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Gesundheitspolitik 6. Dezember 2007

Hauskrankenpflege im Ländle

Auf eine über 100-jährige Tradition kann die Hauskrankenpflege in Vorarlberg zurückblicken. Ab Dezember soll auch eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung angeboten werden.

7.200 Patienten werden pro Jahr in Vorarlberg von der Hauskrankenpflege betreut, etwa 240 Pflegekräfte absolvierten im letzten Jahr 285.000 Hausbesuche, organisiert wird das Ganze über die Pflegevereine. Die mehr als 57.000 Mitglieder unterstützen die Arbeit der 67 in einem Landesverband zusammengefassten regionalen Vereine. „Auch durch die hohe Zahl der Mitglieder ist diese Art der Versorgung sehr gut in der Bevölkerung verankert“, analysiert Dr. Siegfried Hartmann, Arzt für Allgemeinmedizin in Rankweil. Durch ein schon länger zurückliegendes Projekt ist in dieser Region auch eine intensive Kooperation mit dem agierenden Pflegepersonal sichergestellt: „Ärzte treffen sich quartalsweise mit diesen, um gemeinsam über Patienten zu sprechen und die weitere Vorgangsweise zu klären.“ Nicht in allen Gemeinden läuft die Zusammenarbeit so optimal und „es gibt in der Kommunikation und Kooperation sicher noch teilweise Verbesserungsbedarf“, so Hartmann. Er wünscht sich vor allem eine Honorierung für solche Koordinierungsgespräche sowohl für die Ärzte als auch die Pflegevereine – „insgesamt müsste der Aufwand der Ärzte besser wahrgenommen und berücksichtigt werden.“ Denn, so Hartmann, die Intensität der Zusammenarbeit dürfe nicht nur vom persönlichen Engagement ab­hängen.

Mobile Kinderkrankenpflege

60 Prozent des Budgets kommen aus dem Sozialfonds sowie von Land und Gemeinden. 40 Prozent werden aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden lukriert. Seit einigen Jahren ist auch die mobile Kinderkrankenpflege aus dem Status des unsicheren Pilotprojekts in den entsprechend finanzierten Regelbetrieb genommen worden. Angeboten werden bei Erwachsenen und Kindern nicht nur Pflegetätigkeiten, sondern auch die Organisation sozialer Unterstützung und Besuchsdienste.

Betreuung rund um die Uhr

Seit Oktober dieses Jahres gibt es auch einen „Betreuungspool“: Es wird das Gleiche wie bei den Mobilen Hilfsdiensten angeboten, also unterstützende Tätigkeiten bei wirtschaftlichen und gesundheitlichen Interessen, Unterstützung bei der Lebensführung im Alltag, Haushaltsmanagement, usw. Allerdings kann – auf legalem Weg – auch eine 24-Stunden-Betreuung konsumiert werden, ohne dass eine Betreuungskraft im Haus mitwohnen muss. Pro Tag werden dafür etwa 70 Euro verrechnet. Das Fördermodell zur 24-Stunden-Betreuung kann hier angewendet werden.
Mit dem Betreuungspool soll verhindert werden, dass Angehörige bei Fragen rund um die Pflege von Pontius zu Pilatus müssen. Angeboten wird ein individuelles Case-Management, die Anlaufstellen bleiben in der Region. Zudem soll der Pool auch als Personalreserve dienen, wenn kurzfristig Betreuungsengpässe zu überbrücken sind.
Organisatorisch getragen wird der Betreuungspool vom Landesverband Hauskrankenpflege und der Arge Hilfsdienste, die Finanzierung kommt aus dem Sozialfonds. Derzeit wird der Pool an Betreuungskräften ausgebaut und eine Vermittlungsdatenbank installiert.
Kritik am Modell kommt von den Grünen: Im Vordergrund würde wieder die individuelle Verantwortung stehen und Pflege zu wenig als kollektive Aufgabe gesehen, die von Steuern finanziert wird und bei der gemeindeübergreifende Vorgehensweisen institutionell gefördert werden.
„Auf jeden Fall noch geklärt werden muss, wie die doch hohen Kosten von Seiten des Landes für die Betroffenen abgefedert werden können. Zu klären ist auch die Einbeziehung der Hausärzte.“ Für Hartmann wichtig wäre von Seiten des Landes auch endlich die Umsetzung der lange verzögerten Vorhaben in Hinblick auf ein strukturiertes Entlassungsmanagement – „denn auch hier geht es um die optimale Versorgung gerader chronisch kranker und älterer Menschen.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 49/2007

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