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Gesundheitspolitik 10. Jänner 2008

Gesundheitsfaktor Arbeit

Menschen mit psychischen und psychosozialen Problemen haben es besonders schwer, einen Platz im sogenannten ersten Arbeitsmarkt zu finden.

Arbeitslosigkeit ist eine Bedrohung für die psychische und soziale Gesundheit jedes Menschen. „Ein Mensch, der arbeitslos ist, ist durchschnittlich doppelt so lange krankheitsbedingt arbeitsunfähig wie ein Erwerbstätiger“, berichtet Dr. Werner Schöny, ärztlicher Leiter des Landeskrankenhaus Wagner-Jauregg in Linz, dazu komme oft eine negative Wechselwirkung: „Kranke Menschen verlieren oft ihre Arbeit – Arbeitslosigkeit macht krank.“

Gesundes Arbeitsklima

Gerade für Mensch mit körperlichen, psychischen oder sozialen Beeinträchtigungen ist Arbeit wesentlich mehr als ein Beitrag zur Lebenssicherung. „Arbeit führt aus der Isolation zu sozialen Kontakten, steigert das Selbstwertgefühl und verbessert das Zusammenleben in der Familie und in der Paarbeziehung“, ergänzt Schöny, der auch Obmann von pro mente Ober­österreich ist. Diese Organisation bietet unter anderem berufliche Integration für Langzeitarbeitslose sowie Menschen mit psychosozialen und psychischen Problemen: Im Vorjahr wurden 1.300 Menschen unterstützt, um am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Auch pro mente selbst liefert dazu Akzente – in drei Cafeterias, zwei Altenheimen, vier Post-Partnern, einem Supermarkt und dem soeben eröffneten Seminar- und Kulturhaus Wesenufer. „Menschen mit psychischer Beeinträchtigung können viel leisten und auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ihren Unterhalt erwirtschaften“, unterstreicht Schöny. Auch die Unternehmen profitieren: Gefördert wird ein gesundes Betriebsklima für alle Mitarbeiter, das chronische Erschöpfung und Burn out weniger wahrscheinlich macht, insgesamt steigt die Qualität aller Prozesse und damit auch jene der Produkte und Dienstleistungen.

Langsam bewegt sich was

Jeder Betrieb mit mehr als 25 Mitarbeitern muss Behinderte anstellen – im Verhältnis 1:25 – oder eine Zahlung an den Ausgleichstaxfonds leisten. Der Trend geht aber nach wie vor eher in Richtung der Zahlung. Während die Arbeitslosigkeit 2006 um 6,6 Prozent sank, stieg sie bei Menschen mit Behinderung um rund drei Prozent. Derzeit sind 29.000 Betroffene arbeitslos gemeldet. Sozialminister Erwin Buchinger kündigte eine zusätzliche Förderung für Betriebe an, die in den nächsten Monaten Menschen mit Behinderung einstellen – angesprochen werden sollen besonders Klein- und Mittelunternehmen.
Besonders schlecht ist die Situation für Menschen mit psychischen und psychosozialen Problemen, hier sind die Barrieren im Kopf offenbar besonders groß.

 Fakten

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 1/2008

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