen, um gemeinsam an der Optimierung des Versorgungsangebots zu arbeiten. „Ähnliche Vorhaben gibt es z. B. zwischen Frankreich und Spanien bzw. Deutschland und Polen oder Deutschland und Belgien“, berichtet Dr. Andreas Reifschneider, Regionalmanager für das Waldviertel der Niederösterreichischen Landesholding. Das healthacross betitelte Projekt soll auch als Modell für andere Grenzregionen dienen. Eine wichtige Frage ist dabei die Finanzierbarkeit von Gesundheitsdienstleistungen zwischen EU-Mitgliedstaaten mit sehr unterschiedlichem Lohn- und Kostenniveau.

Vertrauensbildende Maßnahmen

Die Kosten für healthacross von 650.000 Euro kommen von der EU, dem niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds NÖGUS, der Landeskliniken-Holding und dem Kreisamt Südböhmen. Angeknüpft werden soll an die bisherigen Vorarbeiten, wobei die Versorgungssituation der Region noch detaillierter erhoben wird.
„Gerade im Waldviertel werden durch Projekte, die aus dem Reformpool finanziert werden, die Grenzen zwischen intra- und extramuralem Bereich durchlässiger gemacht – auch dieser Aspekt wird bei healthacross eine wichtige Rolle spielen“, betont Reifschneider. Vor allem auch, weil das nächste Krankenhaus in Südböhmen über 60 Kilometer entfernt ist.
Ein Fokuspunkt ist die Notfallversorgung – „viel an vertrauensbildenden Maßnahmen war hier bei den grenzüberschreitenden Maßnahmen nach einem schweren Busunfall in der Grenzregion im Vorjahr möglich“, erinnert sich Reifschneider. Ein weiterer Aspekt ist generell die gemeinsame Nutzung von Ausrüstungs- und Personalressourcen – seit der Grenzöffnung ist am Arbeitsmarkt, gerade auch im Gesundheits- und Sozialsektor zu beobachten, dass Österreicher in Südböhmen arbeiten und umgekehrt.
„Ein Ziel ist der Auf- und Ausbau gemeinsamer Versorgungsstrukturen, möglich wäre etwa eine Art Gesundheitszentrum“, blickt Reifschneider in die Zukunft. Genauso geht es aber auch um die grenzüberschreitende Klärung von Fragen in Bezug auf die Sozialversicherung. In das Projekt intensiv einbezogen werden in der gesamten Region niedergelassene Ärzte sowie mobile pflegerische und therapeutische Dienste.

Pionierarbeit

Durch diese Kooperation – so eine Hoffnung – sollen sich auch Verbesserungen im Kosten-Nutzen-Verhältnis ergeben. Dem Projekt healthacross wurde inzwischen in der Kategorie Wirtschaft der EUREGIO-Innovationspreis verliehen.
Die Wiener Firma „Gesundheitsmanagement“, die healthregio 2004 initiierte und damit Pionierarbeit für Österreich leistete, arbeitet derzeit an weiteren Folgeprojekten zur grenzüberschreitenden Kooperation im Pflege- und Ausbildungsbereich sowie was die Mobilität von Fachpersonal und Patienten betrifft. Ein beispiel ist ein vom Jubiläumsfonds unterstütztes Vorhaben an der Wiener Wirtschaftsuniversität, das sich mit der Analyse der Migration in Zusammenhang mit Gesundheitsfragen beschäftigt (www.wu-wien.ac.at/healthmobility).
„Wir freuen uns über die große Nachfrage nach unserer Mitarbeit an EU-Projekten aus dem Ausland, wir vertreten derzeit in fünf internationalen Gesundheitsprojekten die CENTROPE-Region – also den Grenzbereich zwischen Österreich, Ungarn, der Slowakei und Tschechien“, berichtet Mag. Renate Burger, eine der Geschäftsführerinnen. Auf Ebene der Direktion für Gesundheit und Konsumentenschutz der Europäischen Kommission ist auch ein Vertreter Österreichs bei der Entwicklung von gemeinsamen europäischen Maßnahmen im Gesundheits- und Pflegebereich tätig.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 50/2007

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