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Gesundheitspolitik 30. Jänner 2008

Krank gearbeitet

Seit 1980 sank die Zahl der Krankenstandstage kontinuierlich, in den ersten elf Monaten des Jahres 2007 war allerdings ein Anstieg zu beobachten. Doch was sagen diese Daten?

Wirtschaftskammer und Wirtschaftsforschungsinstitut haben erstmals einen Fehlzeitenreport in Auftrag gegeben, der kürzlich präsentiert wurde. Krankheits- und unfallbedingte Fehlzeiten verursachen – wie Zahlen aus dem Jahr 2004 zeigen – bei den heimischen Betrieben jährliche Kosten von über 6,5 Milliarden Euro.
In diesem Report, der künftig jährlich erstellt werden soll, wird auch die Entwicklung der Krankenstandstage analysiert – diese sinkt seit 1980 kontinuierlich. Als eine Ursache wurde immer wieder der verstärkte Druck am Arbeitsmarkt genannt – Menschen würden oft lieber krank zur Arbeit gehen oder einen Krankenstand möglichst kurz halten, um den Arbeitsplatz nicht zu riskieren.

Report gibt Rätsel auf

In den ersten elf Monaten des Jahres 2007 hat die Zahl der Krankenstandstage allerdings um 11,9 Prozent zugenommen. „Wir können momentan noch nicht sagen, woran dies liegt, die Trendwende darf sicher nicht einfach ignoriert werden“, sagt Dr. Martin Gleitsmann, Leiter der Sozialabteilung der Österreichischen Wirtschaftskammer. Er sieht den Fehlzeitenreport als Ausgangspunkt für konkrete Maßnahmen auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung.
Auch andere Details der Zahlen des Reports geben noch einige Denkaufgaben auf bzw. sollten zu konkreten Maßnahmen Anlass geben: Zwischen 1991 und 2006 sind die wegen psychischer Erkrankungen notwendig gewordenen Krankenstandstage um über 90 Prozent gestiegen, das ist ein Zunahme von rund 790.000 Tagen. Außerdem gehen 5.000 Personen aus diesem Grund in frühzeitige Pension – bei den Männern bedeutet dies eine Verdopplung der Zahlen im Vergleich der letzten Jahre. Zwar liegen psychische Erkrankungen auf dieser negativen Hitliste nach wie vor hinter z. B. Problemen im Stütz- und Bewegungsapparat, doch Maßnahmen zur psychosozialen Gesundheitsförderung werden immer wichtiger.
Im Fehlzeitenreport festgestellt wurde außerdem, dass die Quote der Krankenstände mit zunehmendem Alter stark ansteigt. Aber auch junge Männer fehlen vergleichsweise häufiger wegen Krankheit am Arbeitsplatz. Sie sind oft nur kurz krank, während mit dem Alter die Dauer des Krankenstandes deutlich steigt. Gesundheitsförderung müsse daher noch viel stärker zielgerichtet erfolgen und – etwa bei älteren Arbeitnehmern – vorhandene Ressourcen gezielt fördern.
Von Seiten der Arbeiterkammer wird auf einen anderen besorgniserregenden Trend hingewiesen: Bei arbeitssuchenden Menschen ist die Zahl der Krankenstandstage von 19 Tagen (1990) auf 36 Tage (2006) gestiegen. Die immer schärfer werdenden Zumutbarkeitsbestimmungen würden den Druck und das Risiko eines Krankenstandes noch erhöhen. Gerade auch in diesem Bereich sei Gesundheitsförderung besonders wichtig.

Finanzieller Druck auf die AUVA steigt

Einen weiteren Aspekt bringt Helmut Klomfar, Obmann der AUVA, ein: „Der Fehlzeitenreport zeigt auch einen Rückgang vorangehender Arbeitsunfälle um 44 Prozent auf. Die AUVA ist an diesem Erfolg durch ihre umfangreiche Präventionsarbeit beteiligt.“ Dieser erfreuliche Trend bringt aber auch mit sich, dass der Anteil der Arbeitsunfallverletzten in den AUVA-Spitälern immer kleiner wird – „derzeit liegt er bei knapp zwölf Prozent“, berichtet Klomfar.
„Für den überwiegenden Teil unserer Patienten bekommen wir von den Krankenkassen nur ein Viertel unserer Kosten ersetzt – die Unterdeckelung liegt bei 130 Millionen Euro pro Jahr.“ Die AUVA würde seit Jahren Kostenwahrheit einfordern, allerdings erfolglos, der finanzielle Druck würde immer größer werden. Weiters fordert Klomfar, „dass das Know-how der AUVA zur Unfallprävention auch im Privat- und Freizeitbereich zum Einsatz kommt“. Mit gezielten Maßnahmen, z. B. solchen, die die Ergonomie berücksichtigen, ließen sich eine sehr große Zahl an Krankenständen vermeiden.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 5/2008

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