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Gesundheitspolitik 13. Dezember 2007

Vielfalt als Chance

Diversity-Management sollte ein integraler Bestandteil bzw. eine Triebfeder der Gesundheitsplanung sein.

 Bärchen
Verstehen, was der „andere“ meint: Eins der Hauptprobleme von Diversity.

Foto: IchSelbst! / pixelio.de

Österreich ist ein Zuwanderungsland. Aber nicht so, wie es gerne in von Xenophobie und Angst geprägten politischen Kampagnen vermittelt wird. Offensichtlich ist Österreich ein Land, das zumindest vergleichsweise gute Lebens- und Arbeitsbedingungen bietet. Auch die Akademie der Wissenschaften plädiert in ihrem jüngst vorgestellten Bericht zum Thema Zuwanderung, diese eher als Chance zu sehen. Dort wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass wenig für Integration unternommen wird: Erschwert wird nicht nur der Zugang zum Arbeitsmarkt, sondern es gibt auch wenig Schutz gegen Diskriminierung. In einem EU-Ranking zum Thema findet sich Österreich zwischen Platz 18 und 22 von 28 Ländern.
Das führt dazu, dass Zuwanderer auch der zweiten Generation oft schlechter ausgebildet sind – mit entsprechenden Folgen für ihre Chancen am Arbeitsmarkt. Dass soziale Faktoren und Gesundheit eng zusammenhängen, war auch Hauptthema einer Tagung des Fonds Gesundes Österreich im November (die Ärzte Woche hat berichtet). Dazu Dr. Ursula Karl-Trummer vom Wiener Ludwig Boltzmann Institut für Medizinsoziologie: „Es gibt zwar umfangreiche Pläne zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung, das Thema der speziellen Bedürfnisse oder der Situation von Menschen mit Migrationshintergrund spielt dort aber kaum eine Rolle.“
An Krankenhausambulanzen, aber auch zunehmend im niedergelassenen Bereich gibt es zumindest einige Ansätze: „Der Wiener Krankenanstaltenverbund hat gerade ein Symposium zum Thema Diversity-Management veranstaltet. Denn auch viele Mitarbeiter haben einen Migrationshintergrund.“

Verständnis durch Ausbildung

In Großbritannien gibt es in jedem Krankenhaus einen – mit entsprechendem Budget – ausgestatteten Mitarbeiter zu diesem Bereich. Die Vielfalt der Sprachen und Kulturen wird dabei zugleich als Herausforderung und Chance wahrgenommen bzw. gezielt gefördert.
„Es gab 2001 bis 2004 das EU-Projekt ‚Migrant-Friendly-Hospital’, an dem auch das Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital beteiligt war und an dessen Ende eine Deklaration mit vielen konkreten Schritten und Vorschlägen beschlossen wurde“; in Österreich, so kritisiert Karl-Trummer, sei davon nur wenig umgesetzt worden. Neben einer für das Thema zuständigen Person bräuchte es auch Weiterbildungsmaßnahmen für das gesamte Personal, auch um Ängsten und Vorurteilen entgegenzuwirken.
„Ein Hauptproblem ist die Verständigung: Schnell und einfach verfügbar sein müsste ein Dolmetsch, zumindest für die wichtigsten Sprachen“, so Karl-Trummer. Es braucht aber auch Guidelines, etwa für den Umgang mit anderen Kulturen, „wo z.B. der direkte Augenkontakt als Beleidigung aufgefasst wird und den Behandlungsverlauf negativ beeinflusst“. Bildungsmaßnahmen wären auch für den niedergelassenen Bereich wichtig.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 50/2007

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